Zwangsabschiebung der Oberwarter Flüchtlingsfamilie

Erstellt am 04. März 2018 | 10:23
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Die sechsköpfige Familie aus Syrien wurde Sonntagmorgen von der Polizei abgeholt und soll nach Bulgarien abgeschoben werden. In jenes Land, in dem die Kinder misshandelt wurden.
Werbung

Ein Sonntag sollte anders beginnen. Bei den Mohammads klopft kurz vor sechs Uhr morgens die Polizei an die Tür. Draußen ist es noch dunkel, die Familie schläft. Drei Autos voller Polizeibeamter parken vor dem Haus in der Wienerstraße 28, wo die Flüchtlingsfamilie aus Syrien lebt. Der Unmut darüber, die vier kleinen Buben zwischen zwei und elf Jahren und ihre Mutter abführen zu müssen, steht den Polizeibeamten sichtlich ins Gesicht geschrieben. „Wir haben auch Kinder und Enkerl in diesem Alter“, sagt einer von ihnen, den Kopf zum Boden gewandt.

Die Mohammads sind staatenlose Kurden aus Syrien, die abgesehen vom Krieg in ihrer Heimat, auch sonst kaum Rechte dort hatten. Als das Haus zerbombt wird und der Bruder darin stirbt, wagen auch Mutter Manal und ihr Mann Majid mit ihren damals drei Kindern die Flucht. Vier Jahre lang dauert sie, die Reise, bis die Familie es endlich nach Österreich schafft. Ihr Weg dahin führt sie auch über Bulgarien, wo sie schreckliches erleben und die damals drei, fünf und acht Jahre alten Kinder schließlich im Gefängnis landen. Alleine. Ganz alleine. Die Traumen aus dieser Zeit bedürfen bis heute psychologischer Betreuung. Die Angst vor „Männern mit Waffen und großen Stöcken“ ist nach wie vor groß.

Familie wird nach Wien gebracht

Und dann stehen da, an diesem Sonntagmorgen im Dunkeln, plötzlich Polizisten vor der Tür. Manfred Schreiner von der Landespolizeidirektion Eisenstadt erklärt auf Nachfrage der BVZ: „Wir haben vom Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl den Auftrag erhalten, die Familie Mohammad nach Wien zu bringen. Mehr kann ich aktuell zu dem Fall nicht sagen.“

Die Beamten machen ihren Job zweifelsohne gut, gehen behutsam mit der Situation um und versuchen den Kindern keinerlei Angst zu machen. Trotzdem sitzt die Familie am Ende im Polizeiwagen, der sie nach Wien in die Zinnergasse bringt. Dort müssen die Mohammads bleiben, bis am Dienstag, den 6. März um 12 Uhr, ihr Flieger nach Bulgarien geht. Es sei denn, es geschieht vorher noch ein Wunder.

Die ganze Geschichte der Mohammads:

So könnt ihr helfen!

Unterzeichnet die Petition für das Bleiberecht von Familie Mohammad: http://chn.ge/2CaT6zu

Teilt eure Geschichte und appelliert an die Zuständigen in der Politik.

Werbung
Anzeige