„Da kluani Prinz“ in Hianzisch. Karin Ritter hat das wohl berühmteste Buch der Welt ins Hianzische übersetzt. „A kluana Prinz“ gaunz groß.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:35)

Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Egal ob auf Französisch, in englischer Sprache oder Hochdeutsch: Jedes Wort, dass Antoine de Saint-Exùpery in seinem 1943 erstmals erschienen Buch „Der kleine Prinz“ geschrieben hat, hat über Jahrzehnte die Herzen Millionen von Menschen berührt. Und wer sich am Ende des Buches vom kleinen Prinzen verabschieden muss versteht spätestens dann, dass Saint-Exúpery mit dem Herzen sah – und schrieb. „In der Schule damals, da hab ich das allerdings gar nicht so gesehen oder verstehen können. Eigentlich mochte ich das Buch nicht“, gesteht Karin Ritter heute.

Hianzisch ist weit und liebenswert

Ein halbes Jahrhundert später und ein Leben an Erfahrungen reicher, hat Ritter ihre Meinung freilich revidiert. Ein Jahr lang hat Ritter damit verbracht, den kleinen Prinzen ins Hianzische zu übersetzen. „Ich bekam eine Anfrage von der Edition Tintenfass, ob ich das Buch in unsere hiesige Mundart übersetzen könne. Anfangs dachte ich noch, dass sei bloß eine Fake-Mail“, erinnert sich die Südburgenländerin, die aus Neustift bei Schlaining stammt. Die Übersetzung erfolgte aus dem Original in französischer Sprache. „Es gab keine Zeitvorgabe vom Verlag, das war schön. Die weiche, vokalreiche burgenländische Mundart macht die Geschichte von Freundschaft, Vertrauen und Menschlichkeit noch um einiges liebenswerter als die hochdeutsche Fassung“, ist sich Karin Ritter sicher – und sie muss es schließlich wissen, hat die 65-Jährige doch bereits einige Bücher im burgenländischem Dialekt verfasst.

Da „kluani Prinz“ wurde in einer Auflage mit 300 Stück im Hianzischen gedruckt. „70 Exemplare waren sofort weg. Ein Deutschprofessor hat es beispielsweise für den Unterricht am Gymnasium erworben“, weiß Ritter. Das Meisterwerk des ehemaligen französischen Piloten, der den kleinen Prinzen während des zweiten Weltkrieges schrieb, wurde bis heute in 350 Sprachen und Dialekte übersetzt. „Altenglische Dialekte oder kroatische sind ebenso dabei wie arabische Sprachen.“ Das Hianzische ist, so die Expertin, „eine Erzählsprache und gar nicht so einfach zu lesen. In der Mundart gibt es ganz viele Ausdrücke, die es im Hochdeutschem so nicht gibt. Das macht die Übersetzung auch oft zu einer Herausforderung, aber einer sehr spannenden.“

Typisch für den Hianzischen Dialekt ist das „ui“. So macht der kleine Prinz dann auf burgenländisch eben den Mund vor lauter staunen net „zui“ und er „tuit“ freilich auch immer höflich griaßn, wenn er jemanden kennenlernt, ganz so wie der Autor vor 77 Jahren es in seinem geschriebenen Plädoyer für Freundschaft und Menschlichkeit vorgab. „Da kluani Prinz“ auf Hianzisch ist etwas, das man als echter Burgenländer fix gelesen haben muss. Und wenn man sich bei manchen geschriebenen Sätzen beim Lesen vielleicht etwas anstrengen muss dann einfach die Augen zumachen - das Herz versteht von selbst.