"Akutes Pilotprojekt“. Die „Akutordination Oberwart“ wird gut angenommen. 27 Allgemeinärzte garantieren zu Tagesrandzeiten medizinische Hilfe im Spital, via Hausbesuch und Telefondienst.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 12. Oktober 2016 (16:18)
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Vanessa Bruckner

Dienstagnacht, 23 Uhr. Das Fieber ihrer dreijährigen Tochter geht einfach nicht runter? Freitag, 18.30 Uhr: Die Halsschmerzen werden schlimmer aber der Hausarzt hat schon zu? Das Pilotprojekt „Akutordination Oberwart“ hilft. Konkret von Montag bis Freitag, 17 Uhr bis 7 Uhr früh mit einem Team aus 27 niedergelassenen Allgemeinärzten aus dem Bezirk, Rettungssanitätern und einem professionellem Telefonarzt.

Zweieinhalb Jahre lang haben Experten daran gearbeitet. Seit 3. Oktober läuft das österreichweit einzigartige Pilotprojekt „Akutordination“ bereits. Jetzt zogen die Verantwortlichen eine erste Bilanz.

„Die Zentralen Erstaufnahmestellen in den Krankenhäusern sind massiv überlastet, weil leider auch viele Patienten wegen einem bloßen Schnupfen dorthin gehen. Die Akutordination macht den Hausarzt wieder zum Hauptmanager und entlastet damit den teuren Spitalsbereich,“ ist Christian Moder, Direktor der BGKK überzeugt.

"Projekt ist bestens durchgeplant"

„Das Projekt ist bestens durchgeplant und die erste Woche sehr gut angelaufen“, berichtet Allgemeinmediziner Hannes Leirer, der einer von 27 Ärzten im Dienstrad ist. Patienten, die ohne Zuweisung das Spital aufsuchen, werden zunächst der Akutordination zugeleitet wo ein erfahrener Allgemeinmediziner eine Erstbegutachtung vornimmt, gegebenenfalls erstversorgt und je nach Krankheitsbild die Patienten zur weiteren Abklärung an die Zentrale Aufnahme- und Erstversorgungseinheit des Krankenhauses Oberwart (ZAE) weiterleitet oder aber auf den niedergelassenen Hausarzt / Facharzt auf den nächsten Tag verweist.

Leirer: „Insgesamt 50% der Patienten, die die Akutordination aufsuchten, konnten auch dort behandelt werden. Die anderen 50% wurden an die ZAE weitergeleitet.

„Es ist eine Win-Win-Situation, sowohl für den Patienten, als auch für niedergelassene Hausärzte und jene Kollegen, die im Krankenhaus ihren Dienst verrichten“, ist sich AK Vizepräsident Michael Schriefl sicher denn „die Patienten sind dadurch auch zu Tagesrandzeiten bestens versorgt, die Hausärzte haben anstelle von durchschnittlich zwei Notdiensten pro Woche mit dem Dienst in der Akutordination nur noch viereinhalb Dienste pro Quartal und die Fachärzte im Spital werden entlastet und können sich den wirklichen Notfällen und Erkrankungen in ihrem Fachgebiet zeitlich entsprechend widmen“, fügt Michael Lang, Präsident der Ärztekammer Burgenland erklärend an.

"Fixe Anlaufstelle von Montag bis Freitag, 17 bis 22 Uhr"

Die Akutordination ist direkt im Oberwarter Krankenhaus angesiedelt. Konkret in einem Raum nur wenige Meter vom ZAE entfernt. „Somit haben die Patienten von Montag bis Freitag, 17 bis 22 Uhr eine fixe Anlaufstelle für allgemeinmedizinische Notfälle. Im selben Zeitraum betreut ein Visitenarzt geh- und transportunfähige Menschen gemeinsam mit einem Sanitäter des Roten Kreuz in Form von Hausbesuchen. Ab 22 bis 7 Uhr steht ein professioneller Telefonarzt unter der Bekannten Nummer 141 zur Verfügung.

„Wenn Rettung und Notarzt gebraucht werden, sind diese selbstverständlich nach wie vor Einsatzbereit“, betont Doktor Hannes Leirer, der außerdem weiß „ gerade junge Patienten wissen nicht einmal, dass es so etwas wie Notdienste der niedergelassenen Hausärzte überhaupt noch gibt und fahren dann oft gleich ins Krankenhaus und in die Notaufnahme. Jetzt hat man gleich drei verschiedene Möglichkeiten die eine nie dagewesene medizinische Betreuung garantieren.“

„Nicht zuletzt dient der Pilotversuch der Attraktivierung des Landarztberufes. Durch die zeitliche Begrenzung der Dienstzeiten sollen Ärzte motiviert werden, wieder Landarztstellen zu übernehmen. Das ist wichtig für eine langfristige Sicherung unseres Gesundheitssystems“, so Gesundheitslandesrat Norbert Darabos.

Keine Änderung bei Samstagen, Sonn- und Feiertagen

Die Akutordination selbst soll das bewährte Hausarztsystem nicht ersetzen: Es handelt sich um eine Ordination für allgemeinmedizinische Notfälle; Krankschreibungen, Kontrollen, Wiederbestellungen oder die Weiterverordnung von Medikamenten werden dort nicht stattfinden.

Vom Pilotprojekt umfasst sind sämtliche Gemeinden des Bezirkes Oberwart mit Ausnahme von Litzelsdorf, Kemeten und Deutsch Schützen-Eisenberg, welche weiterhin vom Bereitschaftsdienst Güssing mitversorgt werden. Der Pilotversuch ersetzt den allgemeinmedizinischen Wochentagsnacht-Bereitschaftsdienst in den betroffenen Gemeinden.

Keine Änderungen gibt es vorerst beim allgemeinmedizinischen Notdienst an Samstagen, Sonn- und Feiertagen: Hier bleibt es beim Bereitschaftsdienst in der derzeitigen Form. Über die bewährte und bekannte Rufnummer 141 bekommen Patienten alle erforderlichen Auskünfte.

Träger des Projektes sind das Land Burgenland, die Burgenländische Gebietskrankenkasse, die Ärztekammer für Burgenland, der Burgenländische Gesundheitsfonds und die KRAGES. Weitere Partner sind das Rote Kreuz, die Landessicherheitszentrale sowie der Notruf Niederösterreich. Das Pilotprojekt läuft bis Ende 2017.