Arbeitsmarkt: „Wir brauchen alle“. Ein Rückgang der arbeitslos vorgemerkten Personen in Oberwart von knapp 20 Prozent 2021 (im Vergleich zum Vorjahr) lässt hoffen.

Von Carina Fenz. Erstellt am 03. Februar 2022 (05:30)

Der Arbeitsmarkt entwickelt sich so gut, wie lange nicht. Mit einem Minus von 23 Prozent verzeichnete das Südburgenland 2021 den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Jahr davor. Dies verkündeten Landesrat Leonhard Schneemann und die stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS, Karin Steiner. Zudem präsentierte Schneemann die arbeitsmarktpolitischen Schwerpunkte. „Es ist unser Ziel, die Fachkräfte im Land zu halten und viele neue Fachkräfte zu gewinnen“, so Schneemann. Rund vier Millionen Euro investiert das Land daher im heurigen Jahr in die Arbeitnehmerförderung.

Die Arbeitnehmerförderung umfasst die Lehrlingsförderung sowie die Lehrwerkstättenförderung, in deren Rahmen öffentliche Mittel nun noch zielgenauer in die Ausbildung von Jugendlichen investiert werden. Unterstützung gibt es auch für Aus- und Weiterbildungen sowie Umschulungen. Gefördert wird auch die überbetriebliche Ausbildung.

Weiterhin wird es auch den Fahrtkostenzuschuss für PendlerInnen geben. Besonders große Hoffnungen setzt man auch in die verkürzte Lehrausbildung im Rahmen der Fachkräfteoffensive. Dem AMS stehen, so Karin Steiner, mit 48,5 Millionen Euro heuer zudem deutlich mehr Fördermittel zur Verfügung, als noch im Vorjahr. Rund die Hälfte davon, 23,5 Millionen Euro, entfällt auf den Süden.

Strobl: Schwer Prognosen zu stellen, aber es läuft

Sehr optimistisch gibt sich auch der Leiter des AMS Oberwart, Dietmar Strobl, im Bezug auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Bezirk. „Natürlich ist es heikel, Prognosen in die Zukunft zu erstellen, aber es läuft“, so Strobl.

Ein Rückgang der arbeitslos vorgemerkten Personen von knapp 20 Prozent 2021 (im Vergleich zum Vorjahr) lässt hoffen. Die Entwicklung der letzten fünf Jahre sei – mit Ausnahme von 2020 – sehr positiv. Im Vorjahr wurde man mit offenen Stellen „förmlich überschwemmt“, weiß Strobl.

Fast 2.200 Stellen wurden inseriert, mehr als 1.800 konnte man abdecken — ein Rekordwert. Dieser Trend scheint sich auch heuer wieder fortzusetzen. „Gab es früher im Jänner an die 100 offenen Stellen, so sind es aktuell 300“, rechnet Strobl vor. Paradoxerweise bedeute das jedoch nicht, dass die Vermittlung problemlos über die Bühne geht.

„Wir gehen momentan von 2.200 arbeitssuchenden Personen aus. 700 davon haben eine Wiedereinstellungszusage beim selben Dienstgeber. Von den restlichen 1.500 Personen sind 700 Personen über 50 Jahre, 800 Personen langzeitarbeitslos, 700 Personen haben keinen Pkw zur Verfügung“, erklärt der AMS-Chef. Dazu kommt, dass 1.100 Personen – das sind fast drei Viertel der Vorgemerkten, keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen.

‚Wir brauchen alle‘ gewinnt an Bedeutung

„Früher zählte man damit vielleicht schon zum ‚alten Eisen‘ oder galt als unvermittelbar. Aber auch diese Zeiten haben sich geändert. ‚Wir brauchen alle‘, ist ein Slogan der Wirtschaft, der immer mehr an Bedeutung gewinnt“, ist Strobl überzeugt. Das „einige Jahre warten auf die Pension“ gehöre vielfach der Vergangenheit an. „Auch ein Alter von 60 Jahren ist für immer weniger UnternehmerInnen ein Grund, jemand nicht einzustellen. Auch langzeitarbeitslosen Personen wird verstärkt eine Chance gegeben – Eignung und Engagement vorausgesetzt“, erklärt er.

Eine große Herausforderung sei die fehlende Berufs- und Schulausbildung. Ein Großteil der vorgemerkten Personen sind in erster Linie für Hilfs- und Anlerntätigkeiten einsetzbar – aber mehr als die Hälfte der offenen Stellen verlangen zumindest FacharbeiterInnenniveau. Dieser Trend werde sich auch 2022 fortsetzen.

„Deshalb versucht das AMS verstärkt, vorgemerkte Personen für qualifizierte Ausbildungen zu begeistern. Aber nicht nur für die Ausbildungen – im Anschluss daran liegt uns viel daran, die Arbeitsaufnahme in ausbildungsadäquate Jobs zu ermöglich. Selbst bei Frauen in sogenannten Männerberufen steigt die Erfolgsquote enorm. Gut ausgebildete Fachkräfte können sich in der Regel ihre Arbeitsplätze aussuchen und werden demzufolge gar nicht oder nur kurz arbeitslos“, ist Strobl überzeugt.

„Corona hat auch unsere Arbeitswelt mit einem ‚Riesentuscher‘ verändert"
Dietmar Strobl, AMS-Chef in Oberwart

Fakt ist, so Strobl, „Corona hat auch unsere Arbeitswelt mit einem ‚Riesentuscher‘ verändert: Der Beginn des Horrorszenarios im März 2020, die Explosion der Arbeitslosigkeit auf einen nie erwarteten Höchststand, Lockdowns, Kündigungen und Kurzarbeit, triste Wirtschaftsprognosen für die nähere Zukunft und trübe Aussichten für den Arbeitsmarkt.

Glücklicherweise, so der Arbeitsmarktexperte, „irren sich auch Experten – und vieles kam ganz anders. Als Leiter des AMS Oberwart sei er sehr zuversichtlich, dass auch 2022 „ein gutes Jahr“ wird. Ob der Arbeitsmarkt im Bezirk auch 2022 ein neuerliches Minus von 20 Prozent schafft und ob es neuerlich einen Rekordwert an offenen Stellen geben wird? „Das wäre wünschenswert und sensationell. Der Jänner schaut sehr vielversprechend aus, also sind wir zuversichtlich“, meint Strobl.

Inwieweit die steigenden Energiepreise, die Rohstoffknappheit und Lieferengpässe der Entwicklung des Arbeitsmarktes ein Schnippchen schlagen, sei, so Strobl, dahingestellt. Er rechne damit, dass die Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres abnehme und es auch wieder mehr offenen Stellen geben werde.

Bezirk Oberwart mit höchster Arbeitslosenquote

Was man aber, so der AMS-Chef, trotz der guten Entwicklung nicht außer Acht lassen dürfe, sei, dass der Bezirk Oberwart im Vergleich zu den restlichen Bezirken im Burgenland die höchste Arbeitslosenquote aufweise.

Auch das Ranking im Österreichvergleich trübt die Stimmung, „da sich der Bezirk Oberwart im letzten Drittel der Tabelle wiederfindet. Wesentlich besser geht es hier unserem steirischen Nachbarbezirk Hartberg, dieser liegt mit 5,5 Prozent bereits unter den Top 30“, erklärt der AMS-Leiter Dietmar Strobl.