Buchwochen vom 7. bis 19. Oktober im Offenen Haus . Das diesjährige Programm zeichnet sich durch hochaktuelle Themen, prominente Autoren, nachdenkliche Analysen und hintergrundbeleuchtende Gespräche.

Von Carina Fenz. Erstellt am 30. September 2018 (15:24)
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Oper Ratensturm
Oper Ratensturm
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Das Programm der Buchwoche im OHO ist gleichermaßen hochwertig und spannend, wie man es im Südburgenland selten genießen kann. Die Ausstellung „Bewegungen“ des Fotografen Christian Ringbauer wird Porträts von bekannten Autoren auf sehr spezielle Art zeigen. Ringbauer wird mit den porträtierten Autoren Gespräche führen. Dies sind Konstanze Breitebner, Clemens Berger, Petra Piuk und Peter Wagner.

Autor und Radiokünstler Peter Pessl
Autor und Radiokünstler Peter Pessl
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Der Autor und Radiokünstler Peter Pessl wird mit seiner audioakustischen Hörspielinstallation „Sehe ich mit den Augen der anderen", präsentiert in der Galerie des OHO, über die Ohren der Besucher Gedanken und Augen öffnen; mit seinem radio art piece als Klanginstallation bearbeitet er das Thema der darstellbaren Nicht-Darstellbarkeit des Holocaust auf besondere Weise. Danach bringt das OHO Musik und Videos mit Ausschnitten aus der Oper „Ratensturm“ von Peter Wagner, mit der Musik des Kaliforniers Erling Wold, von der hymnisch umjubelten Premiere in der Theaterhalle11 in Klagenfurt.  Den Abschluss der fulminanten Buchwochen-Eröffnung bilden Lesung und Diskussion mit Josef Cap und Franz Glaser, die aus ihren kürzlich erschienen neuen Büchern lesen werden. Die Moderation übernimmt die Grand Dame des österreichischen Innenpolitik-Journalismus, Anneliese Rohrer.


Die Buchwoche bringt am 10. Oktober (19.30 Uhr) Essentielles zur regionalen Verbundenheit und Verbindung. Die „Oberwarter Dialoge“ beschäftigen sich im Lese- und Gesprächsdialog zwischen den Autoren Petra Piuk und Peter Wagner mit dem Thema „Geblieben/Weggegangen“. Zusammen mit der Expertin Isabel Stumfol, von der Technischen Universität Wien, wird über die Vielfalt der Migrationsformen von ganz tief im Selbst, bis hin zu den von uns allen erlebten Migrationsströmen gesprochen. Schon seit Jahrhunderten gibt es Wanderungsbewegungen in die Städte. Seit den 60er-Jahren wird hierfür der Begriff Landflucht verwendet.

 

Am Donnerstag, dem 11. Oktober (19.30 Uhr) wird es spannend. Thomas Himmelbauer liest aus seinem nunmehr vierten Südburgenland-Krimi „Tod im Zickenwald“. Thomas Himmelbauer ist Doktor der Naturwissenschaften, unterrichtet an einem Wiener Gymnasium und ist Krimiautor aus voller Leidenschaft. Seit 2009 veröffentlicht der in Güttenbach ansässige Autor Kriminalromane. „Ein Ziel von mir als Mathematiker ist, möglichst eine logische Geschichte zu verfassen, die dann trotzdem noch spannend ist. Das ist immer eine Gratwanderung“, so der Autor zu seinen Krimis.

 

Clemens Berger
Clemens Berger
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Konstanze Breitebner
Konstanze Breitebner
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Teil 2 der „Oberwarter Dialoge“ mit dem Titel „Gekommen/Gegangen?“ am 12. Oktober (ab 19.30) im OHO, widmet sich dem großen Thema der Binnenmigration und ihren Auswirkungen. Im Gespräch zwischen den Autoren Konstanze Breitebner und Clemens Berger, sowie der Expertin für Ruhestandsmigration, der Geografin Elisabeth Gruber, werden einander Erfahrungen und neueste Forschung begegnen. In diesem Dialog zum Thema Stadt - Land treffen der Autor Clemens Berger und die Regisseurin, Schauspielerin und Drehbuchautorin Konstanze Breitebner zusammen. Beide haben sich entschieden, ihren Lebensmittelpunkt zu verschieben. Zumindest zeitweise oder für immer? Haben sich die Erwartungen mit dem Lebenswechsel erfüllt? 

Die Geografin Gruber forscht zum Phänomen der "Retirement Migration". RuhestandsmigrantInnen sind sowohl neuzugezogene Personen, die mit einer Region bisher noch wenig Kontakte hatten, ebenso wie zurückkehrende Personen. Im Südburgenland kann ein Zuzug aus Westösterreich beobachtet werden: Im Vergleich zu Tirol oder Vorarlberg finden sich dort günstige Immobilien- und Grundstückspreise. Für ländliche Regionen haben RuhestandsmigrantInnen positive Effekte. Dies und vieles mehr wird in guter Atmosphäre diskutiert.

 

„Zwischen den Zeilen“ ist das Thema des Abends am 18. Oktober, ab 19.30 Uhr. Anlässlich der Buchwoche 2018 findet ein spannendes miteinander zweier Autoren statt. In lockerer Form - als Mischung von Interview, Zwiegespräch, Lesung und Musik - begegnen einander die Schriftstellerin Katharina Tiwald und der Schriftsteller und Radiokünstler Peter Pessl. Der musikalische Beitrag stammt aus Pessls Hörspiel. Peter Pessl zählte zu den jungen Autoren der Literaturzeitschrift Perspektive, die sich um Petra Ganglbauer versammelten, und stand mit Friederike Mayröcker und anderen Dichtern der Wiener Avantgarde in regem Briefwechsel. Das hat den Autor nachhaltig geprägt. Bekannt wurde er als Verfasser zahlreicher Hörspiele und Hörstücke des Ö1-Kunstradios. Es handelt sich oft um Sound- und Hör-Collagen, die ganz im Sinne der Wiener Avantgarde mit Lauten, Geräuschen, Silben und Textversätzen arbeiten. 

 

Robert Menasse
Robert Menasse
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Der abschließende Höhepunkt der Buchwoche ist das Gespräch mit Lesung von „Menasse und Menasse“ am 19. Oktober um 19.30 Uhr. Zwei Cousins mit der großen Liebe zu den Worten treffen im OHO zusammen und reden. Der vielfach ausgezeichnete Autor Robert Menasse zählt zu den bedeutendsten Autoren und politischen Kommentatoren Österreichs und hat mit seinem letzten Roman „Die Hauptstadt“ den deutschen Buchpreis 2017 erhalten. „Die Handlung des Romans dreht sich um die EU-Nomenklatur und bietet von allem etwas: Politik, Mord, Verschwörungen, Klamauk, Kolportage, Polemik und Analyse. Robert Menasse ist nicht nur durch seine Romane bekannt geworden, auch seine politischen Essays haben in Österreich immer wieder für Furore gesorgt. Darin kommentiert er die österreichische Politik mit einem ihm eigenen kritischen Blick. Sein im Burgenland lebender Cousin Peter Menasse ist Kommunikationsberater und Journalist, u.a. Chefredakteur der jüdischen Zeitschrift „NU“ und Kolumnist der Stadtzeitung Falter. Er wird mit Robert Menasse – im Sinne des Gedenkjahres 100 Jahre Republik – ein Gespräch über seine Bücher und Essays führen.

 

Der Reigen der sensibel inszenierten Programmpunkte beginnt am Sonntag, dem 7. Oktober (17 Uhr) mit der Eröffnung. Die Buchwochen werden mit der Begrüßung durch den Oberwarter Bürgermeister Georg Rosner, den Vorstandsvorsitzenden der Energie Burgenland Michael Gerbavsits und durch Landtagsabgeordneten Christian Drobits gestartet. Die Eröffnungsrede hält die Schriftstellerin Theodora Bauer. Weitere Programm-Informationen finden Sie auch unter www.oho.at