Ein Weihnachtswunder wird dringend gesucht!. Jahrelang auf der Flucht, getrennt von den Kindern, die im Gefängnis in Bulgarien landeten. Und genau dorthin soll die Familie Mohammad jetzt abgeschoben werden.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 19. Dezember 2017 (19:12)
BVZ, Vanessa
Versuchen, optimistisch zu bleiben. „Zu Weihnachten geschehen ja angeblich immer wieder Wunder“, hofft Mama Manal. Der Christbaum ist übrigens der allererste der Familie. Und hoffentlich nicht ihr Letzter.

Versuchen Sie, sich Folgendes vorzustellen: Sie bringen ihr viertes Kind ganz alleine in einem fremden Land auf die Welt. Ihr Baby, das man Ihnen sofort nach der Geburt für zwei Tage wegnimmt.

Wochen später sind Ihre anderen Kinder – drei, fünf und acht Jahre alt – mit einem Schlepper und zwei Cousinen auf dem Weg zu Ihnen, werden aber von der Polizei geschnappt und landen im Gefängnis, wo man sie gemeinsam mit Schwerverbrechern einsperrt. Also nehmen Sie Ihr kleines Baby und harren tagelang auf der Straße vor dem Gefängnis aus.

Nur einmal erhaschen Sie einen kurzen Blick auf Ihre Jungs, die verzweifelt schreien. Vor Angst, vor Hunger. Delo, Massoud und Juan wurden von den Gefängniswärtern geschlagen und ausgehungert. Sie teilten sich zu dritt ein Bett, eigentlich zu viert, „weil da war auch eine große Maus, die kam nachts immer, das war ekelig“, erinnert sich der heute 9-jährige Delo. „Das war keine Maus, sondern eine Ratte“, korrigiert Mama Manal und fährt ihrem ältesten Sohn liebevoll durchs Haar.

Und jetzt stellen Sie sich vor, Sie bekommen zwei Wochen vor Weihnachten den Bescheid darüber, wieder in dieses Land zurückzumüssen. Nach Bulgarien.

Kinder sind bis heute schwer traumatisiert

Was der syrischen Familie Mohammad auf ihrer in Summe vierjährigen Flucht alles widerfahren ist, kann man sich nicht vorstellen. Dann haben es die staatenlosen Kurden Manal und und Majid mit ihren Kindern Delo, Juan, Massoud und Saleh, endlich geschafft, in Österreich vereint zu leben.

„Staatenlose Kurden haben kaum Rechte in Syrien. Unsere Familie wurde verfolgt, unser Haus zerbombt, dabei starb ein Bruder und der jüngste, der starb in Österreich bei einem Arbeitsunfall“, erzählt Kadar, der Onkel der vier Mohammad-Kinder. Er ist seit 2014 österreichischer Staatsbürger und arbeitet in einem Bauunternehmen. Der Rest der Familie hat Asyl.

Alle, bis auf die Mohammads. In drei Wochen sollen die Sechs nach Bulgarien abgeschoben werden. Was die Kinder dort im Gefängnis erlebt haben, bedarf bis heute psychologischer Betreuung. Als ich sie nach dem Nikolaus frage, antwortet der sechsjährige Juan: „Der hat einen großen Stock, wie die Männer im Gefängnis damals.“ Dann reißt er beide Arme in die Luft und tut so, als ob er mit einem Stock auf seinen Bruder einschlagen würde. Stille im Raum. Und frohe Weihnachten.

So helfen Sie!

Unterzeichnen Sie die Petition für das Bleiberecht von Familie Mohammad: http://chn.ge/2CaT6zu

Teilen Sie ihre Geschichte und appellieren Sie an die Zuständigen in der Politik.