Gastronomie in der Innenstadt: Belastung nimmt zu. Der Frust ist angesichts der Lockdown-Verlängerung groß. Vor allem die Perspektiven fehlen.

Von Carina Fenz. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:28)
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OBERWART Seit 108 Tagen hat die Gastronomie mit 18. Feber schon geschlossen. Die Aussichten auf eine Wiedereröffnung vor Ostern sind gering, geht es zumindest nach den Ankündigungen der Bundesregierung. Für die leidgeprüften Gastwirte eine Bewährungsprobe, die sich mittlerweile ins Unendliche zieht. Das Hauptproblem für die meisten sind vor allem die fehlenden Perspektiven. „Auch wenn es absehbar war, ist die Ernüchterung doch sehr groß. Vor allem der psychische Druck wird immer größer. Wir, Gastronomen sind es gewöhnt, unseren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, und jetzt sind wir weiterhin dazu degradiert, zu Hause zu bleiben. Dabei würden wir nichts lieber tun als unsere Gäste zu bewirten“, spricht Tamdhu-Chefin Carmen Weyse auch die steigende emotionale Belastung als großes Problem an.

Es gehe, so Weyse, auch darum, dass man trotz der Unterstützungen mittlerweile auch viel Geld aus der eigenen Tasche aufwenden muss, um Mitarbeiter weiterhin zu tragen und auch um das Lokal, welches seit Monaten nicht in Betrieb ist, instand zu halten. „Man muss permanent investieren, aber verdienen seit Monaten nichts“, so Weyse, die aber trotzdem positiv bleiben will. „Wenn die Krise überstanden ist, dann bin ich überzeugt, dass es wieder einen Schwung nach oben gibt. Auch der Zuspruch der Gäste hilft uns durch diese Zeit“, ist Weyse überzeugt.

Ins selbe Horn stößt auch Stadtwirt Raimund Schmidinger, der ebenfalls mit der Lockdown-Verlängerung gerechnet hat. „Je mehr Menschen geimpft sind, umso leichter wird es auch für uns werden“, ist Schmidinger überzeugt. Ein Problem sieht er allerdings schon: „Vor allem das Service-Personal gerät nach Monaten des Nichtstuns enorm unter Druck. Hier fehlt das Trinkgeld als fixer Bestandteil des Gehalts und wenn das so weitergeht, dann wird viel qualifiziertes Personal in andere Jobs abwandern“, vermutet Schmidinger.

Georg Halper vom Touch und Almrausch kann die Nicht-Öffnung, „vor allem für die Tagesgastronomie“ nicht nachvollziehen. „Ich kann verstehen, dass Nachlokale das Nachsehen haben, auch weil man das Trinkverhalten der Gäste nicht beeinflussen kann, aber warum können mittlerweile alle arbeiten oder zur Schule gehen und nicht kontrolliert, mit Auflagen in ein Lokal auf einen Kaffee oder ein Mittagsmenü“, fragt sich Halper, der davon überzeugt ist, mit einer solchen „sanften“ Öffnung viele Arbeitsplätze und Unternehmer noch retten zu können. Für seine beiden Nachlokale mache er sich keine Sorgen, nach der Krise nicht wieder neu durchzustarten. „Wir überleben das ganz sicher, denn wir haben vorher gut gewirtschaftet“, so Halper, der erst kürzlich seinen Mietvertrag verlängert hat. „Außerdem haben wir vor dem Lockdown kräftig investiert, vor allem in die Außenlocation, denn dem Feiern im Freien wird definitiv die nähere Zukunft gehören“, ist Halper überzeugt.