Mehr Zug für Bahn: Personenverkehr als nächstes Ziel. Land kauft 8,4 Kilometer lange Strecke zwischen Oberwart und Großpetersdorf und betreibt künftig 34,2 Kilometer Bahn bis Friedberg. Über Kaufpreis herrscht Stillschweigen.

Von Michael Pekovics. Erstellt am 25. Juli 2018 (04:59)
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Land kauft 8,4 Kilometer Eisenbahnstrecke. Angeführt von Infrastrukturminister Norbert Hofer, Landeshauptmann Hans Niessl, Landtagspräsidentin Ilse Benkö und Landesrat Alexander Petschnig wurde der Kauf der Strecke von Franz Schuch präsentiert.
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Die Bahnkreuzung bei Rotenturm ist ein geschichtsträchtiger Ort. Bereits im Jahr 2009, exakt in derselben Kalenderwoche, wurde an dieser Stelle eine 1,6 Millionen Euro teure Investition in die Bahnstrecke Oberwart-Rechnitz präsentiert – und auch der Ausbau des Personenverkehrs ab Großpetersdorf angekündigt.

Neun Jahre später hat sich dieses Investment rentiert, die Verkehrsinfrastruktur Burgenland (VIB), ein Unternehmen der Landesholding Burgenland, hat die 8,4 Kilometer lange Bahnstrecke von Unterwart nach Großpetersdorf gekauft.

Die Wiederaufnahme des seit 2011 stillgelegten Personenverkehrs ab Oberwart war auch bei der Präsentation am vergangenen Montag bei der Firma Fischer Holz Thema – sowohl für Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) als auch für Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ). „Unser großes Ziel ist es, wieder eine Bahnverbindung nach Szombathély zu bekommen, das wäre ein weiterer Turbo für das Südburgenland“, betont Hofer. „Das Projekt ist im jüngst unterzeichneten Abkommen mit dem ungarischen Staatssekretär Levente Magyar enthalten, für die Realisierung braucht es aber auf jeden Fall Partner wie das Ministerium und auch die EU“, unterstrich Niessl den „Ausbau des Personenverkehrs als wichtige Perspektive“.

Wann fährt der erste Güterzug? Der genaue Zeitpunkt ist unklar, zuerst muss das Anschlussbahnverfahren abgeschlossen werden. Einen konkreten Termin gibt es nicht.
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So schnell wird das aber nicht passieren, schließlich steht zum heutigen Zeitpunkt noch nicht einmal fest, wann der erste Güterzug ab Rotenturm in Richtung Oberwart fahren soll. Derzeit läuft nämlich noch das Anschlussbahnverfahren, einen möglichen Zeithorizont dafür gibt es nicht. Dennoch wird mit dem Kauf der Bahnstrecke die Infrastruktur und der Güterverkehr im Südburgenland langfristig abgesichert. 2009 wurden gerade einmal 15.000 Tonnen per Bahn transportiert, zuletzt sind die Tonnagen auf über 100.000 gestiegen. Durch die Verlängerung der Strecke bis Großpetersdorf könnte sich diese Zahl verdoppeln. Dementsprechend große Freude herrschte auch bei Wirtschaftslandesrat Alexander Petschnig, der sich weitere Betriebsansiedelungen in der Region erwartet.

Rückblick. Im Jahr 2009 wurde exakt in der gleichen Kalenderwoche eine 1,6 Millionen Euro Investition in die Strecke Oberwart-Rechnitz präsentiert. Neun Jahre später zahlt sich das damals investierte Geld aus. Damals wurden 15.000 Tonnen pro Jahr transportiert.
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Die VIB ist derzeit auf der Suche nach einem geeigneten Standort für die derzeit noch in Oberwart angesiedelte Holzverladestelle. „Längst überfällig“, sagt dazu Stadtchef Georg Rosner (ÖVP) und fordert sowohl die rasche Aufnahme des Güterverkehrs als auch das Offenlegen des Kaufpreises: „Wenn es um rote Prestige-Projekte geht, wird die Transparenz auch bei den Blauen plötzlich hinten angestellt.“

Ähnlich auch der Grüne Wolfgang Spitzmüller, der zwar den Ankauf „begrüßt“, allerdings den geheimen Kaufpreis kritisiert und die Grüne Forderung nach einem Konzept für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs unterstreicht.