Helmut Gabriel: Nach 13.791 Tagen ist jetzt Schluss. Nach 38 Jahren scheidet Helmut Gabriel (ÖVP) aus dem Gemeinderat Oberwart aus. Geld dafür hat er nie angenommen.

Von Carina Fenz. Erstellt am 04. Oktober 2020 (11:54)
Ein ganz Großer geht in Pension, der Dank war dementsprechend groß. Bürgermeister Georg Rosner und die ÖVP-Fraktion verabschiedete Helmut Gabriel nach 38 Jahren aus dem Gemeinderat.
ÖVP

Man kennt ihn in Oberwart. Nein, jeder kennt ihn in Oberwart. Die Rede ist vom pensionierten Korbflechter Helmut Gabriel, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und sich zeit seines Lebens in der Stadt engagierte. Sei es in der Kirche, der Feuerwehr, „wo ich heute noch die Blumen gieße und mich die Kameraden jedes Mal fragen, warum wir Blumen brauchen“, schmunzelt der Pensionist.

Aber auch politisch stand Gabriel immer in der vorderen Reihe. Bei der ÖVP oder im Wirtschaftsbund. Mit vier Bürgermeistern hat er während seiner politischen Laufbahn zusammengearbeitet. „Streit gab es nie, auch wenn man nicht immer einer Meinung war. Das war das Wichtigste“, erklärt er.

„In den 80er-Jahren stand die Stadt finanziell nicht gut da. Da haben alle sparen müssen und dem hab ich mich dann weiterhin verpflichtet.“

38 Jahre lang oder 13.791 Tage war er im Gemeinderat tätig, ohne jemals eine finanzielle Aufwandsentschädigung anzunehmen. „Helmut hat der Stadt dadurch über 10.000 Euro erspart“, bedankte sich Bürgermeister Georg Rosner bei der letzten Gemeinderatssitzung am Donnerstag der Vorwoche, wo Gabriel in die Polit-Pension verabschiedet wurde. „In den 80er-Jahren stand die Stadt finanziell nicht gut da. Da haben alle sparen müssen und dem hab ich mich dann weiterhin verpflichtet“, erklärt der Ehrenmann, dem auch die politischen Mitstreiter ihren größten Respekt zollten.

Bewegende Abschiedsworte gab es auch von Ortschef Georg Rosner: „Durch seine Ruhe, auch in aufgeregten Zeiten, war er immer ein wichtiger Teil. Durch seine Expertise und Bescheidenheit, welche sich auch dadurch zeigte, dass er alle seine Sitzungsgelder der Gemeinde gespendet hat, war er bei allen Fraktionen beliebt. Bei Themen, für die sein Herz brannte, setzte sich Helmut mit vollem Herzblut ein, suchte nach Lösungen, Mehrheiten und war meist erfolgreich. Mit Helmut geht ein ganz großer Oberwarter in seine politische Pension“, so Rosner, der sich bei Gabriel für seine herausragende Arbeit bedankte und ihm und seiner Familie alles erdenklich Gute wünscht.

„Lieber Helmut, ich hoffe dich dennoch, oft bei Veranstaltungen der Stadt und als Hörer von Gemeinderassitzungen begrüßen zu dürfen“, richtet Rosner auch noch eine Bitte an den scheidenden Gemeinderat. „Diese lehne ich nicht ab, denn das Interesse ist ja nach wie vor da“, kontert Gabriel.

„Mit dem Alter wird der Akku schwächer und ich glaube, ich war lange genug da, jetzt sollen die Jungen nachkommen“, begründet der 77-Jährige seinen Rücktritt. Erinnerungen an seine politische Karriere hat er viele: „Im alten Rathaus, wo die Sitzungen immer bis weit nach Mitternacht gedauert haben, war es immer sehr kalt, weil der Gemeindearbeiter immer vergessen hat, die Heizung einzuschalten“, schmunzelt Gabriel. Besonders herausfordernd war auch die Zeit, in der der „Finanzskandal“ aufgekommen ist, im Jahr 2009. „Davon hab ich erfahren, als ich auf einer Pilgerreise in Rom war“, erinnert sich Gabriel.

Besonders am Herzen lag ihm auch immer sein Amt als Umweltgemeinderat. „Der Natur will sich der gelernte Korbflechter jetzt noch mehr widmen. Ich züchte Sibirische Schwertlilien und allerhand andere Blumen. Das ist meine Leidenschaft, genau so, wie das Fotografieren und das genieße ich jetzt.“