Musiker Hödl: „Ich lasse mich nicht kategorisieren“. „Ein Musiker darf nicht nur Handwerker auf seinem eigenen Instrument sein“, sagt Helmut Hödl. Er stammt aus Oberwart, ist Klarinettist und blickt über den Tellerrand.

Von Maximilian Wiesler. Erstellt am 23. Juni 2020 (05:36)
Klassisch ausgebildet, aber in vielen Stilen aktiv. Der gebürtige Oberwarter Klarinettist Helmut Hödl ist international unterwegs.
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Soloklarinettist im Orchester der Wiener Volksoper, Einladungen als Soloklarinettist zu den Berliner Philharmonikern, Komponist für Kammermusikensembles, Orchester und Soloinstrumente, und und und. Helmut Hödl setzt auf Vielfalt. Er stammt aus Oberwart und lebt in Pfaffstätten in Niederösterreich. Das Betätigungsfeld des 51-Jährigen ist breit gestreut, die Musik hat es ihm angetan.

Seine Auftritte führen ihn quer durch Europa, nach Amerika und Asien. Angefangen hat aber alles daheim, ganz simpel. Nach dem Start in der Musikschule war die Stadtkapelle Oberwart die erste Bewährungsprobe für den damals Elfjährigen. Der Gedanke vom gemeinsamen Muszieren habe ihn einst schon fasziniert, sagt er. Und er prägt ihn bis heute. Er besuchte das Musikgymnasium in Oberschützen, absolvierte dann ein Studium an den Musikuniversitäten Graz und Wien. Quasi der logische nächste Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Helmut Hödl bezeichnet sich selbst als vielseitigen Musiker.

Er sei zwar klassisch ausgebildet, aber in verschiedensten Stilen aktiv. In seinem kompositorischen Werk legt er Wert auf Diversität, Schubladendenken ist fehl am Platz. Die Kategorisierung von Musik stört ihn seit seiner Jugend, selbst lasse er sich keinesfalls korsettartig einordnen: „Für mich gibt es nicht DIE „E-Musik“ oder DIE „U-Musik“. Nur Musik, die mich berührt und Musik, die mich kalt lässt. Nur gute und schlechte Musik.“ Das mag nach einer subjektiven Einschätzung klingen, weiß er, revidiert mit der Aussage, es sei doch so, aber prompt.

Es gibt nur Musik, die mich berührt und Musik, die mich kalt lässt. Nur gute und schlechte Musik. Klarinettist Helmut Hödl

Sein Wissen und seine unikale Einstellung lässt er in Produktion und Komposition seiner Werke miteinfließen, vermittelt dies als Leiter einer Klarinettenklasse am Joseph-Haydn-Konservatorium in Eisenstadt aber auch an seine Schüler. Worauf er im beruflichen Alltag achtet, drückt er präzise aus: „Ein Musiker darf nicht nur Handwerker auf seinem eigenem Instrument sein, sondern muss über seinen Zenit hinausschauen.“ Er streicht dabei die Allgemeinbildung als wichtigen Faktor heraus: „Wer nur auf das Eigene konzentriert ist, ist eingeschränkt.“ Über den Tellerrand zu blicken, sei notwendig.

Und das tut er. Konsequent. Helmut Hödl ist in der österreichischen Musikszene und darüber hinaus kein Unbekannter, tritt solo und im Team auf. Er ist Gründer der „vienna clarinett connection“ und der „vienna chamber players“. Stilistische Vielfalt, Kreativität und Flexibilität werden großgeschrieben. Er gibt weltweit Konzerte, unter anderem in Japan, Taiwan, Kanada, Island, Großbritannien, Italien, Frankreich und Holland. Das Reisen mag er, die positiven Erfahrungen umso mehr: „Man nimmt immer gewisse Dinge mit. Einerseits lernt man viele neue Kulturen kennen, schätzt dann aber auch unser Land mehr und kommt gerne zurück.“

Der Reisespirit, der beruflich bedingt auch den persönlichen Horizont erweitert, wurde durch die restriktiven Corona-Maßnahmen vorerst gestoppt. Doch nicht nur das trifft den Künstler. Seine Szene leidet massiv unter den Einschränkungen, vor allem finanziell. Er sei abgesichert, sieht das aber als keinen Grund, um nicht Stimme zu ergreifen. Er lebt gerne in Österreich, der Umgang mit den Kulturschaffenden stört ihn aber, nicht erst seit Corona: „Leider hat die Wertigkeit der Kultur in den letzten Jahren abgenommen.“ Er würde sich mehr Respekt von Politik und Gesellschaft gegenüber der Branche wünschen: „Österreich kennt man nicht wegen der Wirtschaft oder der schönen Landschaft. Wenn man gefragt wird, woher man ist, und Österreich entgegnet, identifizieren die Leute das mit Musik und Kultur – „ah, Mozart“, heißt es dann. Den Menschen in unserem Land ist der Stellenwert dieser Szene oft gar nicht bewusst.“ Der Vorteil der Corona-Krise sei, dass endlich darüber diskutiert werde. Darin sieht Hödl eine Chance.