Patt-Situation: Rosner gewinnt, Leitgeb gewinnt

Erstellt am 07. Oktober 2022 | 04:55
Lesezeit: 4 Min
Stadtchef Georg Rosner (ÖVP) freut sich über die Verlängerung seines Amts. Sein Herausforderer Michael Leitgeb (SPÖ) über den Vizebürgermeister und den Stimmengleichstand im Gemeinderat.
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Ein harter Wahlkampf und zwei faire Sieger, so könnte man den Wahlausgang im Bezirksvorort beschreiben. Während man in den letzten Tagen vor dem Tag X mit „harten Bandagen“ (Stichwort: Schuldenbilanz) um die letzten Wählerstimmen kämpfte, steht nach der Wahl recht schnell die konsensorientierte Zusammenarbeit im Vordergrund.

Das gilt sowohl für VP-Stadtchef Georg Rosner, der sein Bürgermeisteramt verteidigen konnte, als auch für den politischen Quereinsteiger Michael Leitgeb, der für die SPÖ in Oberwart auf Anhieb den Vizebürgermeister holte und vier zusätzliche Mandate im Gemeinderat. Dieses Ergebnis ist es auch, was die beiden „Großen“ in der Stadt jetzt auch versöhnliche Töne anstimmen lässt.

Man braucht sich künftig gegenseitig, wenn es darum geht, etwas für die Stadt zu bewegen. Die Absolute der ÖVP ist nämlich nach dem Verlust eines Mandats Geschichte, das ebenso, wie jenes der Grünen und zwei von der FPÖ zur SPÖ wanderte. So richtig enttäuscht ist Stadtchef Georg Rosner aber nur von der niedrigen Wahlbeteiligung.

„Das ist ein Wahnsinn und das wollen wir analysieren, warum so viele Menschen ihre Stimme nicht abgegeben haben oder ungültig gewählt habe“, spricht Rosner von nur 63 Prozent Wahlbeteiligung und knapp zehn Prozent ungültigen Stimmen.

Dass man die Absolute los ist, ist für Rosner kein Verlust, „weil ich es aus meiner ersten Amtszeit gewohnt bin ohne Mehrheit das Amt zu führen und es jetzt viele konstruktive Kräfte im Gemeinderat gibt, die gemeinsam gute Entscheidungen treffen werden“, streckt Rosner die Hand seinem Gegenüber aus. „Jetzt ist das Anpatzen aus dem Wahlkampf vorbei und jetzt werden wir arbeiten und dazu die Kräfte bündeln. Das erwartet die Bevölkerung und das ist unser Auftrag“, ist Rosner überzeugt.

„Fakt ist, dass wir für Oberwart und St. Martin etwas bewegen wollen und für die Stadt arbeiten wollen. Es geht nicht darum, etwas zu verhindern, sondern es geht darum, gemeinsam etwas umzusetzen. Es geht um ein Miteinander“, hat sich auch Michael Leitgeb (SPÖ) schon voll in seine neue Rolle als Vizebürgermeister eingefunden. Dass er den Bürgermeister nicht entthront hat, sei zwar schade, aber „42 Prozent auf Anhieb zu holen, darauf kann man schon stolz sein“, so Leitgeb.

Für eine Überraschung sorgt auch Ex-Amtsleiterin Katja Massing, die nach der Wahl ihre Rückkehr ins Rathaus feiert. Vom 25 Listenplatz holte sie das Vorzugsstimmenmandat der SPÖ und zieht in den Gemeinderat ein. Ob sie dort ihren Platz im Prüfungsausschuss finden wird? Vielleicht, denn wer kennt die Finanzen der Stadt besser.

Persönlich sichtlich niedergeschlagen, „aber mit dem Gedanken, dass der Wähler immer recht hat“, gibt sich FP-Kandidat Christian Benedek, der nach den Verlusten sein Amt als Stadtrat los ist und künftig alleine für seine Fraktion und als „Zünglein an der Waage“ im Gemeinderat sitzt. „Solange es Entscheidungen gibt, die gut für Oberwart sind, werde ich sie mittragen und da spielt die Farbe keine Rolle“, will er schon vorab die Fronten klären. Über die neuen Verhältnisse im Gemeinderat freut er sich: „Früher waren wir oft machtlos, jetzt geht es um die beste Lösung.“

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