Suchtgift-Problematik im Bezirk. Im Bezirk Oberwart kommt es immer wieder zu Zwischenfällen mit Cannabis.

Von Julia Lückl. Erstellt am 23. August 2017 (10:45)
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Symbolbild
APA

Schlechtes Vorbild für 16-Jährigen

Ein siebenfach vorbestrafter Pinkafelder kaufte von November 2016 bis Februar 2017 Cannabis in der Wohnung eines Bekannten. Einen Teil des erworbenen Suchtgifts gab er an einen erst 16-jährigen Freund weiter.

Außerdem verschwand bei einem seiner Besuche im Februar 2017 das Ersparte des Dealers in Höhe von 1.200 Euro. Die Verhandlung fand kürzlich am Landesgericht Eisenstadt statt.

„Wusste nicht, dass der Junge erst 16 war“

„Das Geld war in einer CD-Hülle im Vorraum versteckt, aber er wusste, wo es war!“, belastete der Bestohlene seinen Kunden.

Bei der Gerichtsverhandlung im Landesgericht Eisenstadt bestritt der 28-jährige Angeklagte den Diebstahl des Geldbetrages, gab jedoch den Kauf des Suchtgifts zu.

Und er behauptete weiter: „Ich wusste nicht, dass der Junge noch nicht 18 war, als ich ihm das Cannabis gegeben habe.“

Richterin Doris Halper-Praunias schenkte dieser Aussage des Notstandshilfebeziehers keinen Glauben und verurteilte den vorwiegend wegen Eigentumsdelikten vorbestraften Mann zu einer Geldstrafe von insgesamt 800 Euro für den Kauf, Besitz und die Weitergabe des Cannabis.

Vom Diebstahl wurde der 28-Jährige aufgrund mangelnder Beweise freigesprochen. Er nahm das Urteil an.

Suchtgift gegen die Schmerzen

Eine 51-jährige lungenkranke Oberwarterin züchtete Cannabis-Pflanzen. Mit den Drogen wollte sie ihre Schmerzen stillen.

Eine Oberwarterin hat seit einiger Zeit mit einer Krebserkrankung, einer Lungenkrankheit und einem Bandscheibenvorfall zu kämpfen. Um ihre Schmerzen zu stillen, baute sie von Juli 2016 bis Mai 2017 immer wieder Cannabis-Pflanzen an und konsumierte diese.

Da sie auch Bekannte hin und wieder zum gemeinsamen Suchtgiftkonsum einlud und Drogen an Abnehmer verkaufte, wurde die Polizei auf die 51-Jährige aufmerksam.

Bei ihrer Gerichtsverhandlung im Landesgericht Eisenstadt machte die Angeklagte Aussagen, die sich von ihren früheren Auskünften bei der Polizei unterschieden. Die Oberwarterin verteidigte sich: „Die sind um sechs Uhr mit sechs Mann bei mir einmarschiert. Ich konnte meine Medikamente nicht nehmen. Ich war vollkommen traumatisiert!“

"Ich habe es ihm einfach so in die Hand gedrückt!“51-jährige Oberwarterin

Vor Gericht zeigte sie sich dann weitgehend geständig. So gab die Angeklagte den Anbau und den Konsum des Suchtmittels zu, bestritt allerdings, auch verkauft zu haben. „Ich habe es ihm nicht verkauft, ich habe es ihm einfach so in die Hand gedrückt!“, berichtete sie über eine der angeklagten Tathandlungen. Einer der Abnehmer, der selbst eine Haftstrafe verbüßt, belastete die Angeklagte jedoch in seiner Aussage: „Zweimal habe ich von ihr Cannabis gekauft.“

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gesund ist, einen Joint zu rauchen, wenn man lungenkrank ist“, wunderte sich Richterin Birgit Falb. „Ich habe es nicht als Joint geraucht, sondern in einer Wasserpfeife und mir Kekse und auch Öle gemacht, um die Schmerzen zu betäuben. Von den Cortison-Medikamenten werde ich immer so müde!“

Schlussendlich verurteilte Richterin Birgit Falb die Oberwarterin zu einer bedingten Haftstrafe von fünf Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.