Buch der Hausnamen als wahres Kulturgut. Der Oberwarter Jenö Posch hat in dem Buch „Örvidéki házinevek“ alte Haus-, Ruf- und Schimpfnamen recherchiert.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 12. April 2018 (05:24)
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Fundiertes Wissen. Eugen „Jenö“ Posch und seine Frau Helga mit dem fertigen Buch über alte Hausnamen. Dem Ehepaar liegt der Erhalt von Brauchtum und alter Traditionen sehr am Herzen.
BVZ, Vanessa

„Wir waren 15 Personen, die an dem Buch mitgewirkt haben“, informiert Eugen „Jenö“ Posch gleich zu Beginn. Das ist dem sympathischen Herren aus Oberwart nämlich außerordentlich wichtig, dass man weiß, wie viel Arbeit in dem Buch „Örvidéki házinevek“ steckt.

200 alte Haus-, Hof- und Rufnamenwurden gesammelt

Rund 200 alte Haus-, Hof- und Rufnamen aus dem ungarisch sprechenden Teil Oberwarts und aus Unterwart hat Jenö Posch mit tatkräftiger Hilfe eruiert und auf knapp 80 Seiten für die Nachwelt in gedruckter Form festgehalten. Verfasst ist das Buch in ungarischer Sprache. „Dabei hat uns das UMIZ unterstützt.“ Der Hausname von Herrn Posch, der 1937 im reformierten, ungarisch sprechenden Teil Oberwarts geboren wurde, lautet „Varijager“, was so viel wie Krähenjäger bedeutet.

„Meine Großeltern und Eltern haben früher die Vögel vertrieben, um die Ernte zu schützen. Dafür waren sie bei den anderen Leuten bekannt, also hat man ihnen diesen Haus- und Rufnamen gegeben und den trage auch ich heute noch.“

Ein Begriff, eine Tätigkeit stand damals für einen Namen. „Der Familienname Baliko ist zum Beispiel so häufig in Oberwart, wenn der fällt, dann weiß niemand, wer konkret gemeint ist. Aber wenn ich den alten Hausnamen ‚Paraszt‘ verwende, dann weiß jeder sofort, von wem die Rede ist“, erklärt der rüstige Pensionist.

Im Buch selbst findet man viele weitere spannende Herleitungen und Erklärungen zu den alten Hausnamen, inklusive alter Fotos der dazugehörigen Häuser und Familien.

Buch voller spannender Geschichten

Über ein Jahr hat man an der Ausgabe gearbeitet. „Wir sind oft stundenlang durch die Straßen und Gassen spaziert und haben alles aufgeschrieben, was wir wussten.“ Auf die Frage hin, was ihn zu diesem Buch bewegt hat, antwortet Herr Posch: „Die Jugend heute spricht kaum mehr Ungarisch und ich hatte Angst, dass dieses Kulturgut, das Wissen um die alten Namen, eines Tages verloren geht.“