VR-Brillen für Senioren: Vertrautes im Blickfeld

Amadeus Linzer bringt Senioren mit Spezialbrillen an fast vergessene Orte zurück. Wenn die Technik von Heute einen Spaziergang ins Gestern ermöglicht.

Erstellt am 26. August 2020 | 11:12
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr

Er selbst ist erst 27 Jahre jung und trotzdem beschäftigt Amadeus Linzer vor allem das Alter: „Schon als Zivi beim Roten Kreuz hat es mir Freude gemacht mit älteren Menschen zu arbeiten.“ Als der Oberwarter dann seinem damals bettlägerigen Opa Fotos von einer Reise zeigen will, tut sich dieser schwer mit dem kleinen Bildschirm am Handy. „Da hab ich mir wirklich angefangen Gedanken darüber zu machen, wie es ist, wenn du nicht mehr aus dem Bett kannst und immer nur die gleichen vier Wände siehst“, so Linzer.

Mit einem Studienkollegen kam dem Vifzack dann die Idee, sogenannte „VR-Brillen“, die man bei Computerspielen trägt, um eine virtuelle Realität zu erstellen, eigens für Menschen in Pflegeheimen einzusetzen – der Start für Linzers Unternehmen VitaBlick. Amadeus erklärt: „Wir produzieren die Videos dafür selbst und nehmen die Senioren mit an ihnen bekannte Plätze. Ein virtueller Spaziergang über den Csaterberg beispielsweise, ein Rundgang durch Eisenstadt oder einmal noch in den Urlaub an den Wolfgangsee, da werden Erinnerungen wach und der Gesprächsstoff der Seniorenheimbewohner ist für die nächsten Stunden gesichert“, erzählt Linzer.

Einzigartig in ganz Österreich

Die Videodrehs für die VitaBlick-Brillen gestalten sich als sehr aufwendig, schließlich braucht man einen 360 Grad Blick und es muss so viel wie möglich zu sehen geben. „Anfangs wollten wir den Senioren virtuelle Ausflüge an exotische Orte ermöglichen, wie beispielsweise Australien. Wir haben aber schnell erkannt, dass es vertraute Orte sind, die alte Menschen begeistern, weil vor allem der Faktor der Erinnerung ein immens wichtiger ist. Es macht ihnen viel mehr Freude, altbekannte Platzerl wiederzusehen und sich darüber mit Freunden, Familie oder Pflegekräften auszutauschen.“

„Die Videos zeigen auch vertraute Arbeiten von früher, wie Stallarbeit zum Beispiel.“

Das Team von VitaBlick richtet sich an Wohngemeinschaften und Pflegeeinrichtungen. Bevor die akustisch geführten Videos mit einer Dauer von rund 10 Minuten starten, erklären Amadeus Linzer und sein Team den Pflegern und Bewohnern die Handhabung der VitaBlick-Brillen persönlich. „Die Videos zeigen auch vertraute Arbeiten von früher, wie Stallarbeit zum Beispiel.“ Ein alter Mann aus Salzburg ist dem jungen Linzer besonders im Gedächtnis geblieben: „Der Herr hatte sein Leben lang Hunde, also haben wir ein Video mit spielenden Hundwelpen auf einer Wiese produziert. Er war zu Tränen gerührt und hat im Anschluss stundenlang von seinen Tieren erzählt. In solchen Momenten weiß ich einfach, dass ich mit meiner Art, die Technik zu nutzen, am richtigen Weg bin.“