Welche Retter dürfen fliegen? Gericht am Wort

Erstellt am 23. Juni 2022 | 05:40
Lesezeit: 3 Min
Die Martin-Flugrettung bekommt in Gols einen neuen Standort. Der ÖAMTC legt Einspruch gegen die Entscheidung ein, den Christophorus in Oberwart stillzulegen.
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Schon mit Jahresbeginn sollte die Martin-Flugrettung einen komplett neuen Standort in Gols (in Nähe des geplanten Spitalsbaus) in Betrieb nehmen; mit Jänner 2025 soll der Martin den Christophorus auch im Südburgenland ablösen. Bevor es einen Vertrag gibt, heißt es aber noch: Bitte warten!

Und zwar auf die Entscheidung des Landesverwaltungsgerichtes, wo die ÖAMTC-Flugrettung einen Einspruch eingebracht hat. Wegen „Zweifel an wesentlichen fachlichen und rechtlichen Punkten“ in der Ausschreibung, wie Sprecher Ralph Schüller gegenüber der BVZ festhält. Bei den Flugrettern des „C16“-Standortes in Oberwart heißt es: „Sind denn 17 Jahre höchste Qualität so wenig wert?“

Dass ihm die langjährige Kooperation mit dem ÖAMTC viel wert sei, betonte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil bei einem Pressegespräch, das er gemeinsam mit dem beratenden Vergaberechts-Experten Claus Casati bestritt.

Man wolle künftig aber alles aus einer Hand haben, so Doskozil weiter. Denn ausgeschrieben wurde für beide Standorte – den neuen im Norden und den bestehenden im Süden (wo der ÖAMTC-Vertrag eigentlich noch bis Ende 2025 laufen würde). Und – mit Verweis auf Ausschreibungs-Gewinner Martin: Die Ergebnisse eines „objektiven und transparenten Verfahrens“ könne das Land eben nicht ignorieren, so Doskozil.

Den letzten Ausschlag gab der Preis, wie Rechtsanwalt Casati nochmals festhält. In der inhaltlichen Entscheidung hatte sich die ÖAMTC-Flugrettung gegen den Martin des Salzburger Unternehmens Heli Austria durchgesetzt. „Bei mehr als 15.000 absolvierten unfallfreien Einsätze darf der Preis nicht das Ausschlaggebende sein“, sagt man am Christophorus-Stützpunkt Oberwart. Doskozil und Casati wiederum erinnern daran, dass auch die Qualität belegt sei. Hier sorgte eine Diskussion um Abstürze bei Heli Austria für Aufsehen; mehrere davon sind dokumentiert. Die Unfälle betreffen mitunter Lastenflüge, verweist Rechtsanwalt Casati auf die behördliche Bestätigung der Zuverlässigkeit durch die Austro Control.

Die ÖVP wiederum ist gegen den „Systemwechsel“ und kündigte eine dringliche Anfrage im Landtag an. Und was sagt Heli-Austria-Chef Roy Knaus? Der Unternehmer, der übrigens Wurzeln im Südburgenland hat, betont, dass man mit dem Einsatz in drei Bundesländern auch etwas von Flugrettung verstehe. Die Pläne fürs Burgenland sind durchaus konkret, Personal soll zum Teil ebenfalls im Land gesucht werden.

Was die Standorte angeht, könnte es im Fall eines Wechsels aber auch noch im Süden spannend werden: Denn ein Verkauf des Oberwarter Stützpunktes an Martin steht dem Vernehmen nach beim ÖAMTC- Christophorus derzeit keineswegs am Plan.

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