Lisa-Marie Fassl: „Gute Ideen finden immer Kapital“. Lisa-Marie Fassl ist eine der Mitbegründerinnen eines Netzwerks, das Frauen bei Unternehmensgründungen unterstützt. Mittlerweile berät sie auch die Regierung.

Von David Marousek. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:45)

Begonnen hat alles während dem BWL-Studium in Graz. Dort kam die Südburgenländerin Lisa-Marie Fassl zum ersten Mal intensiver mit dem „Startup-Fieber“ in Kontakt. “Ich war unpackbar fasziniert, wie die Leute in der Szene gearbeitet haben. Die waren trotz der vielen Arbeit gut gelaunt“, lachte die Unternehmerin. In einer „Nacht- und Nebelaktion“, wie sie es beschreibt, wurde 2012 das Ideentriebwerk in Graz gegründet. Mittlerweile ist es ein Fixpunkt in der Gründerszene Graz geworden.

Doch nach dem Masterabschluss in Graz wurde schnell klar, dass die Zukunft nicht in Graz liegt. „Ich lernte den Eberauer Rudolf Dömötör kennen, er suchte eine Projektleitung in Wien“, erklärte Fassl. 2016 entstanden dann die Female Founders. Eine Plattform, die Frauen bei Unternehmensentscheidungen zur Seite steht und Investoren mit interessanten Projekten zusammenbringt. In der Bundeshauptstadt besteht das Kernteam mittlerweile aus sechs Personen, im Juli kommen noch zwei weitere dazu. In Graz sitzen drei weitere Mitarbeiterinnen, auch in Budapest und bald auch in Polen wollen die Female Founders aktiv werden. „Wir verstehen uns da als europäische Initiative, die halt in Wien sitzt. Dabei stand eigentlich nie zur Diskussion, dass es so ein großes Ding wird“, fasste mittlerweile in Wien wohnende Oberwarterin zusammen.

Vernetzung, Investoren und Businnes Angels

Das Hauptaugenmerk der Female Founders liegt vor allem in der Vernetzung zwischen Unternehmen und Investoren.
„Diese kommen von UK bis zur Ukraine, also von überall her. Da sind die wichtigsten Kapitalgeber Europas mit dabei“, erklärt Fassl. Auch in Zeiten von Covid-19 gäbe es Geld für innovative Ideen. „Für viele Startups, die gerade in einer Wachstumsphase sind, ist es natürlich schwer; wenn der Umsatz wegbricht. Bei Risiko kann man abwiegen, in der aktuellen Unsicherheit weiß man einfach nichts. Aber für viele ist das aktuell auch eine große Chance. Jetzt ist die Zeit kreativ zu sein“, führte Fassl weiter aus. Gerade Innovationen würden davon profitieren. „Gute Ideen finden immer Kapital. Jeder Investor will Geld verdienen und wirtschaftlich erfolgreich sein“, ergänzte sie.

Wobei es auch hier Ausnahmen geben soll. Die sogenannten „Business Angels“ sind Geldgeber, die nicht in Ideen und Produkte investieren, sondern Teams fördern. „Vielen Leuten macht das einfach Spaß und es ist halt ein extrem idealistischer Zugang. Wenn man nur auf Geld aus ist, dann sollte man sowieso nicht in Startups investieren“, stellte Fassl fest.
Gehört Pausenkaffee der Vergangenheit an?

Die Umstellung auf Home-Office hat viele Bereiche der Wirtschaft erreicht, auch das sieht Fassl als mögliche Chance gestärkt aus der Krise zu gehen: „Es ist ein österreichisches Phänomen, dass zusammen 25 Kaffee trinken muss, bis etwas beim Projekt weitergeht. Handschlagqualität ist sehr wichtig, aber einfach ineffizient. Gerade wenn wir von Start-Ups und Digitalisierung reden, dann geht es um Schnelligkeit.“ Von „Big-Players“ wie Berlin und dem Silicon Valley sei selbst Wien noch weit entfernt.
Konkurrenzkampf der Regionen sei unnötig

Aber was braucht es zum Beispiel im Burgenland, damit sich auch hier junge Gründer ansiedeln? “Wien ist im internationalen Vergleich nicht mal in den Top-Ten, alles was noch kleinteiliger ist, hat es noch schwerer. Es macht also wenig Sinn, wenn es einen Kampf zwischen den Regionen gibt“, fordert Fassl mehr Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg. Effektivität solle zusammen mit Digitalisierung helfen: „Wenn wir das Nordburgenland hernehmen. Da gibt es ja extrem viel Windindustrie, warum baut man dort nicht einen Cluster auf? Wir wollen hier immer die eierlegende Wollmilchsau haben“, fasste Fassl ihre Ansicht zusammen.