"Wunderladen" für Nähmaschinen: Läuft wie am Schnürchen. Hier werden Nähmaschinen noch von Hand repariert. Im Geschäft von Stefan und Wolfgang wird klar, warum jedes Schneiderlein tapfer ist. Ein Lokalaugenschein.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 11. Januar 2019 (05:43)
Vanessa
Unikate. Hunderte Nähmaschinen und tausende Ersatzteile beherbergen die Fachleute in ihrem Geschäft in Oberwart. Kurz: Hier wird jedem geholfen, der seiner Nähleidenschaft nachgehen möchte.

Sie sind die Feuerwehr für Nähmaschinen, Exoten in der Geschäftswelt und obendrauf Unikate als Menschen. Betritt man das Nähmaschinen-Servicegeschäft von Wolfgang Halper und Stefan Gulyas in der Reformierten Kirchengasse, fühlt man sich wie in Mr. Magoriums Wunderladen, sprich: Die Kinnlade klappt vor lauter staunen automatisch eine Etage tiefer. Hunderte Nähmaschinen, tausende Ersatzteile und Nähspulen lagern hier und warten unter anderem darauf, dass Wolfgang oder Stefan sich ihrer annehmen und sie wieder „heile“ machen, also reparieren. Darauf sind die gelernten Nähmaschinentechniker nämlich spezialisiert. Und wer glaubt, dass heutzutage niemand mehr seine Nähmaschine reparieren lässt, der irrt gewaltig. „Wir kommen kaum mit der Arbeit nach“, bringt es Halper auf den Punkt. Der 58-Jährige war „fast schon ewig her“ der Lehrbub von seinem heutigen Geschäftspartner, Stefan Gulyas.

1994 machen sich die beiden dann mit dem eigenen Unternehmen selbstständig und zählen damit zu den größten Serviceanbietern in der großen Welt der Nähmaschinen. „Wir sind außerdem einer der größten Anbieter von Industrienähmaschinen.“

Von Sparbüchern und Suchen an Sonntagen

Zu den Kunden der beiden Fachmänner zählen neben Menschen, die den Wert einer Nähmaschine noch schätzen, auch Raumausstatter, Tapezierer, Orthopäden, Schuster und Schulen.

„Wir haben auch die Kunstuni Linz komplett mit Industrienähmaschinen ausgestattet“, berichtet Stefan Gulyas stolz und fügt an: „Mit unseren Nähmaschinen werden auch Fallschirme, Heißluftballone, Sicherheitsgurte oder Segel für Boote genäht. Und Stefan hat sogar jene Nähmaschine entwickelt, mit der heute noch die guten alten Sparbücher der Banken gefertigt werden. Und während Stefan sich vorwiegend um den Vertrieb und Verkauf kümmert, verbringt Wolfgang die meiste Zeit damit, kaputte Maschinen zu reparieren. „Wir haben noch jede Nähmaschine wieder zum Laufen gebracht. Nur die Sonntage, die gehen halt meist mit der Suche nach Ersatzteilen drauf“, gesteht er lachend.