Oberwart verliert sein Stadt-Café

Erstellt am 03. April 2022 | 05:00
Lesezeit: 3 Min
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Nach 35 Jahren öffnet Gustav Gamauf auf 31. März zum letzten Mal sein Stadt-Café.
Foto: BVZ
Gustav Gamauf tritt mit 1. April seinen Ruhestand an und sperrt nach 35 Jahren sein Stadt-Café zu. Eine Institution!
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Unter einen Durchgang musst du gehn, um das Stadt-Café zu sehn. Im Gastgarten stehen gelbe Tische bereit für ein wenig Sommerfrische. Viele Gäste begrüßt Herr Gustav mit einem Du, die Vornamen nennt er auch dazu.

In der Luft liegt Kaffeehausatmosphäre, es gibt keinen Platz, wo es schöner wäre. Aus dem Aquarium winken unverdrossen Zierfischlein mit den Flossen. Die wohlgenährte Katze mit weiß-grauem Fell findet Steichelhände schnell. Die Herrn sind vertieft in die Lektüre, die Tageszeitungen bringen Friedensschwüre.

Frau Elfriede verwöhnt mit Schnitten, Strudeln, Torten. Köstlich — es fehlt an Worten! Das „Somloer Menü“ sucht seinesgleichen, nicht kann das Wasser reichen. Nach 35 Jahren nun schließt das Kaffeehausparadies. Es gibt keines, das diesem ähnlich ist. Es tut mir im Herzen weh. Adé, geliebtes Stadt-Café: Diese Worte von Rosi Plan an den Hausherren Gustav Gamauf beschreiben wohl alles, was es über das Kleinod in der Oberwarter Innenstadt zu sagen gibt.

Nach 35 Jahren schließt das Stadt-Café mit 31. März für immer seine Pforten. Es ist eine Kaffeehaus-Ära die damit zu Ende geht. Gastwirt Gustav Gamauf und seine Gattin Elfriede sowie Mitarbeiterin „Frau Elisabeth“, die vom ersten Tag an im Betrieb dabei war, gehen nicht mit einem lächelnden Auge in Ruhestand, „sondern eindeutig mit einem weinenden“, erklärt Gamauf, der abgesehen vom Lockdown keinen einzigen Schließungstag in 35 Jahren hatte.

Beruf war es zu dienen

„Auch mit 65 Jahren und 50 Jahren Berufserfahrung, bin ich eigentlich nicht müde, um die Gäste zu bedienen. Mein Beruf war es zu dienen, aber irgendwann muss einmal Schluss sein und weil der richtige Tag dafür ohnehin nicht kommen wird, sich in den Ruhestand zu verabschieden, haben wir das jetzt so schnell entschieden“, plaudert Gamauf aus dem Nähkästchen.

Er war es auch, der die Wiener Kaffeehauskultur über viele Jahre hinweg gelebt hat, „inklusive Wasser, Zigarette und Zeitung zum Kaffee und natürlich die Geselligkeit“, resümiert der Gastronom. Beim ihm hieß es „bleib sitzen und nicht To Go“ und darauf habe er immer viel Wert gelegt.

Das Stadt-Café galt überdies hinaus als Kommunikationszentrum für Familien, Sport, Kultur und die Politik, „darauf bin ich sehr stolz“, erzählt Gamauf, der von sich selbst sagt, dass er immer gerne zugehört hat, aber manchmal auch „gemotschkert“ hat.

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