Pflege rückt mehr in den Fokus

Stefan Ivancsics, Leiter der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, über die Pflege als Chance und neue Wege in der Ausbildung.

Erstellt am 11. Februar 2021 | 04:41
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Der Zagersdorfer Stefan Ivancsics, selbst Absolvent der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Oberwart, ist seit Anfang Januar neuer Direktor.
Foto: Krages

Stefan Ivancsics ist 36 Jahre jung und seit wenigen Wochen Direktor der Schule für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege an den Standorten Oberwart und Frauenkirchen. Inmitten der Corona-Pandemie, in der der Pflegeberuf immer mehr in den Fokus gerückt ist, gilt es für den gebürtigen Zagersdorfer jedoch noch ganz andere Kraftanstrengungen in seinem neuen Job zu leisten. Heuer startet nämlich der letzte Jahrgang für die Ausbildung für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. Danach ist der gehobene Dienst ausschließlich ein Fachhochschulstudium, für das die Matura Voraussetzung ist.

Die Gesundheits- und Krankenpflegeschule Oberwart ist derweilen mitten in einer Neupositionierung, an der Ivancsics kräftig mitwirkt. Und wer, wenn nicht er? Der Neo-Direktor ist nämlich selbst Absolvent der Gesundheits- und Krankenpflegeschule und war vor seiner Zwischenstation als Lehrender diplomierter Pfleger im Krankenhaus Eisenstadt in den Abteilungen Unfallchirurgie und HNO. Die Neuausrichtung der Schule in Oberwart und dem Standort Frauenkirchen selbst, sieht er als große Chance für die Zukunft.

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BVZ: Heuer startet der letzte dreijährige Jahrgang an der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, der mit dem Diplom abschließt. Auf welche Ausbildung setzt die Schule in Zukunft?

Stefan Ivancsics: Mit der Novellierung des Gesetzes hat man 2016 die Dreigliederung der Pflegeberufe in den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (DGKP), die Pflegefachassistenz (PFA) und die Pflegeassistenz (PA) geschaffen. Unser Schwerpunkt wird künftig die Ausbildung von Pflegeassistenzberufen sein. Die Diplomlehre ist ab 2022 nur mehr auf Fachhochschulen zugänglich.

BVZ: Wie unterscheiden sich die Tätigkeiten von diplomierten Pflegern und den Pflegefachassistenzen?

Ivancsics: Es geht darum, die Einsatzmöglichkeiten des Pflegepersonals zu verbessern und damit zu einer optimierteren Versorgungssituation in den verschiedenen Pflege- und Betreuungssettings beitragen. Das Berufsbild der Pflegefachassistentin wurde — aufbauend auf das Berufsbild der Pflegeassistenz — zur Entlastung des diplomierten Personals, welches als Fundament eine zweijährige Gesamtausbildung hat, die man auch ohne Matura machen kann. Der gehobene Dienst übernimmt die Gesamtverantwortung über den Pflegeprozess. Die Pflegefachassistenz unterstützt den gehobenen Dienst bei der Pflege.

BVZ: Wie hat sich das Berufsbild der diplomierten Fachkräfte verändert?

Ivancsics: Durch die Wissenschaft und die Forschung ändern sich gerade auch im Bereich der Pflege immer die Erkenntnisse. Der Unterricht wird regelmäßig adaptiert, egal im Bereich der Pflegekonzepte, Techniken oder im dynamischen Pflegeprozess. Die Verantwortung im Pflegeberuf ist über die Jahre differenzierter geworden, die Weiterbildungsmöglichkeiten sind enorm gestiegen.

BVZ: Gerade im Pflegebereich überwiegt nach wie vor der Frauenanteil. Warum haben Sich damals für eine Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege entschieden?

Ivancsics: (lacht) Ich habe eine Lehre als Medientechniker gemacht und bin durch meinen Zivildienst beim Roten Kreuz auf meine soziale Ader gestoßen, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht gekannt habe.

BVZ: Für die Pflege werden in den nächsten Jahren zigtausende Arbeitskräfte gebraucht. Mit welchen Anreizen könnte man diese Stellen besetzen beziehungsweise wie machen Sie künftigen Schülern die Ausbildung schmackhaft?

Ivancsics: Im Österreichschnitt werden bis zum Jahr 2030 bis zu 100.000 Pflegekräfte gesucht, was uns sagt, dass die Pflege unabdingbar ist und gerade durch die Pandemie hat man diesen Mehrwert noch mehr erkannt. Die Pflege ist attraktiv, hat einen sehr hohen Praxisbezug und man kann Verantwortung übernehmen. Noch dazu ist der Job krisensicher und garantiert neben sicherer Entlohnung auch sehr gute Jobaussichten im Burgenland.

BVZ: Welche Gruppen wollen Sie ansprechen, wenn es darum geht zukünftige Pflegefachassistenten zu finden?

Ivancsics: Wir konzentrieren uns auf junge Menschen, ab 17 Jahren, die keine Matura haben oder auf Menschen, die einen zweiten Bildungsweg einschlagen möchten. Die Ausbildung ist attraktiv, hat einen sehr hohen Praxisbezug und steht der dreijährigen um nichts nach.

BVZ: Das Land Burgenland hat den Start einer neuen Ausbildungsschiene im Pflegebereich an der SOB Pinkafeld ab Herbst 2021 angekündigt. Welche Rolle spielt hier die KRAGES?

Ivancsics: Die KRAGES stellt das Lehrpersonal aus dem Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege und sorgt damit für die fachspezifische Ausbildung. Nach drei Jahren schließen die Schüler mit der Zusatzausbildung die Pflegeassistenz ab, nach der 5-jährigen Ausbildung mit Matura den Beruf der Pflegefachassistenz.