Ludwig Benedek: Eine eiskalte Liebesgeschichte

Seit 30 Jahren ist Ludwig Benedek auf der Kunsteisbahn Pinkafeld der Mann, der darauf achtet, dass alles glatt läuft – und das in jeglicher Hinsicht.

Erstellt am 21. Januar 2021 | 04:20

Er kam zum Eis wie die Jungfrau zum Kind. Na gut, vielleicht nicht ganz so magisch, aber „Ahnung hatte ich keine, als ich hier angefangen hab zum Arbeiten,“ gesteht Ludwig Benedek, seines Zeichens Eismeister und Hüter der Kunsteisbahn Pinkafeld lachend. Am Nationalfeiertag des Jahres 1990 eröffnete die Anlage, knapp 800 Besucher kamen zum Eröffnungstag vor mittlerweile über 30 Jahren, um mit den Kufen durchs Leben zu tanzen.

Von Anfang an mit dabei: der Ludwig. „Ich bin als Laie hergekommen, wie man richtig gutes Eis für den Stocksport und die Eisläufer aufbereitet, das war ein learning-by-doing-Prozess“, erinnert sich der heute 56-Jährige. Tausende Kinder hat der Ludwig in den letzten drei Jahrzehnten bei ihren ersten Versuchen Schlittschuh zu laufen beobachtet. Stürze und Blessuren blieben da nicht aus. „In den ersten zehn Jahren war wirklich viel los auf der Kunsteisbahn, die Rettung hat Gott sei Dank aber nicht allzu oft kommen müssen.“ Ludwig Benedek ist auf seiner Kunsteisbahn zwar „Meisterchen Frost“, aber mit herzerwärmendem Engagement. Dem Pinkafelder entgeht nichts, schupft er den Betrieb in allen Belangen doch schon so lange. Ganz egal, ob er an der Kassa steht, bei Fragen und Verletzungen weiterhilft, für Recht und Ordnung auf dem Eis sorgt oder dafür, dass die Kufen der Schlittschuhe auch bestimmt scharf genug geschliffen sind – beim Herrn Eismeister, „da werden Sie geholfen!“

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Beständig wie Eis, herzlich wie der Ludwig

Die Saison beginnt meist Mitte November, in den Wochen davor ist Ludwig Benedek damit beschäftigt, in akribischer Arbeit das perfekte Eis mithilfe eines Feuerwehrschlauches zu zaubern. „Und natürlich müssen auch unsere 450 Leihschlittschuhe gewartet und geschliffen werden.“ 35 Jahre lang war er außerdem auch aktiver Eisstockschütze beim ESV Oberwart. Zum letzten Mal in Schlittschuhen aufgelaufen ist er selbst im vergangenen Winter. „Das läuft noch ganz gut“, meint er schmunzelnd. Auch dass immer gute Musik aus den Boxen rund um die Eisfläche läuft, gehört zu seinem Tagesgeschäft. „Da kommen die Kids dann daher und meinen, ob ich bitte einen anderen Radiosender reintun kann, weil sie das gleiche Lied jetzt bereits fünfmal gehört haben“, lacht Benedek, der mittlerweile schon die Teenies von damals mit ihren Kindern auflaufen sieht. „Dass der Eislaufplatz ein Treffpunkt für die Jugend ist, das ist meist so zwei, drei Jahre lang der Fall. Danach sieht man sie oft erst als Erwachsene mit den eigenen Kindern wieder bei uns.“

Manche Dinge ändern sich einfach nie

Apropos Jugend: „Die waren früher schon schlimmer als heute, da hab ich öfter mal einschreiten müssen, wenn die Burschen die Mädels geärgert, oder gar zu wild Abfangen am Eis gespielt haben. Und klar war es auch immer lustig, sie zu beobachten. Da gab’s zum Beispiel die jungen Womanizer, da haben wir Kollegen schon oft heimlich geschmunzelt, als es hieß ‚Do schau, jetzt schmust er schon wieder mit einer anderen‘. Wer seine Jugendzeit nicht auch am Eislaufplatz verbracht hat, der hat schon was versäumt“, ist Ludwig, der selbst am Oberwarter Stieberteich als junger Bursche gern Eishockey spielte, überzeugt.

Früher ist der Gemeindebedienstete in der winterlichen Hauptsaison meist nicht vor Mitternacht heimgekommen. „Es war immer viel los und viel zu tun.“ Seit Corona dürfen aktuell nur 80 Personen auf der Eisfläche sein – Mundschutz inklusive. Zumindest bei den aktuell frostigen Temperaturen ist dieser nicht immer von Nachteil. Die Frage, ob Ludwig Benedek eher ein Sommer oder Wintertyp sei, ist zum Abschluss eigentlich nur obligatorisch, weil: „Ich mag Eis – am liebsten natürlich schön gerade und spiegelglatt.“