Volkshilfe Burgenland: Kein Tabu bei Demenz. Die beiden südburgenländischen Gemeinden Stegersbach und Unterkohlstätten sind Teil des Projektes „Demenzfreundliche Gemeinde“ der Volkshilfe Burgenland.

Von Anna Kunczer. Erstellt am 26. Juli 2021 (05:31)
440_0008_8132388_owz29cari_reg_volkshilfebgld_demenzfreu.jpg
Unterkohlstättens Bürgermeister Christian Pinzker, Projektleiterin Katrin Kaiser und Soziallandesrat Leo Schneemann.
BVZ

Rund 5.000 bis 8.000 BurgenländerInnen leiden aktuell an einer dementiellen Erkrankung. Es ist davon auszugehen, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt und die Tendenz laut Expertenschätzungen in den nächsten 30 Jahren stark steigen wird. Dementielle Krankheiten sind im Burgenland derzeit ein äußerst präsentes Gesprächsthema in vielen Familien.

Das Projekt „Demenzfreundliche Gemeinde“ ist eine Initiative von Soziallandesrat Leo Schneemann mit der Volkshilfe Burgenland und den Partnergemeinden Unterkohlstätten, Stegersbach und Siegendorf, die innerhalb der nächsten 12 Monate zahlreiche Aktivitäten um das Thema Demenz anbietet.

Viele betroffene Personen haben Angst vor den Reaktionen, sobald ihre Erkrankung von anderen Personen bemerkt wird und isolieren sich deshalb fast gänzlich. „Sozialer Rückzug geht fast immer mit einer Demenzerkrankung einher. Dabei ist gerade ein erfülltes Sozialleben ein essenzieller Faktor für eine gesunde Psyche und glückliches Altern“, so Projektleiterin Katrin Kaiser.

„Weitere Barrieren werden abgebaut“

Durch frühzeitiges Informieren von Angehörigen oder diversen Anlaufstellen wie beispielsweise Vereine, Nahversorger, Ärzte oder Apotheker, können Symptome einer Demenzerkrankung besser erkannt werden, denn eine frühzeitige Diagnose ist in vielen Fällen schwierig. Grundsätzliches Ziel des Projektes ist es, Menschen im Bedarfsfall die notwendige Unterstützung und Hilfestellung zu bieten.

Christian Pinzker, Bürgermeister aus Unterkohlstätten, freut sich darüber, Betroffene und Interessierte in der Gemeinde mit Gesprächen und Workshops zu begleiten und den Umgang mit dementen Menschen zu erleichtern. „Wir betreiben schon seit Jahren das ‚Gesunde Dorf‘ und informieren hier über verschiedene Erkrankungen. Mit der ‚Demenzfreundlichen Gemeinde‘ gelingt es uns, nun weitere Barrieren abzubauen,“ so Pinzker.

Schwerpunkt vor allem auf Demenzworkshops

Auch Vizebürgermeister Jürgen Dolesch aus Stegersbach freut sich, Teil des Pilotprojektes sein zu dürfen. „Zwei Drittel der Betroffenen werden zuhause von den Angehörigen gepflegt. Wir wollen diese Menschen aus der sozialen Insolation holen und wieder teilhaben lassen. Darum bin ich auch sicher, dass dieses Projekt von Erfolg gekrönt ist,“ so Dolesch.

Die Krankheit Demenz ist leider immer noch ein Tabuthema in vielen Haushalten, das normalisiert werden muss. Der Fokus des Projekts liegt vor allem auf den verschiedenen Demenzworkshops für Vereine, Einsatzkräfte und Schulen, aber auch diverse Generationenaktivitäten wie zum Beispiel Kaffeerunden, Lieder-, Tanz- oder Kreativnachmittage.

Auch nach dem Ende des Projektes sollen diese Generationenaktivitäten einen fixen Bestandteil im Gemeindeleben darstellen. „Durch gezielte Aktivitäten wollen wir die burgenländischen Gemeinden in Bezug auf die Erkrankung Demenz sensibilisieren und das Thema Demenz enttabuisieren“, so Soziallandesrat Leo Schneemann.