Michael Postmann: Der Allrad-Mann aus Riedlingsdorf

Michael Postmann verkauft heiße Teile auf vier Rädern. Privat setzt er (sich) allerdings am liebsten auf Zwei. Die müssen natürlich ebenfalls „heiß“ sein. Und wer Mike kennt, der weiß, dass die Teile glühen, wenn er in die Pedale tritt.

Erstellt am 30. Oktober 2021 | 05:57

Er mochte das „Aufgepumpte“ nicht mehr. Und nein, die Rede ist nicht von Fahrradreifen und die dafür nötige Luftpumpe, um das Teil überhaupt zum Rollen zu bringen. Michael „Mike“ Postmann war Fußballer. Danach verschrieb er sich dem Krafttraining, wurde zum Bodybuilder, trainierte viel, forderte seinen Körper hart. „Aber das hat mir dann nicht mehr gefallen, so aufgepumpt auszusehen“, bringt er es auf den Punkt. Es dauerte zwei Jahre, bis der Geschäftsstellenleiter vom Autohaus Vogl&Co Oberwart wusste, wohin die sportliche Reise weitergehen soll. Oder besser gesagt: Worauf er in Zukunft setzen will.

„Mein Frisör hat mir schließlich geraten, mir ein Rad zuzulegen. Mein erstes Modell war noch kein richtiges Rennrad und die ersten Kilometer darauf bin ich nur widerwillig mit dem Ding gefahren“, erinnert der 51-Jährige sich lachend.

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"Auch ein Flachlandler kann den Gipfel mit dem Rad erklimmen."  Mike Postmann

Es folgt ein Jahr „reine Quälerei.“ Postmann: „Das muss ich ganz klar zugeben, Radfahren hat mir anfangs null Spaß gemacht, kein bisserl. Anfangs dachte ich, dass das ja nicht so schwer sein kann und ich fix bald bei der Tour de France an den Start gehen werde. Weit gefehlt!“, lacht er.
Dann aber greift ein Rad ins andere – oder, anders formuliert: Mike ändert sein wichtigstes Tool, seine Gedanken. „Ich habe meine Einstellung dazu neu ausgerichtet, mir Ziele gesetzt und bin dann regelrecht in diesen Sport reingekippt. Heute brauche ich das Radfahren, um meinen Kopf freizubekommen. Es klingt komisch, aber dieser Sport entschleunigt mich.“

Seit 2015 sitzt er auf seinem Rennrad. Dreht der Riedlingsdorfer mal „gach a kleine Runde“ damit, meint er irgendwas zwischen 50 und 70 Kilometer. Eine „große Runde“ sind dann schon 150 Kilometer. Dass er erst mit 45 aufs Radl gestiegen ist, beweist ihm, „dass das ein Sport für jedes Alter ist. Auf diesem Niveau, auf dem ich aktuell radle, könnte ich mit meinen 51 Jahren definitiv nicht mehr Fußball spielen oder Kraftsport betreiben.“
Heute hält Mike Postmann das Tempo mit Radrenngrößen wie René Haselbacher, absolviert Strecken am Stück, die am Großglockner beginnen und im italienischen Grado enden. 300 Kilometer Vollgas.

Der Hintern, der trainiert sich, so sagt der Mike zumindest, „dabei selbst.“ Neben dem Sport an sich hat er sich auch dem damit verbundenen Life-Style verschrieben. „Die Freundschaften die dadurch entstehen, die Outfits, das gemeinsame Erlebnis und natürlich die Schönheit der Rennräder selbst, das alles fasziniert mich seit mittlerweile sechs Jahren. Ich habe aktuell fünf Rennräder, drei davon stehen im Schrankraum und wenn ich könnte, würde ich sogar mit ihnen ins Bett gehen“, lacht Postmann. Was er allerdings fix kann: sich beim Radfahren nebenher gut unterhalten. Sein nächstes Ziel?

„Den Bergfexen beweisen, dass auch ein Flachlandler den Gipfel mit dem Rad erklimmen kann.“

„Den Bergfexen beweisen, dass auch ein Flachlandler den Gipfel mit dem Rad erklimmen kann. Den Ötztaler Radmarathon will ich noch fahren und den Stelvio, das ist der höchste Alpenpass Europas.“
Ob ein Mike Postmann auch weiß, wo seine körperlichen Grenzen liegen? „Wenn es kalt ist, ist es kalt, wenn es steil ist, ist es steil. Ich nehme Situationen und Umstände, wie sie kommen. Das kann ich gut, also mich darauf einstellen. Aber wenn es nach anderen Rennradfahrern geht, dann bin ich körperlich noch nie an meine Grenzen gestoßen, weil, so sagt man, erst wennst Blut spuckst oder reast, erst dann bist am Limit angekommen.“