NS-Opfer-Gedenken in Rechnitz: Suche nach Gräbern soll weitergehen

Erstellt am 27. März 2022 | 21:32
Lesezeit: 3 Min
Beim Kreuzstadl in Rechnitz (Bezirk Oberwart) ist am Sonntag den 180 ungarisch-jüdischen Zwangsarbeitern gedacht worden, die vor 77 Jahren - im März 1945 - von Nationalsozialisten erschossen wurden. Mit Ansprachen, Musik und Kranzniederlegungen erinnerte die Initiative RE.F.U.G.I.U.S an die Geschehnisse 1945 - und sprach sich dafür aus, dass die Suche nach den Massengräbern, die noch nicht gefunden wurden, weitergehen soll.
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Derzeit finden in Rechnitz keine Grabungen statt, nachdem das Bundesdenkmalamt schon im vergangenen Mai angekündigt hatte, die Suche nach den NS-Opfern beenden zu wollen, weil alle verfügbaren Quellen überprüft worden seien. Seither macht sich RE.F.U.G.I.U.S für eine Fortsetzung der Grabungen stark. Auch eine Tagung in Oberwart beschäftigte sich vergangene Woche mit dieser Forderung.

Gerhard Baumgartner, wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes, plädierte bei der Gedenkfeier dafür, die Gräber zu lokalisieren und auszugraben. "Erst wenn den Opfern auch ihre Namen zurückgegeben werden, ist ihnen auch ein wenig Gerechtigkeit widerfahren. Das hier ist unser Land, das sind unsere Opfer, und es ist unsere Aufgabe, die Geschichte der Opfer und Täter sichtbar zu machen", betonte er.

Pianist Paul Gulda, Vorsitzender von RE.F.U.G.I.U.S, zog Parallelen zu aktuellen Kriegen und Krisen. "Am Kreuzstadl stehen wir in einem Kontinuum der Geschichte - die Massaker des Zweiten Weltkriegs, hier und in der Ukraine, sind verbunden. Aktives Erinnern immunisiert eine Gesellschaft, und Hassparolen haben keinen Boden", sagte er.

RE.F.U.G.I.U.S hat 1992 damit begonnen, die Ruine des Kreuzstadls als eine Gedenkstätte für die NS-Opfer zu gestalten. Seit 2012 informieren dort Tafeln und Videos über die Geschehnisse Ende März 1945 und über Geschichte und Schicksal des Judentums im Burgenland.

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