Suche nach Massengrab vorerst unterbrochen

Erstellt am 24. März 2022 | 05:53
Lesezeit: 3 Min
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Eva Schwarzmayer, Nikolaus Franz, Horst Horvath, Christine Teuschler, Walter Reiss und Bürgermeister Martin Kramelhofer beim Vortrag über die Opfer des Kreuzstadlmassakers vom März 1945.
Foto: RE.F.U.G.I.U.S.
Die Suche nach dem Massengrab der rund 200 von den Nazis ermordeten und verscharrten jüdischen Zwangsarbeiter steht aktuell still. Die Rechnitzer Gedenkinitiative RE.F.U.G.I.U.S. will jetzt ein Forschungsprojekt starten.
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In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945, wurden rund 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter beim Bau des sogenannten Südostwalles ermordet. Die Opfer hat man bis heute nicht gefunden.

Seit 30 Jahren setzt sich die Rechnitzer Flüchtlings- und Gedenkinitiative und Stiftung RE.F.U.G.I.U.S. dafür ein, die nicht aufgearbeiteten Gräuel der Nazi-Herrschaft in Erinnerung halten. Zu den Aufgaben von RE.F.U.G.I.U.S. zählt nicht zuletzt auch die Suche jenes Massengrabes.

Daneben hat der Verein auch zahlreiche Projekte initiiert und umgesetzt, wie den Ankauf des Kreuzstadls und die Umwidmung dessen in eine Gedenkstätte. Im Vorjahr teilte das Denkmalamt mit, dass die Suche nach den Opfern nicht mehr finanziert werde. Um die Grabungen wieder aufzunehmen, brauche es allerdings eine öffentliche Institution.

Für Walter Reiss vom Verein RE.F.U.G.I.U.S. kein Grund aufzugeben. Viel mehr wolle der Verein die Zeit nutzen, um eine Forschungsgruppe zu initiieren. Es sollen die Unterlagen unter dem Blickwinkel der heutigen Kenntnisse überprüft werden.

Einer, der sich seit vielen Jahren mit der Suche nach den Opfern auseinandersetzt, ist Nikolaus Franz, Gesellschafter der „AGA – Arbeitsgemeinschaft Geschichte & Archäologie“, die im Auftrag des Bundesdenkmalamts, Abteilung Archäologie, das Projekt „Die Suche nach dem Massengrab in Rechnitz“ ab dem Jahr 2017 durchführte. Am Freitag referierte er im Zuge der Veranstaltungsreihe zu „30 Jahre RE.F.U.G.I.U.S.“ zum Thema „Die Suche nach den Opfern des Kreuzstadlmassakers vom März 1945“ im Gemeindeamt Rechnitz, wo er einen Einblick in die Arbeit der letzten Jahre gab.

Die Suchaktion steht vor einigen Herausforderungen

Die Suche nach den Opfern erweise sich seit Jahrzehnten als sehr schwierig, so Franz. Unter anderem seien einige Quellen unzugänglich und die Aussagen der befragten Personen unterscheiden sich wesentlich. Sowohl der Ort als auch die Zeit unterscheiden sich bei den Aussagen über das Massengrab.

„Wir haben sowohl Probleme mit der Auskunftsfreudigkeit der Bürger als auch mit den Quellen und auch der Geologie“, erzählte Franz. Die Quellen der bisherigen Informationen stammen von Vernehmungsprotokollen von Zeugen und Beschuldigten, Aussagen von Überlebenden, Skizzen oder von Luft- und Satellitenbildern.

Trotz Hypothesen und Herausforderungen während der Suche, gebe es trotzdem Fortschritte zu verzeichnen. „Die Gräber könnten sich auf 90 möglichen Hektar befinden“, weiß Franz. Die Hauptverdachtsfläche liege bei 30 Hektar. Davon könne man 20 bis 25 Hektar definitiv ausschließen. Die jährliche Gedenkfeier beim Kreuzstadl findet am Sonntag, dem 27. März (14 Uhr) statt.

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