Hannelore Rubendunst: Eine Autorin mit Herz

Die märchenhaften Geschichten einer liebenswerten Frau, die mit einem simplen Bleistift und einem Stück Papier wahrhaft zaubern kann.

Vanessa Bruckner Erstellt am 17. Januar 2021 | 06:10

Die Josefine, die ist der Hannelore einmal verloren gegangen. „Das war dann schon wie verhext, weil ich die ersten Seiten, die ich vor Jahren geschrieben hatte, einfach nicht wiederfinden konnte“, erinnert sich Hannelore Rubendunst, ihres Zeichens „Mama“, der kleinen, ehrgeizigen Hexe Josefine. Okay, die biologische Mama ist die Hannelore nicht, was aber einfach erklärt auch nicht möglich wäre, denn die Josefine, die treibt ihren Schabernack nämlich zwischen Buchseiten mit Hilfe all der schönen Geschichten, die sich Hannelore für die kleine, ehrgeizige Hexe ausgedacht hat.

Hannelore Rubendunst kommt aus Riedlingsdorf, ist 70 Jahre jung und schreibt für ihr Leben gerne. Allerdings war das nicht immer so, denn früher, in der Arbeitswelt, da war sie im Finanzamt eher mit Zahlen beschäftigt. Und trotzdem: „Das Schreiben ist mir immer schon gelegen und ein Leben ohne Bücher hat es für mich nie gegeben. Ich habe noch immer gut 700 Exemplare zuhause und sobald ich lesen konnte, hab ich gelesen. Das fing als kleines Mädchen in der Schule an und hat nie aufgehört.“

Auf meinem Nachttischerl liegt immer ein Notizblock und ein Stift.

Am liebsten liest die Riedlingsdorferin, die auch Mitglied im Pinkafelder Literaturkreis ist, Krimis sowie zauberhafte und mystische Romane. „Aber bitte keine Liebesromane, die sind so gar nicht meines“, gesteht die Pensionistin lachend.

Ein Blick auf den Hund und die Worte waren da

Dass die Hannelore, die übrigens stolze Mama, Oma, Ehefrau und Tochter ist, irgendwann angefangen hat, ihre eigenen Geschichten zu Papier zu bringen, verdankt die zierliche aber durchaus charakterstarke Frau wiederum einer anderen Frau, konkret der Ehefrau eines ehemaligen Arbeitskollegen. „Ich bin auf einem Auge blind zur Welt gekommen und musste dann in Frühpension gehen. Zum Abschied hat mich damals besagter Kollege besucht und seine Frau gab mir den Rat, ich solle mir für die Pension eine Beschäftigung suchen, oder zum Schreiben anfangen. Das hat sie einfach so daher gesagt und ich dachte noch ‚ja, aber worüber soll ich denn schreiben?‘. Und als der Gedanke zu Ende gedacht war, fiel mein Blick auf unseren Hund und plötzlich waren da die ersten zwei Zeilen eines Gedichtes in meinem Kopf.“

Frau Rubendunst meint übrigens, rückblickend betrachtet, dass sie „bis dahin gar nicht wusste, dass ich wirklich auch Gedanken schön zu Papier bringen kann.“ Nun denn, was soll man dazu noch sagen, angesichts der tausenden Zeilen und unzähligen Buchstaben, welche die Autorin von mittlerweile zwei Märchenbüchlein und sechs Gedichtbänden seither verfasst hat.

„Ohne Notizbuch geh ich nicht schlafen“

„Meine Gedichte verfasse ich am liebsten in Mundart, also ich schreib, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Und ohne mein Notizbuch gehe ich seit Jahren nicht mehr schlafen“, verrät die Südburgenländerin. Klingt komisch? Die Hannelore klärt schmunzelnd auf: „Oft sitze ich bis spät nachts und schreibe und dann geh ich schlafen, wache mitten in der Nacht auf und hab eine neue Idee in meinem Kopf. Die muss ich dann sofort aufschreiben, sonst vergesse ich es bis zum nächsten Morgen nämlich wieder. Deshalb liegen auf meinem Nachttischerl immer ein Notizblock und ein Stift.“

Die Kinderbüchlein „Josefine: Lehr- und Mädchenjahre einer jungen Hexe“ und „Schneckenträume“ hat Hannelore Rubendunst im Eigenverlag mit der Hilfe ihres Cousins in Deutschland und als kleine selbstgebundene Büchlein herausgegeben. Die Illustrationen dazu stammen von einer Kollegin aus dem Literaturkreis. „Die sind wunderbar geworden.“

Jeden Zauberspruch der kleinen Josefine hat wiederum die Hannelore aus ihrem Zauberstab, der in der „Normalo-Welt“ ein Bleistift ist, hervorgezaubert. „Ich hab Josefines Geschichte schon 2004 angefangen zu schreiben, sie dann aber nach ein paar Seiten weggelegt, weil da so viele Mundartgedichte in meinem Kopf waren, die zu Papier gebracht werden wollten. Jahre später hab ich mich dann an Josefine erinnert und das ganze Haus auf den Kopf gestellt, auf der Suche nach ihr, also den ersten Seiten“, erinnert sie sich.

Vier Generationen zum Liebhaben

Das Talent zum Geschichtenerzählen hat die Hannelore „von ihrer Oma. Das weiß ich ganz genau, schließlich war sie meine Mutter“, wirft Frau Helene am Platz vor dem Kachelofen plötzlich munter in die Runde. Die Frau Helene ist nämlich wiederum die Mama von der Hannelore und mit ihren 92 Jahren keineswegs leise oder gar senil, ganz im Gegenteil! Dass der Autorin aus dem Haus neben dem Sportplatz die Geschichten gar nie ausgehen können, dafür sorgt nämlich auch ihre Familie. Vier Generationen leben bei den Rubendunsts (fast) unter einem Dach - die Urli, die Hannelore und ihr Mann Franz, die seit wunderbaren 50 Jahren glücklich verheiratet sind, Sohn, Schwiegertochter und zwei Enkelkinder. „Fad wird’s bei uns daheim wirklich nie. Mein Mann ist auch immer der Erste, der eine neue Geschichte von mir zu lesen bekommt. Und ja, ich traue mich schon sagen, dass er auch mein größter Fan ist.“

Mehrere Exemplare ihrer beiden Kinderbüchlein hat Hannelore Rubendunst bereits an die Kindergärten in der Umgebung verschenkt. Natürlich kann man diese auch bei der Autorin selbst erwerben. Dass ihre Geschichten großen und kleinen Lesern (oder Vorlesern) Freude bereiten, das ist aber der Riedlingsdorferin größtes Ziel. Dürfte nicht weiter schwer sein – zaubern kann die Hannelore ja.