Neuer Traktorverein gegründet. Schandorf hat seinen ersten eigenen Traktorclub. Die Liebe zum Langsamen, einfachste Technik und mit ganz viel Tak-Tak-Taktgefühl in die Freiheit.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 09. September 2020 (06:13)

Wenn die großen, mächtigen Traktoren vor einem auf der Straße rollen und einem als Autofahrer dahinter die Sicht und den Weg versperren, ärgert man sich manchmal. So viel Ehrlichkeit muss Herr und Frau Autofahrerin schon auch zugeben. Aber wenn ein alter Steyr mit knapp 25 km/h daherkommt, dann schaut man. Und meistens lächelt man sogar und hat´s plötzlich nicht mehr so eilig, weil auf diesem Traktor, auf dem sind wir ja alle irgendwann einmal gesessen. Als Kinder mit dem Opa mit, oder gar mit dem Urli. Runter auf den Acker oder rein in den Wald. „Gut festhalten“, hat die Oma noch gerufen und zack, los ging das Abenteuer, auf dem lautem Riesen mit den wuchtigen Rädern. Geruckelt hat´s ordentlich, bis der Gang drinnen war, auch viel gekracht, aber wenn er denn mal in Fahrt war, war man selig – und der Opa am Steuer der war stolz.

„Der einzige Traktor war etwas Besonderes“

Ziemlich genau so fühlt sich Georg Lubas, wenn er sich auf seinen Mc Cormick Baujahr 1962 schwingt und den Motor anlässt. Die Liebe zu Traktoren begann auch bei ihm bereits als kleiner Bub. „Wir hatten einen Weinbau daheim und der einzige Traktor in der Familie, der war etwas Besonderes. Ich durfte erst mit 12 Jahren erstmals selbst ans Steuer“, erinnert sich der gebürtige Nordburgenländer, den es im Ruhestand in den Landessüden verschlug. Gemeinsam mit Daniel Muhr gründete Lubas vor wenigen Wochen den ersten Traktorclub Schandorf Cembá, kurz TCSC.

23 Mitglieder zählt der Verein bereits und 17 Traktoren, die alle mindestens ein Vierteljahrhundert alt sind. So verlangen es die Oldtimerregeln. Die TCSC-Mitglieder sind fast ausschließlich Männer und ebenfalls die besten Jahrgänge. „Das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren“, verrät der Obmann und fügt schmunzelnd an: „Männer werden beim Anblick eines alten Steyr Traktors einfach sentimental, da kann Mann gar nix dagegen machen.“ Gemeinsame Stammtische stehen im Vereinsleben ebenso am Plan wie Basteleien in der Werkstatt und Planungen für künftige Veranstaltungen. „Glühwein und Punsch inmitten der Traktoren wird es in der Adventzeit geben und zum Fasching haben wir einen Umzug mit unseren alten Herren auf vier Rädern geplant, sofern es die Coronakrise bis dahin natürlich erlaubt“, informiert Georg Lubas.

Entschleunigung mit Hilfe einfacher Technik

„Traktorfahren entschleunigt“, ist der begabte Hobby-Bastler sicher. „Das Fahren mit dem Traktor dient der Ruhe. Wenn ich mit 25 km/h durch die Gegend tuckere, dann wählt man dabei meist Güterwege oder Nebenstraßen und sieht dadurch viel mehr von der Landschaft, als wenn ich das Auto oder Motorrad hernehmen würde.“

Was ihn neben dem unvergleichlichen Fahrgefühl am Traktor begeistert, ist, so der Schandorfer: „Die Einfachheit der Technik. Oft brauch ich zwar unzählige Arbeitsstunden, bis das Werkl endlich wieder rennt. Aber wenn er rennt, dann rennt und rennt er und das gibt mir immer ein gutes Gefühl. Auf einen Traktor kannst du dich wirklich meist ein ganzes Leben lang verlassen.“