Bezirk Oberwart: Erfahrungsberichte zum Homeschooling. Heimunterricht ist für Eltern, Lehrer und Kinder eine Herausforderung. Ein Bericht über Sekretärinnen-Mamas, Lehrer in der Familie und die Matura.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 16. April 2020 (05:20)

Alessia Muhr steckt mitten in den Vorbereitungen auf eine Matura, die es so noch nie gegeben hat. PR-Fachfrau Petra Simon fungiert im Home Office auch noch als „Schulsekretärin“ für die zwölfjährige Tochter und Michaela Resetarics ist seit Corona nicht nur Lehrerin von neun Klassen der Oberwarter HBLA, sondern auch „Organisationshilfe“ für die Teenagertochter zuhause. Und dann ist da auch noch der kleine Sohnemann von vier Jahren, der gar nicht versteht, warum die Mama arbeiten muss, wenn er doch spielen möchte.

„Es ist ein Drahtseilakt, bei dem man an seine Grenzen kommt“, bringt es Lehrerin Michaela Resetarics auf den Punkt. Die Stinatzerin unterrichtet aktuell neun Klassen der HBLA Oberwart via Online-Lernsystem LMS. „Schüler brauchen Feedback, haben natürlich Fragen und so kommen am Tag viele Emails zusammen, die es zusätzlich zu den Arbeitsaufträgen zu bearbeiten gilt. Ich bin jederzeit für meine Schüler erreichbar und wäre mein Mann nicht zuhause, würde ich es als Mutter zweier Kinder nicht schaffen“, sagt Resetarics. Das Schulsystem habe nicht alle Schüler und Lehrer gut auf diese neue Form des digitalen Lernens und das damit verbundene selbstständige Arbeiten vorbereitet. Das sei natürlich auch eine Frage des Alters und der Erfahrung der Schüler.

Als Mama im Home Office bin ich aktuell mehr die Sekretärin meiner Tochter als PR-Fachfrau. Petra Simon aus Bad Tatzmannsdorf

Das unterschreibt auch die Bad Tatzmannsdorferin Petra Simon. „Die verschiedenen Kommunikationskanäle und die damit verbundene Organisationsflut wie Texte einscannen, ausdrucken oder umformatieren, sind ein Problem für Kinder. Ein Lehrer schickt ein Worddokument via Mail, der nächste ein PDF via LMS. Kinder können noch nicht so gut filtern. Meine Tochter ist zwölf und eigentlich sehr selbstständig, aber als Mama im Home Office bin ich aktuell mehr die Sekretärin meiner Tochter als PR-Fachfrau. Als Rosa in der Schule war, konnte ich konzentriert arbeiten. Das ist jetzt vorbei“, so Simon, die aber auch klar sagt: „Ich denke, dass jetzt viele Eltern sehen, was Lehrer leisten und hoffentlich dann nicht mehr wegen jeder Banalität auf der Schulmatte stehen.“

Alessia Muhr steht mit ihren 18 Jahren vor einigen Corona-Premieren. Die Schülerin des Zweisprachigen Gymnasiums Oberwart lernt für eine Matura, die es so noch nicht gegeben hat. „Schriftlich muss man zur Matura antreten. Ob man mündlich antritt, bleibt den Schülern überlassen, ansonsten bekommt man in den geplanten mündlichen Fächern die Note vom Jahresabschlusszeugnis“, erklärt die Maturantin.

„Werden die Matura trotzdem gut meistern“

Am 4. Mai startet die Schule, drei Wochen später die schriftliche Matura. Die dauert diesmal eine Stunde länger, weil man Zeit zum Lüften und Desinfizieren eingeplant hat. „Natürlich fühlt sich das alles irgendwie komisch an, aber wir versuchen, die Matura trotzdem, so gut es geht, zu meistern“, so Muhr.