Regale im Oberwarter Sozialmarkt bleiben immer öfter leer

Erstellt am 31. März 2022 | 05:31
Lesezeit: 3 Min
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Fehlende Ware, leere Regale. Gabi Binder und ihr Team vom „Sonnenmarkt“ stehen aufgrund des starken Rückgangs an Lebensmitteln vor großen Herausforderungen.
Foto: Carina Fenz
Der „Sonnenmarkt“ in Oberwart klagt über einen starken Rückgang bei Lebensmitteln. Auf das Rationieren der Waren will man verzichten, dafür will man neue „Abholer“ gewinnen.
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„Zu Jahresbeginn hat es schon angefangen, aber mittlerweile müssen wir sagen, dass uns die Lebensmittel langsam ausgehen“, richtet Gabi Binder vom „Sonnenmarkt“ einen dramatischen Appell an Betriebe und Lieferanten.

Den Grund sieht sie einerseits in der rückläufigen Produktion von Lebensmitteln und andererseits in den Problemen mit dem Transport von Waren. „Aber auch die Menschen, die Lebensmittel in großen Mengen zu Hause bunkern, weil sie sich fürchten, dass sie eines Tages verhungern könnten, tragen nichts Gutes dazu bei und sind gewiss dafür mitverantwortlich, dass andere Familien weniger zu essen haben“, nimmt sich Binder kein Blatt vor den Mund.

Genießbares Essen gehört nicht in den Müll

Natürlich sei es, so Binder, gut, wenn die Lebensmittelverschwendung abnehme, „weil es allem logischen Denken widerspricht, wenn Konzerne kurz vor Geschäftsschluss 300 Semmeln aufbacken, um dann 200 wegzuwerfen, aber für uns ist das ein Drama.“ Ein Umdenken müsse es auch bei Handelskonzernen geben, die abgelaufenes, aber noch genießbares Essen einfach in den Müll werfen.

Es sei seit Jahresbeginn tagtäglich eine große Herausforderung ausreichend Waren zu bekommen, „vor allem Obst, Gemüse und Milchprodukte sind rar“, weiß Binder. Auf das Rationieren von Waren für Kunden will man im „Sonnenmarkt“ auch weiterhin verzichten, aber dafür müsse man jetzt weitere Transportwege auf sich nehmen. „Aktuell bekommen wir von 15 bis 20 Abholern rund zehn Schachteln Lebensmittel pro Tag, früher waren das von einem so viel“, erklärt Binder.

Teuerungen treffen viele hart

Dabei sei angesichts des Ukraine-Krieges und der starken Teuerungen die Nachfrage beim „Sonnenmakt“ stark gestiegen, was die Problematik noch verschärfe — sowohl bei den Kunden, als auch bei dem „Sonnenmarkt“ selbst. „Da reden wir von PensionistInnen, die bis vor der Krise noch zwei Mal pro Jahr auf Urlaub gefahren sind und jetzt zu uns Einkaufen kommen oder von Familien, wo Mutter und Vater in Beschäftigung stehen, sie aber zu wenig Geld haben, um die drei Kinder zu versorgen“, schildert Binder die Schicksale ihrer Kunden.

Einen Appell will Binder jetzt vor allem an Lebensmittelgeschäfte unter privater Pacht sowie an Gaststätten, die Lebensmittel verkaufen, richten: „Bevor nur ein Produkt weggeschmissen wird, rufen Sie uns an, wir holen alles ab. Für die Menschen, die es ganz dringend brauchen.“

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