Robert Hergovich: „Die Stimmung ist perfekt“. Im BVZ-Interview spricht Hergovich über sein Comeback als SPÖ-Klubchef, den Umgang mit der absoluten Mehrheit und die Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen.

Von Markus Stefanitsch. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:46)
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„Ich spiele dort, woich aufgestellt werde.“Robert Hergovich über seine Rückkehr als SPÖ-Klubobmann.
Wolfgang Millendorfer

Bei der Übergabe der Klubchef- Funktion an Ingrid Salamon hatte Robert Hergovich vor zwei Jahren angekündigt, sich mit der Landtagswahl gänzlich aus der Politik zu verabschieden. Jetzt holte ihn Landeshauptmann Hans Peter Doskozil wieder in die erste Reihe. Der BVZ erzählte Hergovich von den Gründen und seinen Plänen.

BVZ: Warum sitzen Sie nach dem „endgültigen Abschied“ jetzt wieder in einer Spitzen-Position im Landtag?

Robert Hergovich: Ich hatte vor der Wahl ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Landeshauptmann – seine Pläne und Schwerpunkte haben mich überzeugt, im Team Doskozil mitzuarbeiten und nochmals zu kandidieren. Das hat mir mit Themen wie dem Mindestlohn vor allem auch inhaltlich gefallen. Dass er mich dann gefragt hat, wieder den Klub zu führen, war auch für mich eine Überraschung. Ich spiele dort, wo ich aufgestellt werde. Die absolute Mandatsmehrheit bringt absolute Verantwortung mit sich. Und der stelle ich mich gerne.

„Der Landeshauptmann hat ganz klar gesagt, wir werden nicht in einen Machtrausch oder Ähnliches verfallen“

Man hört, dass man nach dem Jubel nun auch langsam die Belastung sieht, die eine absolute Mehrheit mit sich bringt …

Selbstverständlich ist es anders, wenn alles in deiner Zuständigkeit liegt. Da muss man fit und hochmotiviert sein.

Wie wollen Sie als Klubchef diese Motivation für fünf Jahre halten?

Es geht darum, dass der Job Spaß machen muss. Und es macht dann Spaß, wenn man Erfolgserlebnisse hat. Wenn Bereichssprecher Gesetze machen können und die Auswirkungen sehen, dann sind das Erfolgserlebnisse. Das geht nur durch harte Arbeit und alle sind bereit, den Weg mitzugehen.

Wie werden Sie Ihre Rolle als Klubobmann anlegen?

Der Landeshauptmann hat ganz klar gesagt, wir werden nicht in einen Machtrausch oder Ähnliches verfallen. Ganz im Gegenteil: Wir werden sehr demütig mit der absoluten Mehrheit umgehen. Genau so werde ich auch meine Landtags-Rolle anlegen. Wir werden eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen suchen.

In den anderen Parteien sieht man die Gefahr, dass sich die SPÖ einzelne Partner sucht, damit die Opposition nicht zu geschlossen auftritt. Wie beurteilen Sie das?

Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in Sachthemen ist, glaube ich, von allen Seiten gegeben. Es ist jedem klar, dass es nicht immer harmonisch zugehen wird. Trotzdem dürfen wir alle nicht vergessen, dass wir dafür gewählt sind, für das Burgenland zu arbeiten. Egal wie der politische Diskurs aussieht, am Ende des Tages muss das klar sein.

„Beflügelt vom Wahlergebnis ist die Stimmung derzeit perfekt und es ist absolute Motivation angesagt“

Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Faktoren, dass der Landeshauptmann auf Sie als Klubobmann setzt?

Ich glaube, dass ich ein gewisses Knowhow und Erfahrung mit einbringe, was in der jetzigen Situation nicht unwesentlich ist. Ich bringe das sehr gerne ein. Es ist kein Geheimnis, dass es eine Strategie-Gruppe mit fünf Personen gibt, in der ich als Teamplayer auch dabei bin.

Wie soll die Arbeit im Landtag aussehen. Was hat Priorität?

Ich glaube, dass die Menschen klare Erwartungen an uns haben, denn wenn du die absolute Mandatsmehrheit hast, dann gibt es auch keine Ausreden. Dann geht es darum, ein Programm abzuarbeiten. Das wird Landeshauptmann Doskozil vorstellen, es wird auch Überraschungen geben. Zum Beispiel, dass es für die Umsetzung der einzelnen Punkte ein klares Datum geben wird. Beflügelt vom Wahlergebnis ist die Stimmung derzeit perfekt und es ist absolute Motivation angesagt.

Zuletzt ist auch das Gerücht aufgetaucht, dass die FPÖ Dienstwägen für die Klubobleute gefordert hätte. Stimmt das?

Von diesem Gerücht habe ich zwar auch gehört, aber das wäre mir neu. Das ist ausschließlich ein Gerücht. In anderen Bundesländern gibt es solche Regelungen, aber ich denke, man kann die Aufgabe auch mit dem eigenen Wagen bewältigen, auch wenn es im Jahr viele tausende Kilometer sind, die man unterwegs ist.

Interview: Markus Stefanitsch