Künstlerin Doris Dittrich: „Ich mag die Freiheit“. Doris Dittrich ist freischaffende bildende Künstlerin. Sie lebt in St. Michael und in Wien… arbeitet mal hier mal dort und gestaltet, was sie kann.

Von Maximilian Wiesler. Erstellt am 30. August 2020 (05:57)
Gerade bemalt Doris Dittrich die Betonwand eines neuen OSG-Wohnhauses in St. Michael kunterbunt.
Le Monsieur Flash

„Mit 16 habe ich mich entschlossen, Bildhauerin werden zu wollen“, sagt Doris Dittrich. „Aber ich wusste anfangs nicht, ob ich das aushalte.“ Sie ist 1980 in Wien geboren und studierte zunächst Sozialarbeit und Keltologie in Irland. Erfolglos. Oder besser der Faszination Kunst geschuldet. „Mit 23 war es dann fix, dass nichts über meinen Traum geht. Ich habe schon immer gern gezeichnet.“ Sie nahm ein Studium der Bildhauerei an der Wiener Kunstschule auf, das sie 2007 abschloss. Seither lebt und arbeitet sie als freischaffende bildende Künstlerin im Burgenland und in Wien.

Ihre Mutter kaufte 1991 ein Haus in St. Michael nahe Güssing. Doris selbst war damals elf, und ging, wie sie sagt, (noch) in Wien zur Schule. Mama richtete in selber Zeit im Süden ein Atelier ein. Direkt bei neu erworbener Residenz. Die Mama, die arbeitete und arbeitet selbst in der Branche. „Sie hat Kunsttherapie mit behinderten Menschen gemacht. Sie ist vielleicht eine Künstlerin, bezeichnet sich aber nicht als solche. Die Kreativität hat sie allemal. Aber sie meint, dass da mehr dazugehört.“ Und wenn die Mama das schon nicht hat, dann (zumindest) die Tochter.

 „Mal hackl´ ich von früh bis spät wie ein Viech. Und dann gibt es Tage. Da sitze ich, stricke mein Gewand für die nächste Vernissage und schaue nebenbei Grand Slam-Tennis.“

 Doris Dittrich „bastelt“ eigentlich schon seit 2003 „herunten“, seitdem sie aus dem Studium raus ist immer öfter. Sie arbeitet multidisziplinär. Die Druckographie, Bildhauerei und Keramik macht sie im Burgenland. Die Malerei in Wien. „Manchmal bin ich eine Woche draußen und dann wieder länger im Süden. Es teilt sich gut auf.“ Sie braucht den regelmäßigen Perspektivenwechsel. „Managen lässt sich das eigentlich relativ leicht. Ich bin nomadisch veranlagt. Mein Mann ist Franzose. Der pendelt zwischen Wien und Frankreich. Wir haben das intus.“ Wenn das Michö´ler Atelier mal dem Wiener weichen muss, ist Assistentin Mama zur Stelle. „Sie ist lieb. Wenn ich wegfahre und etwas trocknen muss, dann schaut sie drauf.“

Doris Dittrich schätzt das Südburgenland. Sie mag das „Aus der Welt fallen können“. Ihre Werke präsentiert sie nicht nur auf Ausstellungen und Vernissagen „all over the world“, sondern auch ganz banal auf der Straße. Sie nutzt die zweite Heimat für Projekte. Gerade eben bemalt sie die Betonwand eines neuen OSG-Wohnhauses in St. Michael kunterbunt. Eine hat sie schon gemacht. Das war im Herbst vor zwei Jahren. Jetzt ist ein neues Haus dazugekommen und sie legt wieder los. „Mir taugt es, das hier zu beleben und aufzufrischen. Ansonsten wäre das da ja nur eine fade Betonwand. Und den meisten Leuten gefällt es auch. Die kommen vorbei und freuen sich.“

Das Haus, das sie mitgestaltet, verbindet ganz nebenbei auch noch Generationen. Ein paar Seniorenwohnungen und ein paar Startwohnungen für junge Menschen sind dort drinnen. „Die machen jeden Tag was miteinander.“ Sie mag das. Sie mag die ganz enge Dorfgemeinschaft. „Als ich die erste Wand bemalt habe, ist jeden Morgen ein Bewohner zu mir gekommen und hat mir ein Häferl Kaffee vorbeigebracht. Und jetzt mache ich die zweite und er kommt wieder. Das ist echt cool.“

Den klassischen Arbeitstag gibt es bei ihr nicht, der Kaffee in der Früh ist aber ein „Muss“. „Mal hackl´ ich von früh bis spät wie ein Viech. Und dann gibt es Tage. Da sitze ich, stricke mein Gewand für die nächste Vernissage und schaue nebenbei Grand Slam-Tennis. Da spielt sich dann alles im Hinterkopf ab.“

"Erste Jahre waren hart"

Doris Dittrich ist Zeugin unserer Zeit. Sie will mit ihrer Kunst Gedankenprozessen Form geben, Raum für Kommunikation öffnen und Themen, die uns als Gesellschaft plagen, (auf)zeigen. Sie beschäftigt sich mit Philosophie, Alltagskultur und Soziologie. Sie wolle reflektieren, sagt sie, während ihr Neffe an der Wand sitzt und unwissend dessen, „was die da gerade redet“, scherzt. Die Arbeit ist lustig und turbulent. „Ich mag die Freiheit.“ Sie macht das nun seit 13 Jahren. Oder auch schon bisschen länger. „Die ersten Jahre waren hart. Aber wenn man eine positive Lebenseinstellung hat, findet man Freude daran.“

Die gebürtige Wienerin, die das Burgenland liebt, ist international anerkannt und mehrfach ausgezeichnet. Eines ihrer Werke hängt sogar im Nationalmuseum für Kunst der Republik Moldau. Sie reist gerne. In Zeiten von Corona ist das anders. „Anfangs musste man sich bewusst werden, dass vieles nicht passieren kann. Aber man findet sich mit der Situation zurecht. Ich habe mehr Zeit für mich.“ Das Reisen spielte und spielt sich derzeit meist (noch) im Kopf ab. Doris Dittrich hat ein Covid-Tagebuch gestaltet. Die Windows 5+1-Welt. „Ich habe fünf Fenster in meinem Atelier und das sechste ist Windows. Das Internet. Ich habe mich durch die Bing-Reisevorschläge gescrollt.“ Übrigens: Die Kunst am (OSG-)Bau wird 28. August, ab 17 Uhr feierlich präsentiert…