Leukämie: Schicksal führt zwei Frauen zusammen

Erstellt am 26. Juni 2022 | 05:07
Lesezeit: 4 Min
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Von Ärztin und Patientin zu künftigen Arbeitskolleginnen. Lisa Schuh (links) und Claudia Mainau erkrankten beide an Leukämie. Eine Geschichte vom Helfen – eine wirklich schöne.
Foto: BVZ
Lisa Schuh erkrankt an Leukämie und findet ihre „Doc-Mum“ in Claudia Mainau, die den Krebs bereits dreimal in die Schranken wies.
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Die beiden trennen genau 30 Jahre, aber die machen keinen Unterschied. Lisa Schuh aus Aschau ist 27 Jahre jung und erkrankt vor eineinhalb Jahren an akuter myeloischer Leukämie, kurz AML. Claudia Mainau ficht den Kampf gegen diesen Krebs gleich zweimal erfolgreich aus. „Und Brustkrebs hatte ich auch dann noch.“

Da sitzen also zwei Frauen, die dem Tod schon mehrere Male ein Schnäppchen geschlagen und sich aus vollem Herzen für das Leben entschieden haben. Die Lisa ist aktuell die Patientin von der Claudia – noch. Weil bald schon wird die 27-Jährige die Privatordination von Doktor Claudia Mainau nicht mehr nur als Patientin, sondern als deren Assistentin betreten.

„Claudias Profil wurde mir bei Recherchen zu meiner Krankheit zweimal im Internet angezeigt - rein zufällig. Da wurde ich neugierig, hab mir ihre Geschichte durchgelesen und dachte `Wow, es gibt eine Ärztin, die gleich zweimal selbst an AML erkrankte und sie ist außerdem nicht weit entfernt. Die muss ich kennenlernen.“

Claudia Mainau, 57 Jahre alt, hat Modedesign studiert, war lange als Journalistin tätig und beginnt als Spätberufene mit 28 ihr Medizinstudium. Heute betreibt die Ärztin für Allgemeinmedizin und Ayurveda unter anderem eine Ordination im Falkensteiner Balance Resort Stegersbach und lebt in Inzenhof.

Als die Ärztin selbst zum ersten Mal an Leukämie erkrankte, „habe ich komplett anders reagiert, als ich´s von mir erwartete. Ich hatte Angst. Klar, ich bin ja nicht nur Ärztin, sondern auch Mensch und meine Überlebenschancen lagen damals, bei meiner ersten Erkrankung an AML, bei nur knapp 50 Prozent. Ich habe die Leukämie einmal besiegt, dann kam sie ein zweites Mal in mein Leben und später bin ich auch noch an Brustkrebs erkrankt. Ich habe damals einen Deal mit dem Universum geschlossen, dass ich, wenn ich all das überleben sollte, all mein Wissen darüber an andere Erkrankte weitergeben würde.“ Eine davon ist Lisa Schuh.

„Die Infusionstherapien, die Gespräche und Behandlungsmethoden von Claudia sind einzigartig und helfen mir sehr dabei, weiter gesund zu werden. Ich hatte zwar den Krebs offiziell besiegt, aber oft kaum Kraft, um meinen Alltag zu bewältigen. Claudia war die erste Ärztin, bei der ich das Gefühl hatte, dass sie mich wirklich sieht, mir wirklich zuhört. Heute nenne ich sie liebevoll meine Doc-Mum“, erzählt Lisa Schuh schmunzelnd.

Und auch ihre Ärztin, die Claudia empfindet ähnlich: „Die Beziehung zur Lisa ist besonders, schon auch ein bisserl mütterlich. Ich weiß, was sie durchgemacht hat, weil ich da selbst mehrmals durch hab müssen. Ich möchte ihr nicht nur helfen, weiter gesund zu werden und zu bleiben, sondern ihr Rückhalt geben, ihr die Ängste nehmen und ihr Zukunftsperspektiven ermöglichen.“

Und genau deshalb wird Lisa bald schon als Mitarbeiterin in der Ordination von Claudia Mainau ihren Dienst antreten. „Die Krankheit hat mich sehr verändert. Ich möchte in Zukunft in einem Bereich arbeiten, wo ich anderen Menschen auch wirklich helfen kann und Claudia gibt mir die Möglichkeit dazu. Dafür danke ich ihr von Herzen. Ihr und meinem Körper, der mich am Ende nie im Stich gelassen und bis in ein neues Kapitel meines Lebens getragen hat.“

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