Die Liz und ihre Insel - eine Liebesgeschichte. Gesehen hat sie viel, gemacht sowieso. Warum Elisabeth Garber jetzt auf Bali sitzt und setzt? Ein Bericht über kreative Quellen und ihren Glauben an die Insel der Götter.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 10. Januar 2021 (04:50)

Es war eine On-Off-Gschicht über knapp zwei Jahre, aber jetzt, jetzt sind die Liz und Bali in einer festen Beziehung. Elisabeth Garbers Vor- und Spitzname sind wohl auch ein bisserl gottgegeben, weil dieselben, wie jene der weltberühmten Autorin Elizabeth (Liz) Gilbert, deren Roman „Eat, Pray, Love“ Millionen Menschen erreichte. Und so wie die Autorin, hat sich auch die 37-jährige Oberwarterin am Ende für Bali als neue Heimat entschieden. Die Reise dahin, die war lange – und weit, und hat sie durch viele Länder und Jobs geführt.

Prüfender Blick. Liz Garbers Hauptarbeit ist es neue Produzenten für ihr Unternehmen Artisans-net zu finden. Dabei überzeugt sich die gebürtige Oberwarterin stets persönlich vor Ort davon, wie die Kunstwerke hergestellt werden.
Garber

Liz Garber wuchs in Oberwart auf, ging in Oberschützen zur Schule und war das Kind einer fast schon legendären Gastro-Familie. „Der Papa hat damals auch die Rumpelkammer betrieben, die an das Kamakura anschloss. Ich bin im Gastgewerbe aufgewachsen und es hat mich sicher geprägt.“

Die quirlige Blondine wechselt dann ins Eventmanagement, absolviert ein Kolleg im Bereich Städtetourismus in Wien und legt eine steile Karriere hin. „Ich habe große Kunden betreut und bin recht schnell aufgestiegen in meiner damaligen Firma. Von Wien ging ich dann für ein Jahr in die Schweiz, um dort eine Zweigstelle aufzubauen. Etwas später hab ich dann im Bereich Führungspsychologie und im Management Fuß gefasst. Die Branche ist stressig, wenn du nicht aufpasst, brennst du schnell aus“, weiß Liz heute. Auch sie nimmt sich eine Auszeit, ein „Sabbatical“ und reist eineinhalb Jahre mit dem Rucksack quer durch Lateinamerika.

Ein berufliches Jahr in Hamburg folgt danach und trotzdem: Immer wieder stattet sie auch der indonesischen Insel Bali einen Besuch ab. „Ich hab die Insel vom ersten Besuch an geliebt und bin immer wieder gekommen. Das Bauchgefühl meiner Mama wusste aber lange vor mir, dass ich, getreu dem STS Song ‚irgendwann einmal dort bleiben würde‘“, erzählt die Unternehmerin schmunzelnd, die seit zwei Jahren Jahren in Canggu auf Bali ihren festen Wohnsitz hat.

Es sei die „Kombination der westlichen Welt und jener traditionellen der Balinesen“, die Liz Garber nach wie vor an Bali so fasziniert. „Wenn ich schlafen gehe, hör ich das Meer rauschen. Ich liebe das tropische Klima, die kulturelle Vielfalt aller Menschen, die hier aus Teilen der ganzen Welt hergekommen sind, um sich auf der Insel niederzulassen. Wenn ich italienische Pizza haben will, muss ich nur ein paar Gassen weiter mit dem Scooter düsen und gleichzeitig hab ich die religiösen Zeremonien der Balinesen, die dich stets daran teilhaben lassen, wenn du das möchtest.“

Weltweite Kunst ins Wohnzimmer geliefert

Vermutlich auch mit ein Grund dafür, dass Elisabeth Garber den Einwohnern und deren Kulturerbe jetzt auch etwas zurückgeben möchte, denn die Geschäftsfrau hat sich, gemeinsam mit ihrer Freundin Anna Holzbauer, die am anderen Ende der Welt, in Wien lebt und arbeitet, auf der Insel mittlerweile ein buntes, schönes und durchaus faszinierendes Business aufgebaut. „Artisans-net heißt unsere Firma und bietet faire und von Hand produzierte Kunst- und Möbelstücke, sowie Mode und Schmuck aus der ganzen Welt. Dafür erweitern wir ständig unsere Gemeinschaft an Künstlern und Produzenten. Auch Inneneinrichtung bieten wir an. Ich bin neben der Logistik vor allem auch für die Akquise neuer Produzenten zuständig. Dafür düse ich auf meinem Scooter oft quer durch die Insel, klappere Dörfer ab, besuche Künstler und Familien und sehe mir an, wie unsere künftige Ware hergestellt wird.“

Magische Insel. Auf Bali hat die ehemalige Eventmanagerin Elisabeth Garber heute ihre neues Zuhause gefunden. Sie lebt in Canggu, an der Südküste der Insel, das bekannt für seine „digitalen Nomaden“ und Heimat für viele aus der Kreativbranche ist.
Garber

Dabei kommt es dann auch durchaus mal vor, dass Liz Garber in einer Sackgasse, mit knapp 20 Familienmitgliedern, am Boden sitzt und stundenlang dabei zusieht wie Makramees von Hand geknüpft werden. Die Handwerkskunst am Leben und hochzuhalten sind Liz und ihrer Freundin Anna dabei das größte Anliegen, ebenso wie faire und nachhaltige Produktion und dementsprechende Entlohnung.

„Unsere Produkte kommen von überall her. Bali, Java, Papua-Neuguinea oder Lateinamerika. Was man in Papua-Neuguinea bei Hochzeitszeremonien trägt, haben wir zum Beispiel als Wandschmuck für unsere Kunden entdeckt.“

Echte Christbäume und die Leberkässemmel

Apropos Schmuck: Den klassischen Christbaumschmuck braucht die ausgewanderte Oberwarterin zu Weihnachten auf Bali zwar nicht, was aber nicht bedeutet, dass ihr die Heimat, ganz besonders rund um die Feiertage, nicht auch fehlt. „Die Kälte und Schnee, die waren zwar nie so meins, aber an Weihnachten gehört das für mich dazu. Und ein echter Christbaum ist halt ein echter Christbaum, da will ich mir nichts vormachen“, gesteht die 37-Jährige lachend.

Was neben der Familie und dem Christbaum auf Bali aber am schmerzlichsten vermisst wird? „Die Leberkässemmel vom Tallian. Das ist immer das Erste, was ich mir sofort hole, wenn ich mal wieder Urlaub in Oberwart mache.“