Staatsfeinde: Es ging um Licht und Liebe

Erstellt am 17. April 2022 | 05:51
Lesezeit: 4 Min
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Auf Burg Güssing wurde am 11. November 2015 der „Staatenbund Österreich“ ausgerufen.
Foto: Photofex_AUT, shutterstock.com
Ex-Lehrer schrieb Drohbriefe an Behörden, Ex-Unternehmer war auf der Suche nach mehr Liebe.
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Eine Krise in der Lebensmitte reichte, um zwei Bürger aus dem Südburgenland 2015 in die Fänge der staatsfeindlichen Verbindung um die mittlerweile zu zwölf Jahren Haft verurteilte Monika Unger zu treiben.

Vorige Woche mussten sich ein gelernter Einzelhandelskaufmann, der einige Jahre lang ein Geschäft betrieben hatte, und ein Ex-Lehrer in Eisenstadt vor einem Geschworenengericht verantworten. Der Händler, der damals an den Folgen eines Bandscheibenvorfalls laborierte, hatte 2015 den „Präsidenten“ des „Staates Burgenland“ kennengelernt, einer damals gegründeten Parallelorganisation zu den verfassungsrechtlich legitimen Institutionen. Der „Präsident“ nahm ihn zu Treffen mit der „Staatenbund Österreich“-Gründerin Monika Unger mit.

„Ich merkte, dass in der Welt zu wenig Liebe ist...“

„Sie erzählte von Licht und Liebe“, erinnerte sich der Ex-Händler. „Ich merkte, dass in der Welt zu wenig Liebe ist und auch Licht. Das war der Beweggrund, warum ich mitmachte.“

Auf Burg Güssing wurden am 11. November 2015 der „Staat Burgenland“ und der „Staatenbund Österreich“ ausgerufen. Monika Ungers Anhänger beantragten Befreiungsurkunden, Lebenderklärungen und Authentizitätskarten sowie Phantasie-Kennzeichen für ihre Autos.

„Ich bin ein einfacher Mensch“, sagte der 55-jährige Ex-Händler, der heute eine Pension bezieht.

„Sie interessierten sich dafür“, hielt ihm Richterin Birgit Falb vor. „Für die Liebe interessierte ich mich“, erwiderte der Angeklagte. „Bekamen Sie dann mehr Liebe?“, wollte die Richterin wissen. „Es tut mir leid, dass es so passiert ist“, bekannte sich der Angeklagte schuldig. 2016 habe er erkannt, dass in der obskuren Organisation eher „Schatten und Kampf“ statt „Licht und Liebe“ vorherrschten. Den zweiten Angeklagten hatte die Scheidung aus der Lebensbahn geworfen. Der Lehrer hatte ein Burnout, nahm Bildungskarenz. „Ich war fertig“, sagte der 54-Jährige vor Gericht.

Ein Freund nahm ihn zu den „Staatsfeinden“ mit. „Welche Idee steckte dahinter?“, wollte die Richterin wissen.

„Ich bin prinzipiell kein depperter Mensch“

„Etwas Neues zu inszenieren. Ein freies System zu errichten“, rang der Ex-Lehrer um Worte. „Es ist schwer zu erklären. Ich bin prinzipiell kein depperter Mensch.“ Auf einmal sei er „dabei“ gewesen. „Als Lehrer hätte ich kritischer sein müssen“, gab der Angeklagte zu. Als er im August 2015 betrunken einen Unfall verursachte und ein Verwaltungsstrafverfahren begann, startete der Ex-Lehrer eine staatsfeindliche Kampagne gegen die südburgenländischen Behörden.

In Drohbriefen steckte „kriminelle Energie“

„Darin steckt die meiste kriminelle Energie“, hielt ihm Richterin Birgit Falb vor. Mit Unterstützung der selbsternannten „Staatenbund-Präsidentin“ Monika Unger wurden „Strafverfügungen“ und „Haftbefehle“ gegen Bezirksrichter und Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft in den Bezirken Güssing und Oberwart verschickt.

Von Beamten Schadenersatz gefordert

Beamte erhielten Drohschreiben und Schadenersatzforderungen. Wenn sie Beträge von 25.000 oder 30.000 Euro nicht zahlen würden, dann würde der Ex-Lehrer eine Eintragung in ein internationales Schuldenregister veranlassen.

„Ich dachte, dass es funktionieren könnte“

„Ich dachte, dass es funktionieren könnte“, sagte der Ex-Lehrer in der Vorwoche vor Gericht. „Stellen Sie sich vor, alle würden sich so benehmen“, ermahnte ihn die Richterin. „Wir wären eine Anarchie!“ „Ich bin geheilt. Danke“, antwortete der Angeklagte.

16 und 12 Monate bedingt für die Angeklagten

Er wurde schuldig gesprochen und zu 16 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Der 55-jährige ehemalige Händler erhielt eine bedingte Haftstrafe von zwölf Monaten.

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