Neue Tourismus-Wege im Seewinkel. Klaus Wurzinger und Rudolf Karlo setzen auf „Tiny Häuser“. Das „Lakeside77“ will seine Saison in den Winter ausdehnen: drei Betriebe, die mit Innovationen punkten wollen.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 10. Juli 2020 (05:42)

Der Tourismusregion im Seewinkel wird manchmal ein etwas verstaubtes Image aufgedrückt: Da hört man schon mal wenig Schmeichelhaftes vom 70er-Jahre-Flair in den Herbergsbetrieben. Ein Immage, das drei junge innovative Gastgeber aus Podersdorf und Illmitz bereits abgeschüttelt haben. Ihre Betriebe haben einiges gemeinsam: Sie sind hip, familiär und punkten mit pannonischer Gastfreundschaft. Und: Sie sehen in der Krise auch eine Chance für die Region.

Klaus Wurzinger hat aus seinem Garten mitten in der Gemeinde Podersdorf am See, nur wenige Meter Fußweg vom Strandbad entfernt, eine kleine Oase geschaffen. Zehn schmucke „Tiny Häuser“ bieten seinen Gästen jeden Komfort auf kleinem Raum.

Das „Parcels“ ist gut gebucht. Die Gäste kommen heuer zu 90 Prozent aus Österreich, aber auch aus Deutschland oder der Schweiz. „75 Prozent waren noch nie am Neusiedler See“, weiß Wurzinger und sieht nun eine Chance für die Region, sich von der besten Seite zu zeigen. In seiner dritten Saison darf der kleine Betrieb schon Stammgäste begrüßen.

„Die Grundidee mit den kleinen Häusern hat meine Mutter schon vor 35 Jahren gehabt, damals war eine Umsetzung aber nicht möglich“, erklärt Wurzinger.

Sein Konzept hat Rudolf Karlo in der Nachbarortschaft Illmitz aufgegriffen. „Die Zimmerei“ besteht aus fünf „Tiny Häusern“ mit unglaublich fantastischem Blick in den direkt angrenzenden Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel. Der Gastwirt hat sein Portfolio trotz oder gerade wegen seines überraschenden Familiennachwuchses erweitert. Vor einigen Monaten haben Drillinge das Leben der Familie vollkommen auf den Kopf gestellt.

„Wir haben nun unsere Gastwirtschaft zurückgeschraubt, dafür aber fünf kleine Häuser in Holzriegelbauweise in den Garten gestellt“, erzählt der nun fünffache Familienvater. Eröffnet hat er „Die Zimmerei“ am 29. Mai. Das erste Feedback seiner Gäste kann sich sehen lassen. Warum so weit reisen, wenn das Schöne so nahe liegt: „Einige haben gesagt, ich brauche nur noch Elefanten herstellen. Dann glaubt man, man ist in Afrika“, lacht Karlo.

Zurück in Podersdorf: Auch dort hat ein junger Beherbergungsbetrieb seine Feuertaufe am 29. Mai gut bestanden. Das „Lakeside 77“ spricht aktives, sportliches Publikum an – und das ganzjährig. Die 36 modernen Zimmer sollen auch im Winter für Gäste bereitstehen. Ein Konzept, das nur wenige Betriebe in der Region teilen.