Südburgenland punktet heute mehr denn je. Die Zeit „nach“ Corona gibt Hoffnung. Kellerstöckl sind beliebter denn je. Radfahren liegt voll im Trend. „Luft nach oben“ gibt es aber dennoch.

Von Maximilian Wiesler. Erstellt am 23. Juli 2020 (05:19)

In Badersdorf gibt es ein Hochzeitsmuseum. In Oberschützen ein Kaffeeland. Und in Eisenberg den Pinkadurchbruch. Wussten Sie das?

Das Süburgenland bietet viel. Viel mehr als man denkt. Geheimtipps wie diese, Radfahren, Wandern und Wellness. Essen, Trinken und Genießen inklusive. Die „Frequenzbringer“ Thermenhotels starten, die Kellerstöckl und Buschenschenken in der Weinidylle komplettieren das Angebot. „Viele Südburgenländer wissen gar nicht, was das Südburgenland alles zu bieten hat“, sagt Thom Wachter. Er ist Obmann des Erlebnisparadies-Vereins und zu erleben gibt es ja einiges. Er will die Region sowohl den Einheimischen als auch den Urlaubern näherbringen. Quasi als Auftrag für die Zukunft.

 „Radfahren und Wandern sind sehr gefragt. Es sind die klassischen Themen im Südburgenland.“ Harald Popofsits, Geschäftsführer Tourismusverband Oberwart-Güssing

 Der sanfte Tourismus, auf den das Gebiet setzt und von dem es lebt, weiß zu punkten, vor allem jetzt, „nach“ Corona. Aber ein Blick zurück: In den sonst so starken Frühjahrsmonaten März, April und Mai, in denen das Südburgenland nach dem Winter wieder zum Leben erwachen hätte sollen, schnellte die Pandemie dazwischen und trieb die Nächtigungszahlen gen null. Konkret sei im April ein Rückgang von 90 bis 95 Prozent zu verzeichnen gewesen, erklärt Tourismusverband Oberwart-Güssing-Geschäftsführer Harald Popofsits. Einzig Personen, die notwendige berufliche Verpflichtungen hatten, durften in diesem Zeitraum nächtigen.

Appell durch Corona: Harald Popofsits hofft, dass vermehrt Heimaturlaub gebucht wird.
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Die Lockdown-Zeit schwächte, ist jetzt aber vorbei. Die Gastro durfte am 15. Mai wiederöffnen, 14 Tage später legte die Tourismus-Branche nach. Seit dem Restart läuft alles wieder an. Und wie. „Es gibt aktuell wahnsinnig viele Anfragen. Die Buchungslage ist sehr gut. Die Phase, die normalerweise im Frühling oder Herbst stattfindet, ist jetzt im Sommer“, strahlt Popofsits. Speziell die Kellerstöckl seien enorm beliebt. Hier werde man, sollte nicht wieder etwas Unvorhergesehenes dazwischen schießen, trotz mehrwöchiger Zwangsschließung die „normalen Zahlen“ erreichen. Oder gar übertrumpfen. Er relativiert aber gleichzeitig: „Im Gesamten werden am Jahresende schon etwa 30.000 bis 40.000 Nächtigungen fehlen. Das betrifft vor allem die größeren Hotels.“

Ganz rosig sei die Situation demnach nicht, die lockdown-bedingten Rückgänge will man dennoch bestmöglich kompensieren. Das Burgenland-Ticket – ein Nächtigungsbonus im Wert von 75 Euro, der ab einem Aufenthalt von drei Nächten am Stück im Aktionszeitraum Juli bis September eingesetzt werden kann – hilft. Die Sommermonate werden aber ohnehin stark. Vielleicht sogar stärker denn je. Der Juni war jedenfalls stark. Er soll den Trend vorgeben.

 „Die Plattform ist etwas, das lebt und ausgebaut werden muss“ Thom Wachter, Obmann des Erlebnisparadies-Vereins

 Ob der südburgenländische Tourismus von Corona und dem permanentem Appell, Heimaturlaub zu machen, profitieren kann, will Harald Popofsits nicht pauschal sagen. Das Manko sei die fehlende Planungssicherheit, muss man doch von variierenden Infektionszahlen ausgehen. Er blickt aber positiv in die Zukunft: „Radfahren und Wandern sind gerade jetzt sehr gefragt. Das sind die klassischen Themen des Südburgenlandes. Zudem gibt es hier viele Österreich- und Deutschland-Urlauber, heißt: Der Zielmarkt besteht weiterhin.“ Thom Wachter formuliert es noch direkter: „Wir im Südburgenland können mit unserer Kleinstrukturiertheit punkten. Davon bin ich überzeugt. Die Leute konzentrieren sich auf das Wesentliche und wollen raus in die Natur. Das ist unsere Chance.“

Raus in die Natur wollten auch Lukas Saxinger und Tobias Hutsteiner. Die beiden Jungs stammen aus Oberösterreich, radelten bis ins Südburgenland, um Freunde zu besuchen, und durchquerten es. Den Kraftakten folgten Zwischenstopps in der Weinidylle. Ein Symbol für die Popularität, die der südburgenländische Radtourismus in Vergangenheit gewann. Der Urlaub hier ist beliebt, die sanft hügelige Landschaft prädestiniert für lockeres und intensives Radeln.

Martin Ochsenhofer: „Luft nach oben gibt es immer.“
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„Renner“ ist die Paradiesradroute, die 260 Kilometer umfasst, durch die verschiedenen Regionen des Landes leitet und deren Diversität widerspiegelt. Monotones „Kilometerfressen“ ist auch, aber hier weniger gefragt als vielmehr leidenschaftliches „Genussradeln“ auf E-Bikes. „Die Elektroräder machen das Südburgenland flach. Und das ist es, was der Genussradler will.“, sagt Martin Ochsenhofer. Er hat das E-Bike vor zehn Jahren ins Südburgenland gebracht und war damit einer der ersten in Österreich. „Am Anfang wurde ich dafür belächelt. Da haben die Leute gesagt: Was willst du denn damit?“ Zu Unrecht, wie sich heute zeigt. Der E-Bike-Verleih, den er betreibt, laufe „sensationell gut“ und die Nachfrage sei „stetig steigend“. „95 Prozent der Radfahrer hier sind mit dem Elektrorad unterwegs.“

Die Geschäftsidee bewährt sich, vor allem die Eröffnung der Paradiesroute 2015 gab dieser zusätzlichen Schub. Corona sowieso. Hauptabnehmer sei der Individualgast, das Gruppengeschäft ginge schlecht. Ein weiteres Indiz dafür, dass Kleinstrukturiertheit im Südburgenland nicht klein-, sondern ganz großgeschrieben wird.

Baut auf das Südburgenland. Thom Wachter macht Werbung für die Region.
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Auf das Radeln allein beschränkt sich die Tour aber nicht, der Genuss darf, wie der Name schon verrät, nicht zu kurz kommen. Eine Vielzahl an Betrieben entlang der Strecke lädt zu ebendiesem Genießen ein. „Mit der Paradiesroute ist es uns gelungen, Tourismus und Unternehmen zusammenzuführen“, betont Thom Wachter. Das Gastro-Angebot soll naturverfallenen und bewegungsbegeisterten Tretern und Weinwanderern im Pinkatal und rund um den Geschriebenstein die Möglichkeit geben, neben Land auch Leute näher kennenzulernen und Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen. Egal ob in Buschenschank, Wirtshaus, Haubenlokal oder Vinothek.

Alles schön und gut und Jubel, Trubel, Heiterkeit, aber… „Luft nach oben gibt es immer“, meint Martin Ochsenhofer. Problem sei, dass es, speziell zu Wochenbeginn, für Urlauber oft schwierig ist, „verpflegungstechnisch etwas zu finden“. „Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann ist es der. Die Leute sind ja da, nur sie finden oft nichts.“ Wie man dem entgegenwirken kann? „Wir müssen Reize setzen. Man darf nicht von vornhinein sagen: Das geht nicht. Man muss es probieren. Das ist meine Philosophie.“

Info-Angebot sollte laut Popofsits und Wachter ausgebaut werden

Geht es nach Harald Popofsits und Thom Wachter, soll eine Digitalisierungsoffensive helfen, das Problem bei der Wurzel zu packen. Die Gäste sollen die Chance bekommen, sich besser zu informieren. „Offen hat immer jemand. Man muss nur wissen, wer“, sagt Popofsits. Er konkretisiert: „Wir wollen ein umfassendes System entwickeln, das als digitaler Urlaubsassistent arbeitet. Mit Standortdefinition und Umkreissuche. Das Angebot, das schon in der Datenbank ist, soll den Touristen direkt aufs Handy serviert werden und die Tourenplanung erleichtern. Buchung inklusive.“ Ein erster Schritt in diese Richtung wurde schon getan. Die App „myerlebnisparadies.at“ materialisiert die Ideen. Thom Wachter: „Der Kunde wird durch die App bei seiner Suche unterstützt und findet ein Sammelwerk von Betrieben auf einen Blick. Zurzeit sind 912 dabei. Aber wir wollen weiter wachsen, jeden integrieren, mehr und vielfältiger anbieten. Die Plattform ist etwas, das lebt und ausgebaut werden muss.“

Etwas, das nicht nur Urlauber in Anspruch nehmen sollen, sondern auch Einheimische. „Denn die sind dann Multiplikatoren nach außen hin.“ Das Gesamtkonzept wird im kommenden Jahr stehen. Damit dann auch alle alles wissen. Auch, dass es in Badersdorf ein Hochzeitsmuseum, in Oberschützen ein Kaffeeland und in Eisenberg den Pinkadurchbruch gibt.