Auf einen Blick: Tops und Flops im Bezirk Oberwart

Erstellt am 06. Oktober 2022 | 05:55
Lesezeit: 5 Min
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Schandorf dreht sich doppelt. Bernhard Herics (ÖVP) ist neuer Bürgermeister von Schandorf. Er setzte sich gegen Werner Gabriel (SPÖ) durch und freut sich auch über die Mehrheit im Gemeinderat.
Foto: Kerstin Rath
In Loipersdorf-Kitzladen müssen Thomas Böhm (ÖVP) und Jürgen Zimara (SPÖ) zum zweiten Mal in Folge in die Stichwahl. Stefan Laimer holt für die ÖVP Bad Tatzmannsdorf zurück, Roman Dietrich taucht Oberdorf in Rot und Bernhard Herics (ÖVP) zwingt SP-Ortchef Werner Gabriel in Schandorf in die Knie.
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Jede Wahl hat ihre Sieger — und natürlich ihre Verlierer. Auch im Bezirk Oberwart brachte der Wahlsonntag einige überraschende Ergebnisse.

SCHANDORF Für die wohl größte Sensation sorgte VP-Spitzenkandidat Bernhard Herics in Schandorf. Mit 58,24 Prozent der Stimmen ging er gegen den amtierenden Ortschef Werner Gabriel (SPÖ) nicht nur als Sieger aus der Bürgermeisterwahl hervor, sondern „drehte“ auch den Gemeinderat. Dort hielt die ÖVP vor der Wahl fünf Mandate, die SPÖ sechs. Nach der Wahl ist das genau umgekehrt, die ÖVP hat mit sechs Mandaten die absolute Mehrheit, die SPÖ kommt nach einem Verlust von 13,19 Prozent nur mehr auf fünf Mandate.

BAD TATZMANNSDORF Für den zweiten Dreher am Wahlsonntag sorgte VP-Kandidat Stefan Laimer im Kurort. Angetreten, um „Vollzeitbürgermeister“ zu werden, will Laimer nach der Wahl sein Versprechen auch umsetzen. Bei der Bürgermeisterwahl, wo er gegen Polster-Nachfolgerin Christine Kotschar (SPÖ) angetreten ist, lieferten sich beide ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Entscheidend waren am Ende die Stimmen im Ortsteil Jormannsdorf. In Sulzriegel lag Kotschar mit 17 Stimmen vor Laimer, im Ortsteil Bad Tatzmannsdorf mit 21. In Jormannsdorf konnte aber Stefan Laimer punkten und holte sich einen Vorsprung von 92 Stimmen auf die SP-Bürgermeisterkandidatin heraus und somit die Stimmenmehrheit. Ähnlich knapp war auch das Rennen um ein Gemeinderatsmandat, wo die SPÖ um 16 Stimmen hinter dem Ergebnis der ÖVP lag. Wie schon sein Vorgänger Gert Polster (SPÖ), muss Neo-Bürgermeister Stefan Laimer ebenso ohne Mehrheit im Gemeinderat regieren.

OBERDORF Einen neuen SPÖ-Bürgermeister gibt es auch mit Roman Dietrich in Oberdorf. Dietrich war bislang schon Vizebürgermeister und ist nach dem Nicht-Antreten der bisher amtierenden Bürgermeisterpartei, ÖVP, gegen Listen-Kandidat Josef Engelmayer in die Bürgermeisterwahl gegangen. Das Ergebnis: eindeutig. Mit 92,43 Prozent der Stimmen wurde der SPÖ-Kandidat zum Bürgermeister gewählt. Solch eine hohe Zustimmung gab es schon lange nicht mehr in Oberdorf. Auch im Gemeinderat hat sich deutlich was bewegt. Die SPÖ stellt jetzt nämlich auch dort mit 9 Mandaten deutlich die absolute Mehrheit.

GROSSPETERSDORF Auch die drittgrößte Gemeinde im Bezirk Oberwart hat mit Harald Kahr einen neuen Bürgermeister. Den „Harry“ Kahr, den kennt man - und das nicht nur in Großpetersdorf, schließlich betreibt der Unternehmer, der auch Generalpächter des Oberwarter Messezentrums ist, seit Jahren Lokalitäten und Events im Bezirk und ist seit dem Vorjahr auch Bezirksgeschäftsführer der SPÖ. Für Kahr, der bislang nicht im Gemeinderat war, aber bereits in den frühen 2000ern einmal Gemeindevorstand bei der SPÖ Großpetersdorf war, ist es ein Start-Ziel-Sieg gegen gleich vier Kontrahenten. Letztendlich haben in rund 200 Stimmen von Lukas Faulhammer getrennt, der für die ÖVP Platz 2 bei der Bürgermeisterwahl holte und den Sieg im Ortsteil Miedlingsdorf. Auch im Gemeinderat hat er für die SPÖ ein noch besseres Ergebnis als sein Vorgänger Wolfgang Tauss einfahren können. Die Absolute wurde sogar um ein Mandat ausgebaut.

MARIASDORF Wolfgang Nothnagel (SPÖ) hat mit 56,47 Prozent der Stimmen die Wahl in Mariasdorf für sich entschieden und folgt Langzeitortschef Reinhard Berger nach, der sich nicht mehr der Wahl stellte. An das Ergebnis von Berger (76,84 Prozent) bei der Bürgermeisterwahl 2017 war zwar kein Herankommen, aber Nothnagel musste sich gleich zwei Gegnern stellen.

Dieses Mal hat nämlich nicht nur die FPÖ einen Kandidaten ins Rennen geschickt, sondern auch die ÖVP. Im Gemeinderat konnte Wolfgang Nothnagel die Mehrheit für die SPÖ knapp absichern.

STICHWAHL-GEMEINDE LOIPERSDORF-KITZLADEN Für Jürgen Zimara (SPÖ) und den bisher amtierenden Ortschef Thomas Böhm (ÖVP) heißt es, wie schon 2017, ab in die Stichwahl, die am 23. Oktober stattfinden wird. Die Vorzeichen sind auch heuer fast die Gleichen: Zimara liegt mit 48,86 Prozent vor Böhm, der auf 43,92 Prozent der Stimmen kam. Entscheidend wird jetzt eben sein, wie sich die FPÖ-Wähler (7,22 Prozent beim Bürgermeister) bei der Stichwahl verhalten werden.

FPÖ ALS ZÜNGLEIN AN DER WAAGE IN PINKAFELD UND OBERWART Für den 2. Landtagspräsidenten Georg Rosner (VP) und den 3. Landtagspräsidenten Kurt Maczek (SPÖ), die sich beide wieder das Bürgermeisteramt sicherten, heißt es künftig, auch ohne Mehrheit in den jeweiligen Gemeinderäten zu regieren.

In Oberwart hielt sich der Verlust der Rosner-VP zwar mit 1,63 Prozent in Grenzen, aber die SPÖ konnte starke Zugewinne der FPÖ und der Grünen verbuchen und kommt jetzt, wie die ÖVP auf 12 Mandate, die ihre Absolute abgeben muss.

Weg ist die Mehrheit auch für die SPÖ Pinkafeld, die gleich 8,41 Prozent der Stimmen an die ÖVP abgeben musste, die sich am Sonntag zum großen Wahlsieger gekürt hat. Damit entsteht in beiden Städten eine politische Pattsituation zwischen den jeweiligen Großparteien. Für Mehrheitsbeschlüsse werden die Stimmen der Freiheitlichen maßgeblich sein, falls sich SPÖ und ÖVP nicht überraschend auf eine „Große Koalition“ einigen sollten.

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