Betrüger war 23 Jahre auf der Flucht. Einem Oberwarter Betrüger wurde der Fahndungsdruck zu groß, er stellte sich der heimischen Justiz. Am Flughafen Wien-Schwechat klickten schlussendlich die Handschellen.

Von Eva-Maria Leeb. Erstellt am 14. März 2018 (05:36)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Verhaftung am Flughafen. Für den 60-jährigen Oberwarter, der sich seit 1995 auf der Flucht befand, klickten vergangene Woche die Handschellen.bilderbox.com
BVZ

Verbrechen lohnt sich nicht – auch, wenn die Tat schon mehr als 20 Jahre zurückliegen. 1991 hat der Oberwarter Martin S. (Name verändert, aber der Redaktion bekannt) durch Betrug – er soll Versicherungsprämien von Kunden kassiert und nicht an die Versicherung bezahlt haben – seine kriminelle Karriere begonnen.

In der Folge hat S. seine Machenschaften in den Jahren 1992 bis 1994 nach Niederösterreich verlagert, wo er Anleger mit hohen Zinsen zu Investments verleitet hatte. Dafür hatte er zwei Mittäter: Thomas G. – 1998 rechtskräftig zu sechs Jahren Haft verurteilt – und Uwe. F., der untergetaucht ist. 1995 war ihm die Justiz dicht auf den Fersen, weshalb S. seine Flucht antrat. Zwischenzeitlich hielt er sich in mehreren Staaten auf, zuletzt in Ägypten, wo er einen Verleih für Surfbretter betrieben hat.

Festnahme drei Tage später als geplant

Nach knapp 23 Jahren auf der Flucht wurde dem Oberwarter der Fahndungsdruck aufgrund der Erhebungen des Landeskriminalamtes Niederösterreich – dabei wirkte ein Beamter aus Pinkafeld federführend mit – aber zu groß. Er wurde am 8. März bei seiner Einreise nach Österreich am Flughafen Wien-Schwechat von den Beamten bereits erwartet und festgenommen.

Detail am Rande: Eigentlich hätte die Festnahme bereits am 5. März erfolgen sollen, S. hatte aber seinen Anschlussflug verpasst und konnte so noch drei Tage länger in Freiheit verbringen. Nun sitzt er aber in der Justizanstalt Krems und wartet auf seinen Prozess.

Der Gesamtschaden seiner Versicherungs- und Anlagebetrügereien soll sich auf etwa 3,5 Millionen Euro belaufen. Für den Oberwarter gilt die Unschuldsvermutung.