Pinkafelder Christian De Lellis: Ein Mann, viele Berufungen

Erstellt am 12. Februar 2022 | 14:39
Lesezeit: 4 Min
Christian De Lellis hat beruflich mehrere Standbeine. Vier, um genau zu sein. Jetzt hat er auch noch die Meisterprüfung als Installateur absolviert – mit 48 Jahren, da fängt das Berufsleben noch einmal an.
Werbung

Er ist Veranstaltungstechniker, Labelbetreiber, Musiker und Installateur-Meister, das ist er seit Kurzem auch noch. Wobei Christian De Lellis seinen Lehrabschluss als Installateur bereits vor gut 25 Jahren gemacht hat, so ist es ja nicht. Aber in den letzten Jahrzehnten, da hatte der Pinkafelder und kreative Tausendsassa nicht gar so viel übrig für Heizungen und Abflussrohre. „Als ich mit meiner Ausbildung damals fertig war, dachte ich, dass das ja noch nicht alles gewesen sein kann. Jeden Tag von acht bis 17 Uhr arbeiten gehen, so klassisch halt. Und die Musik, die war immer enorm wichtig für mich. Deshalb bin ich schlussendlich auch nach Wien gegangen, um zu studieren. Zuerst hab ich´s kurz mit Psychologie versucht, aber das war nicht das richtige. Dann bin ich aufs Vienna Konservatorium und hab schnell gutes Geld mit der Musik verdient.“

Von Gitarrengriffen und Arbeitsschritten

Konkret spielte De Lellis - aber wer kennt ihn eigentlich nicht? – viele Jahre bei der Rockband KIXX den Bass. Unter anderem halt. Über einen seiner besten Freunde kommt er dann irgendwann ans Mischpult.

„Das war bei einem Musical, mein Freund war Veranstaltungstechniker und der meinte dann plötzlich zu mir, mittendrinnen, `Du machst jetzt den Ton´. Bislang war ich immer fürs perfekte Licht auf der Bühne verantwortlich. Also in die Tontechnik wurde ich reingeschubst, aber den Beruf liebe ich bis heute sehr“, erzählt Christian. Kein Wunder aber auch, denn seit mittlerweile 17 Jahren mischt er den perfekten Ton für Stermann und Grissemann bei deren Auftritten. „Nach so vielen Jahren versteht man sich einfach blind. Aber dann kam Corona und in der Veranstaltungsbranche war nicht viel los. Ich habe mich aber immer schon gerne neu orientiert und bei vom Leben vorgegebenen Richtungswechseln vor allem neue Möglichkeiten gesehen.“

Mit Ende 40 dann also der Richtungswechsel „back to the roots“ quasi, also zurück zum Handwerk. De Lellis belegt einen Kurs für die Meisterprüfung als Installateur. „Es gibt da einen Hardcore-Kurs ins St. Pölten, der dauert knapp fünf Monate und er war zwar wirklich hardcore, aber hat sich gelohnt. Ich war logischerweise der Älteste in dem Kurs und die Jungen haben mich immer wieder gefragt, warum ich mir das antue“, lacht der Pinkafelder, der die Meisterprüfung natürlich mit Bravour absolviert. „In den letzten Jahrzehnten hat sich nicht so drastisch viel verändert in dem Beruf. Natürlich sind die Materialien heute viel besser und auch das Angebot an neuen Techniken, aber wie man eine Leitung dicht bekommt, das wusste ich schon noch“, so der Herr Installateur, der sich mittlerweile als One-man-show, also Einzelunternehmer, selbstständig gemacht und umgekehrt für seine Kunden den Umstieg von fossiler Energie auf alternative Heizungssysteme, wie beispielsweise Luftwärmepumpen, möglich macht.

„Es taugt mir heute so viel mehr, als in jungen Jahren, auf Baustellen zu fahren und abends schmutzig wieder heimzukommen und zu sehen, was dein Tagwerk war. Ehrliche Handarbeit ist eine ganz andere Art von Befriedigung. Du gehst rein, tauscht eine Armatur oder einen Boiler und die Leute sind happy, dass das endlich erledigt ist. Und ich selbst, ich freu mich nach dem heutigen Arbeitstag auch auf eine lange, warme Dusche.“

Werbung