NS-Opfer-Gedenken in Rechnitz als virtuelle Feier. Die diesjährige Gedenkfeier für die Opfer des Südostwallbaus beim Kreuzstadl in Rechnitz hat am Sonntag coronabedingt nur virtuell stattgefunden.

Von APA / BVZ.at. Erstellt am 28. März 2021 (16:30)
Gedenkstätte beim Kreuzstadl Rechnitz
Archivbild: Gedenkstätte beim Kreuzstadl Rechnitz.
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"Es gibt Dinge, deren Gedenken nicht enden kann, weil sie zum Grundlegenden der Menschheitsgeschichte gehören", erklärte dabei der Vorsitzende des Vereins RE.F.U.G.I.U.S Paul Gulda in einem Video.

"Das Unheil beginnt manchmal mit einer lauten Erschütterung, vielleicht mit einem Einsturz, einer Explosion, aber ob das ein Vulkan ist, ein einstürzendes Haus, ein Sturm, was immer, es gibt immer eine Vorgeschichte", so Gulda.

Auf gesellschaftliche Prozesse bezogen seien dies Ängste, Verunsicherung oder existenzbedrohende Situationen. Die Corona-Pandemie sei eindeutig eine solche Situation, sah der Vereinsvorsitzende eine Parallele zu 1920. Und er zog einen weiteren Vergleich: "So wie uns die Grippe, der Corona-Virus, die Pest alle befallen kann, so auch die Krankheit Spaltung, Teilung, Hass."

Erstes Ziel des Attentäters von Halle und jenes von Wien im November seien Synagogen gewesen. Zu Schaden gekommen seien in erster Linie aber nicht Juden, sondern zufällige Opfer, erklärte Gulda weiter: "Wo die Vernichtung herrscht, sind alle in Gefahr. Antisemitismus ist kein jüdisches Problem. Es ist das Problem des Antisemiten, des Menschen, der hasst." Wird in Rechnitz der Toten von 1945 gedacht, "dann suchen wir die Heilung und wir suchen Vorbeugung, ich möchte fast sagen: Impfung".

Die kommenden Jahre würden nicht leicht, als Gesellschaft brauche es "alle Solidarität, alle Weisheit, alle Liebe, derer wir fähig sind", so der RE.F.U.G.I.U.S-Vorsitzende.

Im Gedenken an die beim Bau des Südostwalls ums Leben gekommenen Opfer legte Bürgermeister Martin Kramelhofer (SPÖ) als Vertreter der Gemeinde Rechnitz einen Kranz am Gedenkstein ab. Rabbiner Shlomo Hofmeister sprach das Gebet "El Male Rachamim".