Das Südburgenland liest Wein und alle helfen mit. Die Weinlese ist seit Mitte September in vollem Gange. Die drei Winzer Markus Faulhammer, Andreas Grosz und Thomas Straka erzählen von ihrer Arbeit.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 03. Oktober 2020 (06:27)
Wenn der Traktoranhänger voll beladen ist, geht´s schnurstracks zum Presshaus. Dort kommen die Trauben zur weiteren Verarbeitung. Und dann beginnt das „Spiel“ von vorne.
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Um sieben Uhr morgens, spätestens aber um acht, oder, wenn es, dem einziehenden Herbst geschuldet, draußen feucht ist, erst um neun, machen sie sich auf. Die Lesehelfer. Und dann wird (fast) den ganzen Tag im Weingarten gestanden, „gezupft“ und „gerupft“. Währenddessen legen die Winzer höchstpersönlich, mit Unterstützung der Kellermannschaft, im Presshaus Hand an. Deren Tag dauert dann noch „etwas“ länger – sie verarbeiten das Geerntete – in den Hauptlesemonaten meist bis spät in die Nacht.

„Nicht immer“, sagt Markus Faulhammer vom Weingut Schützenhof aus Deutsch Schützen. Er ist einer von ihnen und startete sein Leseabenteuer 2020 „um den 17. September“. „Es ist die arbeitsintensivste, aber auch die spannendste Zeit des Jahres.“ Die erste Sorte, die sein 8- bis 15-Mann- und Frau-Team herunterschnitt, war der Blauburgunder. Den Abschluss bildet der für die Eisenberger Lagen (mehr als) typische Blaufränkisch, gefolgt von Merlot und Cabernet Sauvignon. Dazwischen kommt noch der Welschriesling dran. Bis Mitte Oktober will er „alles im Keller haben“. Wenn das Wetter mitspielt… „In den nächsten Wochen soll´s trocken sein, nicht zu viel regnen.“ „…dann kann der Winter kommen“, lacht Andreas Grosz aus Gaas.

Das Wetter hat die Winzer in den vergangenen Monaten ohnehin vielerorts gefordert. Der unwetterreiche August hat vor allem das Epizentrum des Weinsüdburgenlandes, den Eisenberg, stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Hagelschäden dort sind enorm – „bis zu 90% Ausfall“. Auch die Rechnitzer Gegend, rund um den G´schriebenen, hat es erwischt, allerdings nicht in der Intensität.

Die unerwünschten Kapriolen ausgenommen, gab es wenig zu „beklagen“. Ausreichender Niederschlag und kaum Trockenheit, während der Vegetationsphase der Rebstöcke, taten gut und verschoben den Lesestart, verglichenen mit den Jahren davor, minimal nach hinten.

„Der schöne September mit viel Sonne war auch förderlich“, sagt Andreas Grosz. Er möchte bis 15. Oktober abgeschlossen haben, und ist, ähnlich wie der Rechnitzer Thomas Straka, der, seiner Weißwein-Armada bedingt, bereits Anfang des Monats fertig sein wird, zufrieden mit der Qualität der Trauben. „Die ist sehr gut.“

Markus Faulhammer, quasi auf halbem Weg zwischen den beiden daheim, sieht´s auch positiv, beschreibt das Jahr aber als „generell nicht einfach“. „Auch, weil die Reife der Trauben sehr unterschiedlich ist. Es ist sicher ein Jahrgang, der Erfahrungsschatz im Keller braucht.“ Nichtsdestotrotz darf man jetzt „endlich“ ran oder, besser, ist schon mittendrin. Die Weinlese ist ein Fest. „Der Höhepunkt des Jahres“, sagt Faulhammer. „Eine Art Erntedank“, so Straka. „Da bekommen wir das ins Haus geliefert, was wir das ganze Jahr über gehegt und gepflegt haben.“ Neben „fremden“ Arbeitern packt fast die ganze Familie an und, wenn Freunde da sind, auch die. Da wird getratscht und gelacht. Das Zelebrieren „gehört einfach dazu“ und es wäre – O-Ton Faulhammer – „schade, wenn alles komplett durch Maschinen ersetzt werden würde“. Straka: „Unsere Leser sitzen jeden Tag nach der Arbeit bei einer guten Jause zusammen.“ Und trinken, na logo, „ein gutes Glaserl Wein“…