Segelsport pur, leider nicht am Neusiedler See

Erstellt am 04. Juni 2022 | 03:04
Lesezeit: 4 Min
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Umstellung. Die Segler des Burgenländischen Yachtclubs (BYC) aus Rust rechnen nach dem Wechsel der Bootsklasse nicht mit der Titelverteidigung. Ein Stockerlplatz sei aber auch in der J70-Klasse drin.
Foto: zVg/BYC
Die Segel-Bundesliga verabschiedet sich wegen des Umstiegs auf eine neue Bootsklasse aus dem Burgenland. Hinzu kommt der Wassermangel, der den Vereinen am Neusiedler See schwer zusetzt.
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Wer am österreichischen Segelsport interessiert ist, der kommt um den Neusiedler See und die heimischen Segler nicht herum. Die rot-goldenen Vereine zählen zur nationalen Elite und der Neusiedler See gilt als Eldorado für Segler. Noch.

Denn der akute Wassermangel am größten Steppensee Mitteleuropas und der Umstieg der Segel-Bundesliga von den Sunbeam 22.1-Booten auf die J70-Klasse kommen der heimischen Segelszene nicht unbedingt entgegen. Denn: Die neuen Booten haben zuviel Tiefgang für den Neusiedler See, sogar bei durchschnittlichem Wasserstand.

Daher verabschiedet sich die Segelbundesliga vom Neusiedler See – zumindest sportlich, der Vereinssitz bleibt „selbstverständlich“ weiterhin in Neusiedl, so Liga-Manager Roland Regnemer.

Saisonstart am 10. Juni am Wörthersee

Die neue Saison beginnt für die vier burgenländischen Clubs Union Yacht Club Neusiedlersee (UYCNs), den boats2sail YC (b2s-YC), Yachtclub Podersdorf (YCP) sowie für die Titelverteidiger des Burgenländischen Yachtclubs (BYC) aus Rust mit dem Auftaktevent in Velden am Wörthersee.

Dass der Yachtclub Breitenbrunn beim Saisonstart in Velden am 10. Juni nicht mehr dabei ist, hat allerdings weder mit der Liga-Reform noch mit dem Wassermangel am See zu tun, sondern eher mit der leidvollen Geschichte des Vereins in den vergangenen Jahren. Ihr Areal in Breitenbrunn mussten die Segler – die BVZ berichtete – bereits räumen.

Die Nachteile des Umstiegs auf die J70-Klasse liegen auf der Hand. Die burgenländischen Vereine können nicht am Neusiedler See mit der passenden Bootsklasse trainieren und haben weniger Erfahrung als die Konkurrenz, allen voran die J70-Spezialisten aus Vorarlberg. Dennoch ist der Tenor der Vereine durchwegs positiv, denn international hat sich das deutlich schwerere Kielboot mit Tiefgang von bis zu 1,50 Metern schon längst durchgesetzt. Auch in der Champions League wird mit den J70-Booten gesegelt.

„Beim Verein haben wir unser Sunbeam verkauft, weil wir es ja jetzt nicht mehr brauchen“, versichert etwa Alexander Kohlendorfer, der sowohl beim Landessegelverband (LSV) als auch beim YCP aktiv ist.

„Mit dem Sunbeam hätten wir nächstes Jahr wegen des niedrigen Wasserstands auf dem See aber wohl ohnehin nicht mehr fahren können. Und wenn wir schon nicht fahren können, dann nehme ich doch lieber ein Boot, das auch international gefahren werden kann.“ Als Verein bleibe man weiter in der Bundesliga und werde künftig auf anderen Seen trainieren. „Diese Trainings müssen wir bezahlen, also kommt uns die neue Regelung ungefähr doppelt so teuer wie bisher. “

Liga-Manager Regnemer bestätigt, was die heimischen Yachtclubs schon vermutet haben: „Auch ohne die Umstellung hätte die Bundesliga heuer nicht am Neusiedler See stattfinden können.“ Schuld daran ist aber nicht die Liga, sondern der Pegelstand des Sees.

Wassermangel bremst Regatten aus

Das Wasser steht den Seglern nur sprichwörtlich bis zum Hals, faktisch reicht es teilweise nicht einmal bis zu den Knien. Das spiegelt sich auch in der Planung der Vereine am Neusiedler See. Die meisten Bewerbe finden eher zu Beginn der Saison statt, im Spätsommer und Herbst ist der Regattenkalender des Landessegelverbandes (LSV) ungewöhnlich dünn. Zu lesen sind etwa Zusatzhinweise wie: „Aufgrund der Wasserstandssituation wird Mitte Juli entschieden, ob die Veranstaltung durchgeführt werden kann.“

„An der ganzen Nordseite ist die Lage ziemlich schlimm“, bestätigt Clemens Kruse, Sportdirektor des BYC mit Sitz in Rust. „In Neusiedl und Breitenbrunn ist es fast noch schlimmer. Wir sind jetzt auf dem Niveau von vergangenem September. Dazu muss man wissen: Pro Saison verliert der See, je nach Wetter, 15 bis 30 Zentimeter“, so Kruse besorgt.

Derzeit finden im Verein „noch“ Jugendtrainings statt, da deren Boote weniger Tiefgang und einklappbare Schwerter haben. Problematisch sei allerdings der Umstand, dass die Motorboote nicht mehr ausfahren können. „Wenn ein Boot wegen des Wasserstands beschädigt wird, ist das natürlich ärgerlich. Aber viel schlimmer wäre, wenn ein Boot kentert und wegen des Wasserstands keine Motorboote zur Hilfe eilen können“, bestätigt Regnemer.

Auch Alexander Kohlendorfer unterstreicht den Ernst der Lage: „Um auf dem See weiterhin fahren zu können, muss sich bald etwas ändern. Noch kann man alles in den Griff kriegen, aber es bleibt nicht mehr viel Zeit.“ Die Regatten seien natürlich auch Wirtschaftsfaktoren. „Einmal kann man so etwas schon absagen, aber auf Dauer spüren die Vereine das. Wenn nicht schnellstens etwas passiert, werden wir die Jugend verlieren.“