Guttmann beendet Karriere, WM-Quali für Grabowski. Die Weidenerin Elena Guttmann hängt ihre Karriere an den Nagel. Damit ist Lena Grabowski nun die einzige internationale Top-Schwimmerin des Landes.

Von Peter Wagentristl. Erstellt am 07. August 2020 (02:34)
Erfolg und Abschied. Elena Guttmann aus Weiden (l.) hängt den Leistungssport an den Nagel. Lena Grabowski aus Parndorf (r.) holte den Staatsmeistertitel über 200 Meter Rücken und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft.
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Nach Julia Grabowski (Schwimmunion Neusiedl) verabschiedet sich mit Elena Guttmann eine zweite etablierte Spitzen-Schwimmerin aus den Wettkampf-Becken. Die Weidenerin nennt „mehrere Faktoren“ als Grund für den Abschied vom Spitzensport.

Einer davon ist ihre hartnäckige Adduktoren-Verletzung, „die ich seit über einem Jahr mitziehe und eigentlich gerne während der Corona-Pause auskuriert hätte“, erklärt die Sportpool-Athletin. Aber die Zwangspause ging vorüber, die Schmerzen blieben. „Täglich mit Schmerzen zu trainieren macht dann auch keinen Spaß“, merkt Guttmann lakonisch an.

„Rückschläge mental nicht mehr zu ertragen“

Aber nicht nur bei Verletzungen hatte die sympathische Weidenerin Pech. Neben den physischen Problemen kommen auch psychische Strapazen hinzu, das Glück war zuletzt nicht gerade auf der Seite der 18-Jährigen: „Seit 2017 musste ich auch leider immer von etlichen Großereignissen wegen ein paar Hundertstel zuhause bleiben.“

Während Kolleginnen und Konkurrentinnen ohne das Limit zu erreichen einen Platz im Kader erhielten, blieb Guttmann die Teilnahme bei mehreren Großevents verwehrt — „das ist natürlich mental auch nichts Positives. Über lange Zeit ist das für den Kopf nicht mehr zu ertragen.“ Die Wertschätzung im Schwimmsport ließe ebenfalls zu wünschen übrig: „Schwimmen ist ein sehr intensiver, harter Sport, der vor allem in Österreich die breite Mehrheit eher wenig interessiert — was natürlich sehr schade ist.“

Auch die Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 kommt der Schwimmerin des SVS Schwecht nicht gerade entgegen, schreibt Guttmann doch kurz vor dem Olympia-Termin ihre Matura. „Mir ist ein guter Schulabschluss wichtig, deshalb werde ich mich jetzt auf die Matura konzentrieren“, hat sie ihre Prioritäten bereits geklärt. Zukünftig will Guttmann auch neben der Schule die Fitnesstrainer-Ausbildung absolvieren und der Sportszene im Bezirk Neusiedl erhalten bleiben. Konkret möchte sie beim Fitnessstudio „bernhard-trainiert“ in Weiden weiterhin als Personaltrainerin arbeiten. Langfristiges Ziel ist für sie ein Platz im Medizinstudium. Guttmann kann trotz jungen Jahren auf zahlreiche Erfolge und eine gelungene Karriere zurückblicken. „Zu meinen schönsten Erfolgen zähle ich auf jeden Fall die Teilnahme bei den Youth Olympic Games 2018 in Buenos Aires, weil ich da als eine von zwei österreichischen Schwimmerinnen dabei sein und das

Land vertreten durfte. Außerdem bleibt mir ein Event in Eindhoven gut in Erinnerung, bei dem ich nur um vier Zehntelsekunden den Österreichischen Juniorenrekord von Olympia-Medaillengewinnerin Mirna Jukic verpasst habe.“

Grabowski löste Ticket für Weltmeisterschaft

In eine andere Richtung geht es unterdessen bei der letzten internationalen Top-Schwimmerin des Landes: Lena Grabowski von der Schwimmunion Neusiedl am See (SUNS) stieg bei den Staatsmeisterschaften am Wochenende als Siegerin über 100 und 200 Meter Rücken aus dem Becken. Neben der Goldmedaille und dem Titel sicherte sich die Parndorferin mit ihrer Zeit von 2:10,56 Minuten auch das Ticket für die Weltmeisterschaft in Japan. „Ich bin durchaus zufrieden bisher (Stand Montagabend; Anmerkung) und habe besser abgeschnitten als ich gedacht hätte“, zieht Grabowski zur Halbzeit zufrieden Bilanz.

Dass sich noch das Olympia-Ticket über 100 Meter Rücken ausgeht, bezweifelt die 17-Jährige: „Darauf fehlt mir noch eine Sekunde, das ist schon viel. Was die Limits angeht, habe ich keinen Stress.“

Olympia bleibt trotz WM-Qualifikation das große Ziel, nicht zuletzt wegen des zeitlichen Rahmens: Die Olympischen Spiele finden nach der Verschiebung 2021 statt, die WM 2022 — „in meinem Maturajahrgang, da habe ich dann auch andere Sorgen.“ Nach den Staatsmeisterschaften geht es für Grabowski nun aber mit drei Woche Ferien weiter.

Ihre Sportpool-Kollegin Elena Guttmann drückt ihr jedenfalls die Daumen: „Lena gehört zu meinen engsten Freunden und wir sind sehr oft in Kontakt. Ich wünsche ihr natürlich nur das Beste, dass die Olympischen Spiele stattfinden werden und sie auch tatsächlich dort sein kann.“ Die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit: „Wir haben im Vorfeld viel über ihre Entscheidung geredet. Ich merke, dass es ihr nun besser geht. Es war wohl die richtige Entscheidung.“ Die rot-goldenen Medaillenhoffnungen ruhen nun jedenfalls alleine auf der Parndorferin Lena Grabowski.