Obmann Werner Faymann zur Lage: Training eingeschränkt. Obmann Werner Faymann beendete schon am Mittwochabend die persönlichen Kontakte unter seinen Athleten. Auch der Fahnenschwingerlauf wackelt.

Von Dietmar Heger. Erstellt am 18. März 2020 (01:43)
Keine Gruppentrainings. LMB-Obmann Werner Faymann (l.) stellte schon am vergangenen Mittwoch alle gemeinsamen Trainings ein. Daniel Wildzeiss, Wolfgang Mangold und Thomas Feucht (v.l.) müssen individuell trainieren.
BVZ

Die Corona-Krise hat den gesamten Sport fest im Griff. Auch der Laufsport ist trotz seiner Individualität stark betroffen. Alle Veranstaltungen wurden bis 3. April abgesagt. Die BVZ befragte LMB-Obmann Werner Faymann zur Lage.

„Laufen ist mehr denn je eine gute Idee“ liest man trotz der Absage auf der Homepage des Vienna City Marathons.
Werner Faymann: Laufen hat den Vorteil, dass man individuell und im Freien trainieren kann. Daher ist es eine gute Möglichkeit sich trotz der aktuellen Einschränkungen fit zu halten.

Dennoch hat die Krise auch auf die Laufszene massiven Einfluss. Wie stellt es sich derzeit dar?
Die Veranstaltungen und somit in gewisser Weise auch die Ziele der Athleten sind weg. Am vergangenen Wochenende hätten die Österreichischen Meisterschaften im Crosslauf in Klosterneuburg stattfinden sollen. Auch der Wien-Marathon 2020 (Anm.: 19. April) ist bereits abgesagt. Der Start der Lauftour, zu der auch unser Fahnenschwingerlauf in Neckenmarkt zählt, ist am 2. Mai in Zöbern geplant. Das alles liegt derzeit auf Eis oder ist in Schwebe.

Die Veranstaltungen und somit in gewisser Weise auch die Ziele der Athleten sind weg.

Wie steht es um Ihre Veranstaltung, den Fahnenschwingerlauf, der für den 9. Mai angesetzt ist?
Die ersten Vorbereitungen wurden getroffen. Flyer und Plakate sind gedruckt und hätten in dieser Woche ihren Weg zu den Vereinen und Haushalten finden sollen. Wir warten jetzt einmal den weiteren Verlauf der Pandemie ab und reden Anfang April darüber, ob wir verschieben oder ganz absagen müssen. Weil wir zur Lauftour gehören, können wir nicht einfach einen anderen Termin wählen. Außerdem macht es nur wenig Sinn, wenn dann im Herbst alle zwei Wochen ein Lauf veranstaltet wird.

Wie wichtig ist dieses Lauf-Event im Vereinsleben des LMB?
Sehr wichtig. Durch diese Veranstaltung finanzieren wir unsere Nachwuchsarbeit. Da würde sich schon eine Lücke auftun. Wir sind aber mit der Ausrichtung schon sehr erfahren, könnten in kurzer Zeit alles auf die Beine stellen. Die Frage bleibt, ob die Szene bis dahin schon für Läufe bereit ist.

Sie haben am vergangenen Mittwoch schon sehr früh Ihre Mitglieder über die Absage des gemeinschaftlichen Trainings informiert. Wussten Sie schon mehr oder sind Sie einfach nur sehr vorsichtig?
Sagen wir so. Ich bin mir der Verantwortung für die Gesundheit unserer Athleten bewusst. Für Donnerstag war ein Nachwuchstraining angesetzt. Da trainieren wir in einer Halle, das kam für mich nicht infrage. Keiner weiß, wer die Krankheit in sich trägt. Daher war es für mich die einzig vernünftige Entscheidung, schon am Mittwochabend alle Mitglieder zu informieren, dass vorerst keine Trainings in Gruppen stattfinden.

Anfangs wurde erwähnt, dass Laufen individuell trainiert wird. Kann das Training für den Einzelnen nun wie geplant weitergeführt werden oder gibt es doch größere Veränderungen.
Die Trainingspläne der Läufer und Läuferinnen ändern sich grundsätzlich nicht. Krafttraining muss jetzt eben mit Eigengewicht absolviert und die Laufeinheiten alleine und nicht in Gruppen durchgeführt werden. Dennoch fallen die konkreten Ziele weg oder sind schwer planbar. Wenn ich für einen Marathon trainiere, schaut mein Trainingsprogramm anders aus, als wenn ich über 10.000 Meter laufen will. Die Läufer werden sich nun wahrscheinlich Ziele, die weiter weg sind, aussuchen. Aber derzeit ist eben auch das alles nicht sicher.

Die Leistungsfähigkeit wird unter dieser Ungewissheit leiden, oder?
Natürlich ist es nicht leicht, da man aktuell ja nicht weiß, wann man wieder zur Normalität übergeht. Im Laufen ist das Problem geringer, in den technischen Disziplinen wie Hochsprung, Weitsprung, Werfen und dergleichen ist es weit schwieriger. Für dieses Training braucht man gewisse Gegebenheiten, um sich weiterzuentwickeln beziehungsweise Leistungen abrufen zu können.

Weg vom Sport. Die Regierung hat drastische Maßnahmen über die Bevölkerung verhängt. Wie sehen Sie diese Beschränkungen?
Diese Maßnahmen sind sehr wichtig. Für meinen Geschmack ist das Ganze sogar ein bisschen zu spät passiert. Die WHO (Anm: Weltgesundheitsorganisation) hat schon um den Jahreswechsel auch bei uns vor einer Pandemie, wie sie in China damals ausgebrochen war, gewarnt. Leider spielen oft wirtschaftliche Aspekte eine größere Rolle als gesundheitliche. Das wiederum ist ein gesellschaftliches Problem und hängt auch stark mit der Globalisierung zusammen.