Zoe Amminger ist U18-Meisterin im Dreisprung. Die 16-jährige Zoe Amminger-Edwards kürte sich zur australischen U18-Meisterin im Dreisprung. In Sachen Zukunft, hält sie aber den Ball flach.

Von Dietmar Heger. Erstellt am 02. Mai 2021 (02:34)
Siegerehrung. Ein Foto auf dem Goldtreppchen der Olympischen Spiele 2000 durfte nicht fehlen.
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Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein Mädchen mit mittelburgenländischen Wurzeln australische Meisterin nennen darf. Zoe Amminger-Edwards darf sich das in der Altersklasse U18 seit ungefähr zwei Wochen. Denn damals setzte sich die Gymnasiastin, die mit ihrer Familie in Melbourne lebt, bei den Australien Track & Field Championships in Sydney durch. Aber der Reihe nach: Zoes Vater Paul wanderte vor 20 Jahren nach Australien aus.

Der Markt Sankt Martiner ist Professor für Jugendpsychiatrie an der Universität Melbourne. Weil es in Down Under besonders innovative Forschungen in Ammingers Interessensgebiet gab und weiterhin gibt, entschloss sich der Mittelburgenländer, seinen Lebensmittelpunkt dorthin zu verlegen. Daher wuchs Töchterchen Zoe hauptsächlich in der australischen Metropole auf, Österreich kennt die heutige Spitzenleichtathletin von regelmäßigen Sommer- und Winterurlauben. „Zuhause sprechen wir hauptsächlich Deutsch“, verrät die Gymnasiastin, die mit Vater Paul und dessen Lebensgefährtin Miriam, die ebenfalls Psychiaterin ist und ihre Wurzeln in Mörbisch am See hat, zusammenlebt.

Die Begeisterung für Sport ist der 16-Jährigen einerseits in die Wiege gelegt, andererseits hat sie auch mit dem australischen System zu tun, welches es Kindern sehr leicht macht, verschiedene Sportarten zu betreiben und sich „einfach auszuprobieren. Vieles wird hier in den Schulen angeboten“, erzählt Zoe, die so in den vergangenen Jahren von Synchronschwimmen über Australien Rules Football bis zum Turmspringen alle möglichen Sportarten für sich ausprobierte. „Ich bin aber immer wieder zur Leichtathletik zurückgekehrt“, wurde die wahre Leidenschaft der Schülerin nach und nach immer deutlicher. „Zuerst habe ich Hürdenlauf und Weitsprung trainiert, bis klar wurde, dass ich für den Dreisprung besonders begabt bin.“

„Wenn man das Dreispringen beherrscht, ist es ein bisschen wie Fliegen. Und das wollte ich schon immer können.“ Zoe Amminger-Edwards, Australische U18-Meisterin

Diese Disziplin wurde nach und nach zu einer wahren Leidenschaft. „Die Kombination aus Schnelligkeit, Kraft und Technik liebe ich besonders am Dreisprung. Es ist eine besonders vielseitige und anspruchsvolle Disziplin“, erklärt Zoe, die außerdem jede Menge Freunde im Lager der Dreispringer fand.

Ein Umfeld, das die 15-Jährige zu sportlichen Höchstleistungen führt, fand Amminger-Edwards bei Athletics Essendon, einem Klub, der schon Olympiateilnehmer hervorgebracht hat. Ihr Trainer Alwyn Jones ist selbst siebenfacher australischer Meister im Dreisprung und gewann zudem die Bronzemedaille bei den Melbourne Commenwealth Games. Druck verspührt Zoe trotz der ersten großen Erfolge und dem prominenten Umfeld jedoch keinen. „Welche sportlichen Ziele ich einmal erreichen kann, hängt von so vielen Faktoren ab. Aktuell macht mir das Ganze soviel Spaß, das möchte ich einfach genießen. Über die Zukunft mache ich mir da nur wenige Gedanken“, so die Gymnasiastin, die ihre Schule Ende des nächsten Jahres abschließen wird. „Daher gibt es neben dem Training sehr viel zu tun.“

Dank guter Organisation bleibt aber genügend Zeit, um an einer sportlichen Erfolgsgeschichte zu schreiben. Den ersten Schritt ins Rampenlicht machte die „halbe Mittelburgenländerin“ bei den australischen U18-Meisterschaften, wo sie neben Talent auch Nervenstärke bewies. Denn erst im fünften von sechs Versuchen konnte Amminger-Edwards mit einem Satz auf 11,67 Meter ihre schärfste Konkurrentin auf den Titel, Luca Graumann, die 11,57 Meter vorgelegt hatte, abfangen – mit einer gigantischen Steigerung von gleich 39 Zentimetern gegenüber ihrem zweitbesten Sprung. Danach konnte Zoe bei der Siegerzeremonie im Sydney Olympic Park Athletics Centre jenes Podest besteigen, auf dem im Jahr 2000 auch die Leichtathletik-Olympiasieger standen. Kurzum: Es war einfach nur ein Moment zum Genießen.