Toni Morgenbesser strebt eine individuelle Zukunft an. Toni Morgenbesser wird dem SC Neudörfl ab Sommer nicht mehr zur Verfügung stehen. Der langjährige „SCN-Co“ will künftig als Individualtrainer durchstarten.

Von David Schweighofer. Erstellt am 02. Mai 2021 (02:12)
Erfolgreiche Zeit. Mit dem SC Neudörfl erlebte Toni Morgenbesser auf und abseits des Platzes das eine oder andere Highlight. In Zukunft will der 46-Jährige als Individualtrainer bei Vereinen arbeiten.
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Fünfeinhalb Jahre war Toni Morgenbesser beim SC Neudörfl als „der Mann in der zweiten Reihe“ aktiv. Das hat jetzt ein Ende. Der 46-Jährige wird im Sommer sein Amt als Co-Trainer zurücklegen. „Der Verein weiß schon länger Bescheid, dass ich nicht über den Sommer hinaus bleibe“, klärte Morgenbesser sein Vorhaben mit dem SCN schon ab. Wer Morgenbesser übrigens auf seiner Position folgt, stand zu Redaktionsschluss noch nicht fest.

In Neudörfl erlebte Morgenbesser viele Höhen, aber auch Tiefen. Alles begann im Winter der Saison 2014/15: Neudörfl tat sich als Aufsteiger in die Burgenlandliga schwer. Nach der Trennung von Trainer „Willi“ Hatzl präsentierte der SCN mit Jürgen Burgemeister einen alten Bekannten als neuen Coach. Damals mit an Bord war auch Toni Morgenbesser, den Burgemeister als Verstärkung für das Trainerteam holte. Den Abstieg konnte das neue Gespann aber nicht verhindern.

„ Ich bin großer Fan von Jürgen Klopp und Liverpool, die haben sogar einen eigenen Trainer nur für Einwürfe. Warum sollte es also nicht auch im Amateurbereich Individualtrainer geben?“ Toni Morgenbesser über seinen neuen persönlichen Fokus

Auch nach dem Gang in die 2. Liga Mitte waren Burgemeister und Morgenbesser noch immer im Amt. Drei Saisonen sollten es für die beiden noch werden, ehe Burgemeister zum Ende der Punktejagd 2018/19 seine Zelte beim SC Wiener Neustadt aufschlug. Morgenbesser übernahm für die letzten Spiele interimistisch, ehe mit Thomas Wallner der Trainer für die neue Saison präsentiert wurde. „Ich habe in Neudörfl sehr gute Erfahrungen gemacht. Es war in jeder Hinsicht eine sehr lehrreiche Zeit. Auch die Aufgabe als Reserve-Trainer und die Arbeit mit jungen Spielern hat mir gefallen“, spielte der Lanzenkirchner auch noch aktiv in der Zweiermannschaft.

Sportlich sorgte Morgenbesser auch als variable Konstante für Furore. „In einem Freundschaftsspiel habe ich sogar einmal im Tor aushelfen müssen und ich glaube, ich habe gar keine so schlechte Figur gemacht. Absolutes Highlight war aber, dass ich mit 45 noch einen Einsatz in der Kampfmannschaft hatte und das Siegestor zum 2:1 gegen Draßmarkt geschossen habe“, erinnert er sich gerne zurück.

Die Nachdenkzeit im Lockdown genützt

Doch auch jede Ära geht einmal zu Ende, so auch jene von Toni Morgenbesser in Neudörfl. Pläne für die Zukunft hat der 46-Jährige ohnehin schon. Der Experte will als Individualtrainer durchstarten. „Ich habe im Lockdown viel Zeit gehabt nachzudenken und mir Gedanken über meine Zukunft gemacht. Besonders Training in Kleingruppen hat mir immer schon gefallen, denn desto kleiner die Gruppe, desto individueller und gezielter kann man auf den einzelnen Spieler eingehen. Dann kam mir der Gedanke des Individualtrainers.“

Treu nach dem Motto „Schwächen schwächen, Stärken stärken“, will Morgenbesser ansetzen und so mit Spielern Einzel- oder Kleingruppentrainings abhalten. Egal ob dabei die Kicker vom Verein aus kommen, der Trainer sie geschickt hat oder ob sie sich privat dafür entscheiden, ähnlich wie ein externer Tormann-Trainer will er sich den Akteuren annehmen. „Ich habe mit vielen Trainerkollegen und Spielern geredet und die glauben auch, dass das keine schlechte Idee ist. Mit einem Verein aus Neunkirchen bin ich sogar schon im Gespräch, von der Jugend bis zur Kampfmannschaft den Kader individuell zu trainieren, denn je früher man anfängt desto besser.“ Auch für vereinsexterne Sessions stehen bereits ein bis zwei Standorte in der Umgebung von Wiener Neustadt zur Diskussion. Dabei ist der Job des Individualtrainers keineswegs neu, wie Morgenbesser fortfährt: „Im Profibereich hat fast jedes Team einen oder mehrere Individualtrainer. Ich bin großer Fan von Jürgen Klopp und Liverpool, die haben sogar einen eigenen Trainer nur für Einwürfe. Warum sollte es also nicht auch im Amateurbereich Individualtrainer geben?“

Der Unterhaus-Fußball steht seit Monaten still. Kehren die Kicker wieder per „Kaltstart“ in den Alltag zurück, ist das Verletzungsrisiko trotz etwaiger Heimprogramme wohl immens hoch. Das ist auch ein Punkt, der Morgenbesser wichtig ist: „Auch für rekonvaleszente Spieler ist das Individualtraining eine gute Möglichkeit, sich fußballspezifisch vorzubereiten und wieder so schnell wie möglich zurückzukommen.“ Seine Prioritäten haben sich aber auch besonders in den fußballfreien Monaten etwas gewandelt. Mehr Zeit für die Familie sind dem 46-Jährigen mittlerweile wichtiger als vier Mal in der Woche auf dem Platz zu stehen. Schmunzelnder Abschluss: „Ganz ohne Sportplatz geht es aber doch nicht, wie man sieht.“