Ein Bild zwischen Unmut und zarter Hoffnung. Noch immer ruht die Kugel im Unterhaus. Die BVZ hörte sich bei den Klubs der 2. Klasse Mitte um. Ergebnis: Die Stimmung vieler Beteiligter passt noch, ist großteils aber an der Kippe.

Von Alfred Wagentristl. Erstellt am 28. Februar 2021 (02:22)
Pessimistisch. Für Wiesen-Trainer Dominik Gruber könnte sogar der Worst Case-Fall eintreten und bis Sommer gar kein Spiel mehr stattfinden.
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Die Maßnahmen den Amateurfußball betreffend sind seit Monaten einschneidend, die Stimmung bei den Vereinsverantwortlichen wird schlechter und politische Entscheidungsträger werden mittlerweile scharf kritisiert. Grund genug für die BVZ sich in der 2. Klasse über die Situation in den Vereinen und die Einschätzung der Entwicklung in der nahen Zukunft mit folgenden Fragen zu erkundigen:

1. Wie würden Sie die Stimmung im Verein beschreiben?

2. Wie ist die Motivation im Kampfmannschaftskader?

3. Wie könnten sich die Vorgaben im Fußball in den nächsten Wochen entwickeln?

Mark Hergovits, Sportlicher Leiter des SV Antau: 1. Die Stimmung ist nach wie vor gut. Natürlich wird es mit Fortdauer der Einschränkungen nicht einfacher, aber noch sind wir voller Tatendrang. Am Sportplatz werden die Sanierungsarbeiten durchgeführt und es sind immer wieder unterstützende Hände für den Verein da, wofür wir sehr dankbar sind.

2. Bei uns brennen alle auf den Wiederbeginn und möchten dort weitermachen, wo wir aufgehört haben. Wir wollen den Aufstieg unbedingt und die Spieler arbeiten entsprechend.

3. Meiner Meinung nach wird es in Richtung Eigenverantwortung gehen. Zumindest hoffe ich das, zurzeit werden wir alle wie kleine Kinder behandelt. Ich denke, dass es in Richtung Selbsttests gehen wird und wir zumindest die Hinrunde fertigspielen werden. Wobei es auch uns lieber wäre, wenn wir mehr Spiele bekommen würden.

Wolfgang Steirer, Präsident des SC Unterpullendorf : 1. Die Stimmung ist noch in Ordnung. Wir haben am Sportplatz einige Arbeiten erledigt: Zum Teil ausgemalt, die Bäume um den Sportplatz geschnitten, Malerarbeiten auf der Tribüne gemacht und auch in der Kabine einiges saniert.

2. Momentan ist wieder ein wenig „Zug“ drinnen. Unser Spieler und Funktionär Nesad Residovic hat eine Challenge ins Leben gerufen, wo sich die Spieler in Sachen Lauf-Kilometer ein wenig matchen. Aber natürlich geht dem Großteil der Kicker das Training am Platz und mit den Mannschaftskameraden enorm ab und es sehnen alle den Start herbei, der hoffentlich bald verkündet wird.

3. Meiner Meinung nach wird Spielen mit begrenzter Zuschauerzahl möglich sein. Ab einer gewissen Anzahl dann eben auch wieder mit Sitzplatzzuweisung und die Kantine mit Vorgaben. Testen wird beim Outdoor-Sport nicht nötig sein, behaupte ich.

Philipp Schordje, Trainer des UFC Sieggraben: 1. Die Stimmung ist düster, wenn ich das so sagen darf. So wie meiner Meinung nach die Stimmung in Gesamtösterreich immer schlechter wird. Die Maßnahmen sind zu oft widersprüchlich, erscheinen ungerecht, sind unverhältnismäßig und nicht zuletzt auch sehr nervig.

2. Die Motivation wieder Fußball spielen zu dürfen, ist riesengroß. Die Motivation sich selbst fit zu halten, geht langsam leider gegen Null.

3. Ich denke und hoffe, dass wir mit Tests bald wieder trainieren und spielen dürfen. Mittlerweile machen wir ohnehin schon so gut wie alles, um ein bisschen Erleichterungen zugesprochen zu bekommen. Außerdem sagen wir für die selbstverständlichsten Sachen schon hundert Mal danke. Für mich persönlich steht fest, dass ich mir im Sommer ein anderes Land suche, sollte hier kein lebenswertes Leben mehr möglich gemacht werden.

Optimistisch. Dörfls Coach Wolfgang Weber sieht ein nahes Ende der Maßnahmen. Für ihn ist sogar die Durchführung der kompletten Saison denkbar.
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Wolfgang Weber, Trainer des SC Dörfl: 1. Wir warten alle auf Befehle. Die Vereinsleitung kann es ebenso wenig erwarten, wieder den Betrieb aufzunehmen, wie die Spieler. Es wird natürlich langsam sehr mühsam für alle Beteiligten und zehrt an jedem Einzelnen, ob jung oder alt. Vor allem die Kinder tun mir persönlich besonders leid. Obwohl sie ja in der Schule regelmäßig getestet werden, dürfen sie trotzdem nicht Fußballspielen. Das ist halt leider schwer zu verstehen.

2. Wir werden das schon bewältigen. Ich hoffe, es hat sich niemand daran gewöhnt, eben kein Training zu haben.

3. Irgendwie hat man ja jetzt trotzdem das Gefühl, dass ein Ende der Maßnahmen in Sicht ist. Zum Teil sind leider Widersprüche zu erkennen, das macht die Sache nicht einfacher. Ich hoffe, dass wir in der 2. Klasse nicht nur die Hinrunde spielen werden, sondern auch die Rückrunde – und wenn auch Doppelrunden nötig wären.

Zsolt Nagy, Trainer des SV Markt Sankt Martin : 1. Die Stimmung bei den Funktionären ist noch in Ordnung. Jeder freut sich schon, dass es weitergeht. Natürlich ist es mühsam für die Verantwortlichen, weil sie nicht planen können. Das ewige Abwarten und nochmal Abwarten schlägt sich auf das Gemüt. Aber ähnlich wie die Spieler, freuen sich auch die Funktionärinnen und Funktionäre auf die Fortführung der Meisterschaft.

2. Es wird immer härter für die Spieler sich zu motivieren. Momentan laufen wir noch alle in der Gemeinde im Kreis, aber wie lange kann man sich dafür noch begeistern. Auch für mich persönlich ist es schwer, weil ich demnächst 39 bin und meine Zeit als Spieler natürlich zeitnah vorüber ist, da ist die coronabedingte Unterbrechung doppelt bitter.

3. Wir hätten in der Hinrunde nur mehr ein Heimspiel gegen Deutschkreutz/Unterfrauenhaid. Ich hoffe, dass auch die Rückrunde durchgezogen wird, aber da bin ich sehr skeptisch.

Peter Thauer, Sportlicher Leiter des ASK Hirm: 1. Die Lage ist natürlich sehr zach. Man kann als Obmann, als Sportlicher Leiter oder als Verein quasi nichts tun. Dementsprechend ist die Stimmung auch nicht gut.

2. Die Motivation der Mannschaft ist schwierig, wenn man nicht weiß, wann es wieder los geht. Ich ziehe aber den Hut vor unseren Kickern, die wirklich viel Loyalität bewiesen haben und uns weiterhin treu bleiben. Da gab es mit dem einen oder anderen wechselwilligen Spieler kurze und gute Gespräche im Winter und sie haben sich für uns entschieden.

3. Da ist jetzt die Politik am Zug. Die Regierung muss Rahmenbedingungen schaffen, das ist ihre Aufgabe. Erst jetzt verstehen viele, welchen Stellenwert der Breitensport hat. Da muss man schleunigst reagieren und ich habe den Eindruck, die Politik macht da ihren Job momentan nicht wirklich.

Toni Drabeck, Trainer des ASK Raiding: 1. Nicht gut, soviel steht fest. Viele dürfen nicht auf den Sportplatz und das schlägt sich natürlich auf die Stimmung nieder. Ich weiß nicht, ob sich die Menschen noch lange einsperren lassen. Ok, sie sollen uns testen, aber so gut wie gar nichts mehr zu dürfen, wird nicht mehr lange gut gehen.

2. Noch funktionieren die Laufeinheiten, die wir über eine App steuern. Unser Neuzugang Fabian Zolles unterstützt uns da sehr gut und die Burschen werden mit Übungen versorgt. Trotzdem gehören die Burschen rasch auf den Platz. Ich denke, es ist da vielen Entscheidungsträgern nicht bewusst, was sie mit derart lang anhaltenden, zum Teil nicht nachvollziehbaren, Maßnahmen anrichten.

3. Ich glaube, dass wir demnächst trainieren dürfen und dass wir auch im Juni noch Punktespiele haben. Es sollte, wenn noch nötig, auch während der Europameisterschaft gespielt werden.

Ralph Supper, Sportlicher Leiter des UFC Mannersdorf: 1. Die Stimmung im Verein selbst passt. Wir erledigen auch die eine oder andere Arbeit am Platz. So haben wir neue Tore bestellt und erneuern den Ballfangzaun. Auch den Zaun um die Sportanlage haben wir vor zu erneuern.

2. Die Burschen sind angehalten, sich selbst fit zu halten, was sie hoffentlich machen. Wie konsequent das durchgezogen wird, kann ich leider nicht beurteilen, da bauen wir sehr auf Eigenverantwortung.

3. Ursprünglich dachte ich, dass wir die Hinrunde – das wären für uns noch die Spiele gegen Unterpullendorf, gegen Antau und gegen Tschurndorf – noch fertig spielen werden. Mittlerweile glaube ich aber nicht einmal mehr daran. Ich denke, dass wir bis zum Sommer gar nicht mehr spielen und würde diese Entscheidung auch nachvollziehen können, wenn selbst manche Unternehmen nicht aufsperren dürfen.

Norbert Hoffmann, Obmann des SC Unterfrauenhaid: 1. Die Stimmung würde ich als abwartend bezeichnen. Je länger die Einschränkungen andauern, desto weniger glauben die Leute natürlich an die Vorgangsweise. Auch die Sanierungsarbeiten am Sportplatz im Kabinengebäude, haben wir aufgrund der Maßnahmen verschoben

2. Mit der Zeit geht es natürlich merkbar bergab mit der Motivation der Spieler. Wenn man immer ins Ungewisse reintrainieren muss, ist das aber auch verständlich.

3. Ich glaube, dass die Hinrunde fertiggespielt wird. Die sollte man trotzdem durchpeitschen, wenn es sein muss auch ohne Publikum, um eine Wertung zu haben: Wobei man hier sagen muss, dass wir es etwas leichter haben, weil wir den finanziellen Aufwand deutlich verkleinert haben. Wir haben nur mehr zwei Partien und es würde den Ausfall eines Heimspieles gegen Dörfl betreffen.

Dominik Gruber, Trainer des SC Wiesen: 1. Die Ungewissheit ist klarerweise zu spüren, weil man natürlich nicht weiß, wie es weitergeht. Am Sportplatz ist vor allem Obmann Roman Pinter immer wieder beim Sanieren. An Kleinigkeiten in den Sanitärräumen und auch am Platz wird immer wieder etwas gemacht.

2. Ich denke, dass wir mitunter eines der fleißigsten Teams sind, auch wenn ich die Zahlen der anderen Mannschaften nicht kenne, aber meine Jungs sind bisher wirklich sehr, sehr fleißig. Rund 70 Prozent der SCW-Spieler ziehen ein ordentliches Programm durch und würden sich über einen Neustart sehr freuen. Bis 14. März wird es ein Heimprogramm geben. Wenn es danach wieder nicht möglich ist, gemeinsam zu trainieren, denk ich mir, dass es in Sachen Motivation schwierig wird, auf diese Art weiterzumachen.

3. Ich bin sehr pessimistisch, was diese Frage betrifft. Was ich erwarte, nach dem bisherigen Verlauf: Ich glaube, bis Sommer werden wir leider gar nicht spielen. Trainieren eventuell, aber wenn dann auch in Kleingruppen, aber diese Meisterschaft wird meiner Meinung nach wieder nicht gewertet werden. Auch das restliche Jahr wird sehr schwierig werden. Zwar wird die Meisterschaft möglich sein, aber mit vielen Auflagen.

Andreas Fellinger, Trainer des ASK Tschurndorf: 1. Je länger diese Einschränkungen ihre Gültigkeit haben, desto demotivierender ist es meiner Meinung nach auch für die Funktionäre. Nicht nur die Spieler haben Spaß am normalen Spielbetrieb, auch die Menschen rund um die aktiven Fußballer machen das, weil sie das gerne machen.

2. Die Stimmung im Kader kann ich kaum einschätzen, weil nur sporadisch Kontakt mit den Spielern aufgenommen wird. Es hat jeder seine Aufgaben, die hoffentlich erfüllt werden. Da setzen wir auf Vertrauen und Eigenverantwortung.

3. Ich bin der Meinung, dass wir die Hinrunde spielen werden, aber viel mehr nicht. Wenn, dann eventuell mit dem Freitesten, was im äußersten Notfall, wenn nicht anders möglich, auch zu akzeptieren wäre. Optimal ist es sicher nicht. Aber ich gehe auf alle Fälle davon aus, dass wir eine Wertung haben werden.