Emotionales Foto-Finish beim Dreikampf

Erstellt am 27. Juni 2022 | 02:46
Lesezeit: 5 Min
Der Dreikampf in der 1. Klasse Süd war bis zur letzten Minute des letzten Spieltages spannend und spektakulär. So gab es mit Meister Großpetersdorf und Verfolger Kukmirn zwei Sieger – und einen Verlierer.
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Der 8. Juni 2019 wird für immer in der Historie des SV Großpetersdorf verankert sein. Damals stieg man, obwohl man zur Pause alles noch selbst in der Hand hatte, nach einer 2:5-Niederlage gegen Jennersdorf aus der 2. Liga Süd ab. Wer die damals gespenstische Atmosphäre miterlebte, wird diese nur schwerlich vergessen. Regungslos lag die kickende SVG-Zunft minutenlang am Rasen der Elektro Unger-Arena.

Obmann Harald Schneller war erst fassungslos, dann wütend und letztendlich konsterniert. Schnell war nach dem ersten Schock aber klar, dass man diesen Makel gemeinschaftlich und mit neuen Legionären ausmerzen wolle. Drei Jahre musste man dafür warten. 2019/20 wäre man sicher, 2020/21 sehr wahrscheinlich schon zurück nach oben gegangen.

Zweimal machten die Corona-Annullierungen dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Heuer hielt die Elf von Andreas Konrad keiner auf. Kein Corona und keine starke Konkurrenz aus Kukmirn und Unterschützen. Und wieder waren Tränen mit dabei. Dieses Mal aber der Freude, denn nach dem schwer erarbeiteten 1:0-Heimsieg am 3. Juni 2022 über den ASK Oberdorf war klar, dass dem Traditionsverein keiner mehr das so begehrte 2. Liga-Ticket nehmen würde.

Zum Drüberstreuen sicherte man sich eine Woche später nach dem 5:0-Auswärtssieg in St. Michael dann noch den Meistertitel. In doppelter Ausführung, denn auch die Reserve schlug zu. Klar, dass die Party dann gleich in zweimal so langer Ausführung durchgeführt wurde. Die Hauptgründe für den Titel? Der Teamgeist der Mannschaft, die gerne zusammen ist und auch vieles für den Titel investierte.

Zudem die Klasse der Legionäre, die sich von hinten bis vorne durchzieht. Etwas, was zu 2. Liga-Zeiten zu oft fehlte. „Wir hatten das komplette Paket. Defensiv standen wir oft super, offensiv waren wir immer für gewisse Situationen gut“, resümierte Obmann Schneller und schoss nach: „Es war sicher verdient, auch weil wir Kukmirn (1:0) und Unterschützen (2:1) im Frühjahr schlugen. Mit starker Defensive und offensiven Momenten.“

Die erste Pflicht ist so erfüllt – und nun? Hält man seinen Kader zusammen und wird nur an sehr wenigen Stellschrauben drehen. „Es ist sicher eine gewisse Euphorie da“, so Schneller, um anzufügen: „Nur der Klassenerhalt wäre uns aktuell wohl etwas zu wenig.“ Nachsatz: „Wir werden uns vor dem Saisonstart zusammensetzen und Ziele definieren, die für Trainer, Spieler, Funktionäre und Fans passen. Ich glaube schon, dass wir eine vernünftige, gute Rolle spielen können und Qualität mitbringen, um auch eine Stufe höher eine Bereicherung zu sein.“ Davon ist Stand jetzt sportlich eigentlich klar auszugehen.

Unverhofft kommt oft

Ganze sechs Saisonen musste sich der SV Kukmirn mit der 1. Klasse Süd begnügen. 2015/16 ging es runter und es dauerte, ehe der ehemalige Landesligist, der um die 2000er Jahre sehr viele starke Kicker in seinen Reihen wusste, wieder mit einer Rückkehr spekulieren konnte. Dabei baute man rund um Ausnahmekönner Lukas Unger, der nach dem Burgenlandliga-Aus des SV Eltendorf zu seinem Stammverein zurückkehrte, eine Mannschaft auf.

Robin Bleyer, davor ebenfalls in Eltendorf, sagte zu, Goalie Martin Knar ebenfalls und spätestens mit den Winter-Transfers von Güssing-Fixstarter Felix Heindl und Kaltenbrunn-Angreifer Patrik Preiner machte man seinen Anspruch auf ein etwaiges Aufstiegs-Ticket geltend. Dazu kam ein starkes Legionärs-Quartett und fertig war die 2. Liga-Mixtur.

Spätestens mit dem 3:1-Auswärtssieg beim damaligen Tabellenführer aus Unterschützen war man vollends im Aufstiegsrennen involviert und hatte so auch das bessere Ende für sich. Dabei ging man im Winter gar noch Risiko, denn man holte Stefan Klem als neuen Trainer für Rudi Hoanzl. Der war dann bei der Verkündung des Unterschützener Remis in Goberling, welches den Sportplatz in ein Tollhaus verwandelte, ebenfalls mit dabei. Das zeigt, dass man beim SVK in dieser Spielzeit alle mitnahm. Und mitnehmen wird, denn der Kader bleibt beisammen.

„Das macht uns schon richtig stolz, da es zeigt, dass wir alles richtig gemacht haben“, erklärte der Sportliche Leiter Wolfgang Zach, der früher selbst lange für den Verein, der am 23. und 24. Juli sein 60-jähriges Jubiläum feiern wird, kickte. Mit zu großen Erwartungen geht man nicht in sein Rückkehr-Jahr. So erklärte Zach: „Unser Ziel ist es, die Klasse zu halten und möglicherweise einen guten Mittelfeldplatz anzustreben. Gelingt uns das, glaube ich schon, dass auch unsere Fans zufrieden sein werden.“ Gefeiert wurde zuletzt genug, jetzt geht es zurück an die fußballerische Arbeit, denn der Respekt vor der neuen Aufgabe ist gegeben.

Arbeit ist auch ein gutes Stichwort für die Dritten aus Unterschützen. Dort wich die Niedergeschlagenheit ob des verpassten Aufstiegs in den letzten Tagen schon wieder der Lust auf den erneuten Anlauf. Und vielleicht gibt es beim SKU dann 2023 Tränen der Freude.