Herzenjak über SV Eltendorf: „Ist mein Herzensverein“. Vor einem halben Jahr stand der SV Eltendorf vor dem Aus. Mit einheimischen Kickern rund um Kapitän Stefan Herzenjak gelang die Wende: erfolgreich und überraschend.

Von David Marousek. Erstellt am 19. Dezember 2020 (00:51)

Es war ein kleines südburgenländisches Wunder, das sich in Eltendorf über den Herbst abspielte. Stand im Sommer eine Fusion mit dem SV Heiligenkreuz oder die Auflösung des Vereins im Raum, mischte der Traditionsklub am Ende überraschenderweise die 2. Klasse auf, liegt aktuell auf Platz zwei hinter der Gemeinde Tobaj und hält Kurs Richtung Meister-Play-off. Damit rechnen konnte keiner, nicht einmal die eigenen Spieler. „Wir haben das erste Jahr als Übergangsjahr eingeplant. Viele haben gedacht, dass wir im ersten Match gleich vier oder fünf Gegentore bekommen. Am Ende haben wir gewonnen, auch durch den Charakter unserer Spieler“, zeigte sich Kapitän Stefan Herzenjak stolz auf das Geleistete. Das war nach dem turbulenten Aus von Gönner Willi Goldschmidt nicht selbstverständlich.

Aus der einstigen „Startruppe“, die Spieler wie Michael Kulnik, Joachim Parapatits oder den Argentinier Esteban Pipino verpflichtete, wurde wieder ein „normaler“ Verein. Das Herz in der Hand, statt (kleines) Profitum und Regionalliga-Ambitionen. „Hierher muss man nicht kommen, um Geld zu verdienen“, erklärte der Kapitän. Mit Moral und Kampf soll im Frühjahr gepunktet und die Euphorie aus dem Herbst zur neuen Identität des Vereins werden.

Von einem Bänderriss zum nächsten geeilt

Für den gebürtigen Eltendorfer war die Zeit bei seinem Stammverein nicht immer einfach. Zweimal riss dem heute 28-Jährigen das Kreuzband, zweimal war es der Meniskus und ein Knorpelschaden mit 15 Jahren kam auch noch dazu. Was noch alles im „Originalzustand“ im linken Knie ist, kann Herzenjak heute selbst nicht mehr sagen. Aktuell erwischte es ihn, im rechten Knie bei einem Pressball im Rückspiel in Gerersdorf-Sulz, erneut. Auch hier ist der Meniskus gerissen und auch das Seitenband zog es in Mitleidenschaft. „Was im Frühjahr geht, muss ich jetzt erst einmal abwarten. Eigentlich wollte ich mich im Winter meinem anderen Knie widmen.“

Von Woche zu Woche nur durchgebnissen

Im Sommer hatte er sich aus „Eigeninteresse“ fit gehalten, an Kicken war da noch nicht zu denken. Der Herbst war trotz vieler Erfolgserlebnisse schmerzhaft: „Ich habe Woche für Woche gekämpft, um irgendwie zu spielen. Der SV Eltendorf ist einfach mein Herzensverein.“ Diesen Einsatz würden die Zuschauer aber wieder belohnen. „Es sind Leute gekommen, die jahrelang nicht auf den Platz gingen. Auch wenn sicher viele beim ersten Spiel gekommen sind, um uns verlieren zu sehen“, lacht der Kapitän. Von den anderen Kontrahenten in der Liga sei viel Zuspruch für Neustart gekommen. Jetzt liege es am Verein, sich interessant für die eigenen jungen Kicker zu halten. An einigen sei man laut Kapitän bereits dran: „Wir werden im Winter hoffentlich zwei bis drei super Verstärkungen mit Eltendorf-Bezug holen.“

Der Aufstieg sei zwar kein Muss, aber bei einem Erreichen des Meister-Play-offs schon ein kleiner Traum für den Kapitän des SV Eltendorf. Vor allem mit den „alten“ Eltendorfer Kickern. „Mit unseren zwei Legionären haben wir Glücksgriffe gemacht, auch menschlich. Vor ein paar Jahren wären wir noch ein super 2. Liga-Team gewesen.“ Lob gab es vor allem für Michael Jost, der eigentlich nur als Torwarttrainer eingeplant war: „Er ist einfach der beste Goalie.“