Reserve-Absage als teurer Spaß

Erstellt am 16. Januar 2022 | 01:13
Lesezeit: 4 Min
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Treibende Kraft, auch für den Reserve-Bewerb. Rechnitz-Cheftrainer Rene Varga waren einige Gegner-Nichtantreten in der Reserve ein Dorn im Auge. So will man 2022 nun eine Pönale von 375 einfordern.
Foto: Bauer
Die Reserve-Saison der 2. Liga Süd bleibt ein Stiefkind. Viele Absagen pflasterten den Hinrunden-Weg. Dem will der SV Rechnitz 2022 vorbeugen und auch eine Pönale vom dann nichtantretenden Verein einfordern.
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38 Punkte ergatterte der Reserve-Herbstmeister vom UFC Jennersdorf in der Hinrunde 2021/22. Eine starke Ausbeute, die durch diverse Nichtantreten der Konkurrenz getrübt wurde. Auf heimischer Wiese holte man etwa neun Punkte durch eigenes Zutun, während derer 15 ohne Anstrengung hinzukamen. So war die Unzufriedenheit bei der Elf von Franz Mrazek groß. Auch weil teils sehr kurzfristig abgesagt, die Kantine aber schon für ein etwaiges Spiel bestückt wurde. Finanzielle Einbußen und gähnende Leere vor dem Kampfmannschafts-Auftritt waren die Folge. Die neben dem Verein größten Leidtragenden? Die Spieler! Diese trainieren vielleicht nicht ganz so häufig wie die Erste-Kicker, aber oft genug. Zumeist blieb man dann ohne Kick über.

Dabei ist dieser Umstand nicht nur beim Winterkönig ärgerlich. Auch der Zweite aus Eberau oder gar der Zehnte aus Rechnitz (und andere) haderten. Die Rechnitzer machten nun Nägel mit Köpfen und schrieben einen Rund-Brief an die anderen 15 Liga-Teilnehmer und den burgenländischen Fußballverband, um 2022 etwaig von einem BFV-Passus – Paragraf 12, Absatz 5 – Gebrauch zu machen. So kann bei einem Nichtantreten des Gegners, eine Pönale von 375 Euro eingefordert werden, die sonst beim Straf- und Meldeausschuss STRUMA bedeutend geringer ausfällt.

„Der Sportverein Rechnitz will damit keinesfalls einen wirtschaftlichen Vorteil erzielen, sondern ein Umdenken bezüglich der Reserveproblematik erreichen und in erster Linie dem eigenen Nachwuchs eine geregelte Teilnahme an Meisterschaftsspielen ermöglichen“, hieß es im Schreiben. Ergänzender Nachsatz: „Der SVR kennt die Schwierigkeiten im Zusammenhang mit einem Reserve-Team – auch aus eigener Erfahrung.“ Dennoch bestehe „kein Zweifel, dass Teilnehmer der 2. Liga Süd in der Lage sein sollten, eine Reserve-Elf zu stellen. Es steht auch jedem Verein zu, eine SpG zu gründen, um die Probleme so in den Griff zu bekommen.“

Verständnis vom BFV-Vize

Man weiß aber nicht nur in Rechnitz, wie schnell es in Zweierteams gehen kann. Hat man in der Hinrunde (zu) viele Leute, kann das im folgenden Frühjahr schon wieder ganz anders aussehen, wobei man Einwohnerzahl oder Nachwuchsteams nicht außer Acht lassen darf. Da ist man in Rechnitz oder Jennersdorf mehr gesegnet als in Heiligenbrunn oder St. Martin. Dennoch ist die 2. Liga auch weit davon entfernt eine „Krumpanliga“ zu sein. Es wird auch dort schon gutes Geld verdient. „Manche Absagen sind der 2. Liga unwürdig“, erklärte Rechnitz-Trainer Rene Varga, der unter der Woche viele Reserve-Kicker beim Training mit dabei hat, aber diese am Spieltag nicht alle in den Erste-Kader nehmen kann. Die dürfen dann zusehen.

„Dann verliere ich lieber“

Von Verbandsseite steht die Reserve schon seit Jahren auf der Agenda. Oder eben auch nicht, denn passiert ist sehr, sehr wenig. Das soll sich laut BFV-Vizepräsident Konrad Renner, der auch als SpG Edelserpentin-Obmann fungiert, alsbald ändern. „Seit eineinhalb Jahren wollte ich dieses Thema in den Spielausschuss bringen, aber nichts passierte. Es gibt dort riesige Probleme und man muss zwei Richtungen beachten. Zum einen muss man die schützen, die eine intakte Reserve stellen und auf der anderen Seite auch die Probleme aufnehmen, die andere Klubs haben“, stellt der BFV-Vizepräsident klar und ergänzt: „Ich war immer für regionale Spezifikationen.“

Ein erster Schritt soll dann im März folgen. In Lindabrunn treffen sich die Landesverbände und man will mit den Bundesländern Kärnten, Steiermark sowie Oberösterreich Rücksprache halten und deren Erfahrungswerte hören. So gibt es in der Steiermark keinen Reservebetrieb, stellen höherklassige Klubs oft eine Zweitauswahl, die in den letzten Klassen oder darüber kicken. In Kärnten sei es laut Renner ein „Mischmasch“ und in Oberösterreich werden Nichtantreten hart sanktioniert. Renner: „Das geht so weit, dass die Kampfmannschaft Punktabzüge erhält.“

Der Verbands-Funktionär zeigte Verständnis für das Rechnitzer Vorgehen. Es sei deren gutes Recht, die Pönale, die seit einigen Jahren im Passus verankert ist und zuletzt noch erhöht wurde, einzufordern. Klar sei für Renner aber auch: „Bei uns im Süden wird im Nachwuchs gut gearbeitet, aber mehr Spieler-Personal ist einfach nicht da.“ Da kann er als 2. Liga-Obmann ein Lied davon singen. Die Gründe? Vielfältig. Bei der SpG waren es im Herbst 2021 Verletzungssorgen. Fünf Nichtantreten waren die Folge. „Unser Kader reichte nicht aus.“ Nachsatz: „Bevor ich dann auch noch dem Letzten die Freude nehme, weil wir ständig 0:10 verlieren, verliere ich lieber durch ein Nichtantreten.“