Stefan Deutsch, der „Unterschiedsspieler“. Der Jennersdorfer Stefan Deutsch darf auf eine bewegte Karriere mit vielen Höhen, aber auch einigen Tiefen zurückblicken. Fußball war, ist und bleibt trotz allem der Mittelpunkt.

Von Patrick Bauer. Erstellt am 12. April 2020 (02:15)
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Mittlerweile ist es Jahre her, dass der Autor dieser Zeilen Stefan Deutsch fußballerisch erstmals so richtig wahrnahm. An einem kalten März-Tag saß der blonde Linksfuß bei einem Heimspiel des UFC Jennersdorf vor der Pause auf der Bank. Zur Halbzeit wärmte er dann in unmittelbarer Nähe des BVZ-Redakteurs auf. Nicht intensiv und der Ball war mit dabei. Was er mit diesem anstellte, ließ schon erahnen, was folgen sollte. Der offensive Außenbahnspieler kam in die Begegnung und diese war schnell eine andere. Gegen wen es damals ging und wie das Spiel letztendlich endete, ist in der Erinnerung verblasst. Der Name Stefan Deutsch blieb aber haften und mit ihm viele Momente fußballerischer Süd-Finesse.

Die Karriere des kürzlich 30 Jahre jung werdenden Lehrers war da schon in vollem Gange. 2006 durfte er sich mit 16 Lenzen in der Jennersdorfer Ersten zeigen und war ab diesem Zeitpunkt fixer Bestandteil des Kaders. 2008 ging es dann als 2. Liga-Meister erstmals rauf in die Landesliga. „Dieser Titel, dazu der Einzug mit der damaligen U15 ins Landesfinale, der zweite Aufstieg mit dem UFC 2010/11 und das BFV-Cupfinale mit Rudersdorf 2016 waren meine größten sportlichen Erfolge“, erzählt er.“

„Wie Patrick Sinkovics den UFC seit zehn Jahren als Kapitän führt, ist Wahnsinn.“ Stefan Deutsch über den „Il Capitano“ und langjährigen Teamkollegen in Jennersdorf

Durch die Zeiten wurde der Fußball ein anderer. Eine strenge hierarchische Kabinenordnung wie es früher Usus war, gibt es kaum noch. „Ich musste damals mit 16 noch die Tore beim Training tragen. Solche Dinge haben sich sicher verändert. Der Kampf an der Spitze war früher auch härter. Ab und an weiß man ja gar nicht, wer nach oben will.“

Er hat Aufstiege erlebt und die weiten Burgenlandliga-Fahrten in den Norden. „Es war lange lustig, im dritten Jahr dann auch nervig.“ Sein Können hatte er landesweit bewiesen und so trat der USV Rudersdorf auf den Plan. Der Traditionsverein konnte ihn vor der Saison 2014/15 von sich überzeugen. „Im Nachhinein war es die richtige Entscheidung“, sagt er und meint damit den Ausbruch aus seinem gewohnten Umfeld. Das brachte ihn menschlich weiter. Schnell war er Lieblingsspieler der Fans und wurde oft mit Arjen Robben verglichen. „Dort war alles top. Ich musste ernster ans Werk gehen, weil die Erwartungen groß waren und ich mehr Verantwortung übernehmen wollte. Ich fühlte mich richtig wohl und bin für die zwei Jahre und tollen Momente abseits dankbar.“

Weil sein Stammverein die Burgenlandliga 2015/16 nicht hielt, stand er in Zwiespalt mit sich selbst. „Die Entscheidung war schwieriger als zwei Jahre zuvor. Ich hätte aber gegen meinen Stammverein, in dem ich aufwuchs, kicken müssen. Das wollte ich nicht.“

Es ging zurück und eine neue Zeitrechnung brach an. Diese dokumentierte sich vor allem zur Hinrunde 2017/18, wo man 39 von 45 möglichen Punkte erreichte. Erst als Deutsch zur Rückrunde ausfiel, merkte man, wie sehr der Unterschiedsspieler fehlt. Eine Zeit geprägt von Verletzungen, aber auch fußballerischem Desinteresse folgte. „Ich legte in meiner Karriere dreimal eine Pause ein, mal freiwillig, mal unfreiwillig, aber ich merkte immer schnell, dass etwas fehlt. Es ist mehr als nur Hobby und mir ist auch der gesellschaftliche Aspekt wichtig.“

Viele Mit- und Gegenspieler pflasterten seinen Weg, wobei er zwei herausstreicht: „‚Il Bomber‘ Kevin Pfeifer, einer der 20 Tore garantiert, aber immer fürs Team arbeitet. Dazu natürlich ‚Il Capitano‘ Patrick Sinkovics, mit dem ich länger als mit jedem anderen zusammenspielte und dabei auch oft aneinandergeriet.“ Kicker, die in Jennersdorf Legendenstatus halten. Wie auch Deutsch, was er 2020 bekräftigen wollte. Der 4:0-Sieg im Nachtrag in Grafenschachen kam zu früh, aber sein Einsteigen war fix. Dann kam Corona. „Ich hoffe, dass wir bald wieder kicken können. Persönlich will ich schmerzfrei bleiben und einfach Spaß haben.“

Das hoffen wir alle, auch um ihn bald wieder in Aktion zu sehen. Eine Frage blieb bis dato aber noch offen: Warum wurde er zum AS Roma-Fan? „2002 übertrug Premiere ein Roma-Spiel. Spieler, Spielstil und die Fankurve gefielen mir, auch wenn ich Gegner und Ergebnis nicht mehr weiß.“ So etwas soll durchaus mal vorkommen.